Syrischer Beamter
Ehemaliger Botschafter ruft zum Protest auf

Der Botschafter Syriens im Irak ist zu den Aufständischen übergelaufen. In einem Facebook-Video ruft der ranghohe Beamte die Soldaten auf, die Waffen gegen das Regime zu richten. Die Uno setzte Assad jetzt ein Ultimatum.
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AmmanDer zur Opposition übergelaufene Botschafter Syriens im Irak hat seine Landsleute zum bewaffneten Widerstand gegen Präsident Baschar al-Assad aufgerufen. „Richtet eure Gewehre gegen die Verbrecher dieses Regimes“, ist Nawaf al-Fares in einem auf Facebook verbreiteten Video zu hören. Er ist der erste ranghohe Diplomat, der Assad den Rücken kehrt. Für die Oppositionsbewegung ist der Übertritt einer der größten Erfolge im monatelangen Kampf mit der Führung in Damaskus.

Die Regierung erklärte lediglich, Fares sei von seinen Aufgaben entbunden worden. Nach Berichten von Anwohnern geriet am Donnerstag erstmals die Hauptstadt Damaskus unter Beschuss. Menschenrechtlern zufolge kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Im UN-Sicherheitsrat zeichnete sich weiterhin keine einheitliche Haltung ab.

Irakischen Angaben zufolge hält sich Fares in Katar auf. Der oppositionelle Syrische Nationalrat erklärte, sein Überlaufen sei nur der Anfang: Eine ganze Reihe von Diplomaten würden sich in naher Zukunft von Assad abwenden. Die US-Regierung wertete die Flucht als weiteren Beleg dafür, dass Assad die Macht entgleite. Fares hat enge Verbindungen zum Sicherheitsapparat.

Zuvor hatte sich Brigadegeneral Manaf Tlas von den Revolutionsgarden, der als enger Freund von Assad galt, ins Ausland abgesetzt. Ob Tlas sich in der Oppositionsbewegung engagiert, ist offen. Nach Angaben des französischen Außenministeriums hat er aber bereits Kontakt zu den Rebellen aufgenommen. Tlas und der nun desertierte Diplomat Fares sind wie die Mehrheit der Syrer und der Aufständischen Sunniten. Die politische und militärische Elite gehören dagegen zu den Allawiten, einer Abspaltung des schiitischen Islam.

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  • Achja,...am Ende scheint aber keine Lösung wirklich erfreulich. Die kriegerische Eskalation ist ja bereits gegeben. Fragwürdig erscheint es dennoch zu sein, ob ein Machtwechsel zu Frieden führt. Bisher sieht ja die Erfolgsquote bei den Regimewechseln des vergangenen Jahres sehr mau aus,..., auf der anderen Seite steht die Frage, wie lange braucht eine Gesellschaft, um sich neuen Herrschafts, System-, bzw. Machtverhältnissen anzupassen bzw. daran zu gewöhnen? Die französische Revolution kam ja auch nicht von Heut auf Morgen und war dann nach zwei Tagen vorbei... stürzen von Regimen scheint das eine zu sein,...der Aufbau und die Stabilisierung, wie wir es an Afghanistan oder auch dem Irak, selbst in den neuen Balkan Republiken erleben, scheint hingegen mindestens längeer als 10 Jahre anzudauern. Vielleicht sollte man die kriegerischen Regimewechsel in der Zukunft besser durch denken und auch das finanzielle Risiko langfristig mit einkalkulieren. Dabei fällt mir ein,..., was war wohl bisher teurer,..., die derzeitige Wirtschafts-Finanz und Staatenkrise (WFSK) oder die Kriege seit 1999?

  • Ist die Nato wirklich scharf drauf? Mir erscheint es nicht so zu sein. Nehmen wir das Beispiel Lybien, da ging es wesentlich schneller mit dem Eingreifen. Nehmen wir die Konflikte in den Kaukasus Republiken vor ca. vier Jahre (?), da wäre die Nato auch glatt rein gegangen, hätte Rußland länger mit dem Feuer gespielt, nehmen wir die Balkan Staaten. Also ich kann nicht sehen, dass sie es darauf anlegen, obwohl sie es sicherlich legitimieren könnten, weil mit der Türkei ein Bündnispartner "angegriffen" wurde, zumindest wäre es Offiziellen durchaus zu zutrauen, dies so dar zustellen. Ich behaupte, es wird abgewartet, wie sich die Lage dort weiter entwickelt und aus Rücksicht auf Israel auch weiterhin nicht eingegriffen. Ausserdem würde ich behaupten, dass der (politische) Konflikt mit dem Iran höher bewertet wird. Wenn die Iraner ernst machen, die Straße von Homus zu zumachen und die Öllieferwege somit dicht machen, werden die "Kriegsinstrumente" dort gebraucht. Syrien passt den "Westalliierten" gerade nicht in den Kram. Ausserdem verdienen die Deutschen, Amis und Russen an dem Konflikt ganz gut, zumindest wenn man den Berichten von Spiegelonline und Co. glauben schenkt. Und Israel ohne in Verschwörungstheorien ausarten zu wollen, dürfte sich bei der derzeitigen instabilen Lage in Ägypten, Iraq, Lybien, Drohungen durch den Iran, nicht besonders wohl fühlen unabhängig von den innenpolitischen Problemen die sie haben. In Syrien eingreifen, könnte sich auch allzu schnell zu einem vier Fronten Krieg verwandeln... und ich glaube, da kann die israelische Armee noch so gut ausgebildet sein...aber es würde ein blutige Schlacht werden. Naja, und ausserdem sind ja derzeit alle Nato Staaten knapp bei Kasse und müssen sparen was das Zeug hält.

  • Wieso ist die NATO so scharf darauf, sunnitische Fundamentalisten an die Macht zu bringen? Sie haben enge Verdingungen zur Al-Qaida!

    Assad ist bestimmt ein Engel aber was da gerade an Rebellen gefördert wird, sind die Terroristen von morgen - diesmal mit einer militärischen Streitmacht im Rücken. Ist eine kriegerische Eskalation gewünscht?

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