Syriza-Bündnis Die schrägsten Forderungen der griechischen Linken

Das linksradikale Syriza-Bündnis könnte unter ihrem Chef Alexis Tsipras bei den Neuwahlen stärkste Kraft werden. Ihre Funktionäre haben eine lange Liste von kruden Wünschen. Ein Überblick – und Realitäts-Check.
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Syriza-Chef Tsipras: Kreditverträge mit dem Internationalen Währungsfonds und der EU „zerreißen.“ Quelle: dpa

Syriza-Chef Tsipras: Kreditverträge mit dem Internationalen Währungsfonds und der EU „zerreißen.“

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DüssleldorfWenn es nach Oppositionschef Alexis Tsipras geht, lassen sich Griechenlands Probleme ganz einfach lösen. „Mit dem Willen des Volkes werden die Sparpläne in ein paar Tagen der Vergangenheit angehören, und die Zukunft kann beginnen“, kündigte er am Montag an. Zuvor war die Wahl eines neuen Präsidenten auch im dritten Anlauf gescheitert und der amtierende griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hatte Neuwahlen verkündet.

Aus den Wahlen könnte laut Umfragen Tsipras' linksradikales Syriza-Bündnis als Sieger hervorgehen. Im Moment zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Syriza und der bisher regierenden Partei Neue Demokratie von Samaras ab. In einer am Dienstag veröffentlichten Meinungsumfrage im Auftrag des Senders Alpha TV kam Syriza auf 28,1 Prozent – die Neue Demokratie landet bei 25,1 Prozent.

Für den Fall eines Wahlsieges haben Politiker von Syriza große Versprechen gemacht. Tsipras etwa will die Kreditverträge mit dem Internationalen Währungsfonds  und der EU „zerreißen.“ Sein Vertrauter Panos Skourletis kündigt in der „Bild“-Zeitung an, Griechenland werde von Deutschland Reparationen für die erlittenen Schäden im Zweiten Weltkrieg verlangen.      

Handelsblatt Online gibt einen Überblick über die abstrusesten Forderungen der Syriza-Partei  und hat sie einem Realitäts-Check unterzogen.

 

1.    Kreditverträge mit den Gläubigern „zerreißen“

Syriza-Chef Tsipras hat angekündigt, er wolle die Kreditverträge mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) „zerreißen.“ Hinter den Worten steht die Forderung nach einem massiven Schuldenerlass. Syriza-Fraktionschef Panagiotis Kourouplis beispielsweise schlägt einen einseitigen Schuldenschnitt von 70 Prozent vor, was eine Insolvenz des griechischen Staates bedeuten würde.

Die Folgen wären vor allem für Griechenland verheerend. Zwar macht Athen inzwischen einen so genannten Primärüberschuss. Sprich: Ohne Berücksichtigung von  Zins- und Tilgungszahlungen wäre der Haushalt im Plus. Doch würde eine neuerliche Staatspleite mit ziemlicher Sicherheit große Unsicherheit schüren. Es droht  Kapitalflucht und eine neue Wirtschaftskrise.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, prognostiziert einer möglichen Syriza-Regierung deshalb ein böses Erwachen. Wenige Wochen nach einem Wahlerfolg werde Syriza den Sieg bitter bereuen. Die „unerfahrenen Anti-Reformer“ würden vermutlich nur weitere internationale Finanzhilfen bekommen, wenn sie sehr harte Bedingungen akzeptierten. 

Verstaatlichung und mehr Beamte
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30 Kommentare zu "Syriza-Bündnis: Die schrägsten Forderungen der griechischen Linken"

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  • Der Staatsbankrott und Austritt aus der Eurozone Griechenlands wäre beim ersten Mal sehr viel billiger geworden. Aber unsere Politiker wollten das Wahlvolk nicht mit einer zweiten Bankenrettung verwirren, die ca 70 Mrd Euro gekostet hätte. Jetzt haften wir für ein Mehrfaches davon, was natürlich der Steuerzahler zu übernehmen hat. Schuldenbremse ade. Der völlig unverständliche Satz von Frau Merkel, Griechenland müßte um jeden Preis in der Eurozone gehalten werden (warum eigentlich???), würde bedeuten, dass wir jährlich ca 5% unseres BIP nach Griechenland überweisen müßten. Ist uns nicht "no bail-out" bei Einführung des Euro versprochen worden, dass kein Staat für das Ausgabeverhalten eines anderes haftet???

  • Viel Glück ihr stolzen Griechen. Lasst euch ja nicht beirren.

  • @ Teito Klein

    Warum gehen alle davon aus der Führer einer Partei mit weniger als 30% in Wahlumfragen die Regierung stellen wird?

