Syrische Politik für die USA berechenbar: Syrien wird zum Schlüssel für den Friedensprozess

Syrische Politik für die USA berechenbar
Syrien wird zum Schlüssel für den Friedensprozess

Der syrische Präsident Baschar Assad fühlt sich derzeit wie auf einer „Beobachtungsstation“, sagt ein westlicher Diplomat in Damaskus. Sollten die USA und Großbritannien den Irak-Krieg erfolgreich abschließen, würden deren Truppen an der syrischen Grenze stationiert werden. Dann könnte Assad sich gezwungen sehen, mit der US-Regierung zu kooperieren, sobald sie den Friedensprozess in der Region vorantreiben wolle.

hn TEL AVIV. In Damaskus erinnert man sich noch gut an Äußerungen des stellvertretenden US-Außenministers Richard Armitage, der nach dem 11. September 2001 mehrere Staaten gewarnt hatte, denen die USA Unterstützung von Terroristen vorwerfen. Syrien befindet sich zwar nach wie vor auf dieser Terror-Liste, hat den US-Behörden aber wiederholt beim Aufgreifen von gesuchten Terroristen geholfen. Im Januar hatte ein hoher amerikanischer Beamter in Damaskus sogar Möglichkeiten eines syrischen Engagements im Irak-Krieg diskutiert.

Aus der syrischen Hauptstadt sind immer wieder harsche anti- amerikanische Töne zu hören. Während der ägyptische Präsident Hosni Mubarak seinen irakischen Amtskollegen Saddam Hussein für den Krieg verantwortlich macht, hat Assad diese Woche die USA scharf verurteilt. Er wolle nicht warten, bis er von der amerikanisch-britischen Kriegskoalition angegriffen werde, sagte er. Der irakische Außenminister Naji Sabri wurde sogar von seinem syrischen Amtskollegen Faruk al-Schara empfangen.

Doch in Washington schätze man die syrische Politik als „rational“ und wohl auch berechenbar ein, so ein Diplomat. Assad hat sich beispielsweise im Gespräch mit der libanesischen Zeitung As-Safir gestern ausdrücklich vom Terrorismus distanziert: „Auf diesem Gebiet haben wir dieselben Interessen (wie die USA)“, so Assad, „auch wir sind gegen den Terrorismus.“ So hält er die schiitischen Hisbollah-Milizen im Libanon, die von ihm unterstützt werden, derzeit an der kurzen Leine. Der syrische Präsident befürchtet vor allem, dass Israel militärische Aktionen an der Nordgrenze zum Anlass nehmen könnte, um im Schatten des Irak-Krieges massiv gegen syrische Interessen im Libanon oder Damaskus direkt vorzugehen.

Kräfteverhältnis im Libanon und in Syrien könnte sich verändern

Für einen Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon macht sich derzeit vor allem der ehemalige General Michel Aoun stark, der mit den Israelis im Südlibanon kollaborierte. Er sieht den Krieg gegen den Irak als Chance, die syrische Besatzung dank des amerikanischen Einflusses in der Region abzuschütteln. In Damaskus rechnen westliche Diplomaten jedoch nicht damit, dass US-Präsident George W. Bush Damaskus auffordern werde, die Truppen aus dem Libanon abzuziehen. Das wäre kaum im Interesse der USA, weil Syrien im Libanon für Ruhe sorgen kann, meinen sie.

Ein schneller Sieg der US-Truppen könnte das Kräfteverhältnis im Libanon und in Syrien verändern. Schon hat sich Hisbollah-Chef Sayyed Hassan Nasralla nach zusätzlichen Verbündeten umgesehen. Er will den internen Zusammenhalt im Libanon für den Fall stärken, dass sich die syrische Ordnung im Libanon auflösen würde. Seine Partei beteiligt sich deshalb an Gesprächen mit christlichen Führern.

Trotz der westlichen Intervention im Irak würde die schiitische Organisation den Sturz von Saddam Hussein nicht nur bedauern. Der irakische Despot hat im Laufe seiner Herrschaft nämlich wichtige schiitische Geistliche umbringen lassen.

Sollte sich der Krieg gegen den Irak aber verlustreich in die Länge ziehen, könnte das den schiitischen Milizen Auftrieb geben. Organisationen, die an den Dschihad glauben, würden dies als Ermunterung für neue Gewaltakte interpretieren, vermutet ein Diplomat in Jerusalem.

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