  • was sollte passieren wenn diese partei gewinnt ? wohl eher nichts, ausser das eine offene konfrontation mit den glaeubigernationen eintritt, die man sich mit der bisherigen regierung erspart. ein schuldenfreier neuanfang waere den griechen zu wuenschen, aber es bleibt wohl nur der alte weg: warten bis sich der euroraum erholt und es sich leisten kann die schulden
    soweit (oder ganz) zu erlassen bis es einen neuanfang mit einer anderen politik als der austeritaet gibt. ich bin zwar von der eu oder der art und weise wie sie sich fortfuehrt nicht mehr ganz ueberzeugt, aber das alt angefangene sollte man so weitermachen das es keine katastrophe gibt. der unausweichliche schuldenschnitt wird alle glaeubigernationen eine menge geld kosten, das man eh eigentlich schon abschreiben kann. dann bleibt die solidaritaet gewahrt und das verprechen wird eingehalten. was kann man als europaer mehr fuer die griechen tun ? mal sehen ob die europaer irgendwann einen neuen kurs fuer europa waehlen (in frankreich zb weht ein doch merklich anti europaeischer seitenwind in form der front national). leider werden die griechen nicht darunter sein, denn denen sind die eurohaende gebunden und die zeiten selbstbestimmt selbstverschuldeter nationalstaatlichkeit sind laengst vorbei. egal ob syrizza oder goldener morgen - die werden denen den geldhahn zudrehen bis sie zur vernunft kommen und das wars ...

  • [b]Die Angst der Eurokraten vor Alexis Tsipras[b]

    Samaras spricht von einer Schicksalsentscheidung für Griechenland.
    Tsipras von einem Neuanfang.

    Tsipras hat bei einem Wahlsieg genau drei Optionen:

    ■ Option eins: Griechenland verlässt den Euro.
    Auch wenn Tsipras heute tönt, er werde das Spardiktat aufbrechen und das Rettungspaket werde "in wenigen Tagen Geschichte sein", hat er in Wirklichkeit gar kein Interesse an einem radikalen Schritt.

    ■ Option zwei: Alles geht weiter wie bisher.
    Da die Konsequenzen des "Grexits" desaströs wären, bleibt ihm nur, weiter am Tropf der EZB zu hängen.

    ■ Option drei: Schuldenschnitt und radikale Reformen.
    Bei niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten kommen die aktuellen Kredite dadurch in Teilen Transfers gleich. Und das heißt: Die Geldgeber werden einen Teil ihres Geldes nicht wiedersehen.

    Eines der Probleme der bisherigen Griechenlandrettung ist, dass so wenige sinnvolle Reformen durchgesetzt wurden. Trotzdem floss das Geld immer weiter - für Griechenland eine komfortable Situation.

  • "unspektakuläre Besatzung"??? Hallo ist da jemand? Das ist typisch für Deutschland. Jeder gibt, weil er es darf, seinen Senf dazu. Ohne sich zumindest ansatzweise mit den selbst geschriebenen Themen auszukennen.
    Es gab hier bei uns in viele griechische Zwangsarbeiter. Insbesondere bei VARTA. Hoffe VARTA sagt Ihnen etwas. Familie Quandt ein Begriff? BMW?

  • Stimme Ihnen bis auf "griechische Statistiktrickserei" komplett mit Ihrer Meinung überein. Die Trickserein kommen von Goldman SUCKS. Goldman Sucks ist der Buchhalter der Griechen und vielen anderen Ländern dieser Erde.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Abgesehen vom üblichen sozialistischen Dummgeschwätz auch eines Tsipras bleibt doch vor allem, daß nun offen behandelt wird, was bisher nur im Verborgenen geschah.

    All die netten Auflagen werden nicht mehr verborgen ignoriert, sondern in aller Öffentlichkeit.
    Sonst könnte man damit dort ja auch keine Stimmen gewinnen.

    So enthüllen die Sozialisten in Griechenland vor allem, daß die nationalen Regierungen anderswo, besonders in Deutschland, immer schon ihr eigens Volk belogen haben, wenn sie versicherten, es sein alles in Ordnung.

    Es wurde höchste Zeit, diese scheinheiligen Personen in Berlin - aber auch in Brüssel - bloß zu stellen.
    Es wäre nun an uns allen, dringend zu handeln - und zwar zuhause.

  • Ein radikaler Schuldenschnitt mit gleichzeitigem Euro-Austritt und Wiedereinführung einer nationalen Währung die einzige Möglichkeit, daß Griechenland wieder auf die Beine kommt. Griechenland soll selbstverständlich in der EU und der Nato bleiben trotz der Regierungsübernahme durch den Linkssozialisten Hr. Tsipras, aber soll vom Euro befreit werden, keine griechische Regierung versteht den gemeinsamen Euro gemeinsam zu nutzen, nur zum Eigennutz ist er nicht geschaffen. Leben auf Kosten anderer, das geht eben nicht lange gut. Riskieren wir es nun, den euroausstieg Griechenlands, wir sind von Beginn an mit 27% dabei. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Ende ohne Schrecken. Ein längeres Verbleiben Griechenlands im Euro gefährdet den Euro als gemeinsame Währung und alle übrigen Länder Europas.

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