Syriza-Drohungen
Griechische Linke in der Euro-Falle

Gewinnt die Linkspartei Syriza die griechische Parlamentswahl, will sie den Reformkurs beenden. Das könnte den Austritt aus dem Euro bedeuten. Ökonomen meinen: Die Konsequenzen wären fatal – vor allem für die Griechen.
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BerlinDie anstehende vorgezogene Neuwahl in Griechenland sorgt in der EU für Unruhe. Könnte ein Sieg der in Umfragen führenden Linkspartei Syriza die Euro-Krise wieder neu entfachen? Manche Politiker und Experten sind besorgt. Die aktuelle Meinungsumfrage der griechischen Sonntagszeitung „Eleftheros Typos“ sieht die Syriza mit einem Stimmenanteil von 30,4 Prozent in Führung - 3,1 Prozentpunkte vor den Konservativen von Regierungschef Antonis Samaras. Kommt es also zum Regierungswechsel, ist nicht absehbar, wie es mit dem klammen Mittelmeerland weitergehen soll.

Dahinter steht die Sorge, Griechenland könnte unter einer Regierung des Linkenpolitikers Alexis Tsipras versucht sein, bessere Konditionen für seine Kredite auszuhandeln, indem es mit einem Schuldenschnitt droht. Immerhin: Tsipras hat bereits gedroht, bei einem Wahlsieg Ende Januar die Zins- und Schuldenzahlungen seines Landes einzustellen sowie den Spar- und Reformkurs des Landes zu beenden. Einseitige Maßnahmen werde es von seiner Seite aber nicht geben, sagte Tsipras am Sonntagabend. „Es sei denn, wir werden dazu gezwungen“, so der Syriza-Chef doppeldeutig. Ob sich die EU-Partner davon beeindrucken lassen?

Glaubt man der Bundesregierung, hat Tsipras keine sonderlich wirkungsvollen Druckmittel in der Hand. Der „Spiegel“ berichtet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) inzwischen bereit seien, Griechenland notfalls aus der Euro-Zone ausscheiden zu lassen. Ein Austritt des hoch verschuldeten Staates sei mittlerweile verkraftbar, schreibt das Magazin und beruft sich auf Regierungskreise. Der Bericht löste eine hitzige Debatte aus, woraufhin der Vize-Regierungssprecher erklärte, dass es keine Kursänderung gebe.

Dabei sind die Gründe, mit denen Merkel und Schäuble ihren Griechenlandschwenk begründet haben sollen, durchaus schlüssig. Ausschlaggebend seien die Fortschritte in der Euro-Zone seit dem Höhepunkt der Schuldenkrise 2012. So sei die Ansteckungsgefahr für andere Länder inzwischen begrenzt. Zudem stehe ein schlagkräftiger Rettungsmechanismus zur Verfügung. Mit ihrer Einschätzung sind Merkel & Co. nicht allein. Auch Ökonomen schätzen die Stellung des Linkenpolitikers Tsipras gegenüber den internationalen Geldgebern als schwach ein.

„Die Verhandlungsmacht einer Regierung unter Syriza wird schwach sein“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Griechenland hänge nach wie vor am finanziellen Tropf Europas. „Die Regierung braucht weitere europäische Hilfsgelder, und vor allem die griechischen Banken können ohne die Kredite der EZB nicht überleben.“ Das gebe vor allem der Europäischen Zentralbank (EZB) eine wichtige, aber auch sehr schwierige Schlüsselrolle bei den kommenden Verhandlungen mit der neuen griechischen Regierung.

Kommentare zu " Syriza-Drohungen: Griechische Linke in der Euro-Falle"

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  • "......in der Euro-Falle"

    Ist es nicht so, das Geberländer eigentlich in der Falle stecken ?

    Ist es nicht so, das der Steuerzahler dieser Geberländer zur Kasse gebeten werden, so oder so und überfällige Reformen, Investitionen deshalb ausbleiben ???

    Ist es nicht so, das die Waffen-Industrie, einen deutlichen Umsatzrückgang zu verbuchen hätte und wer zahlt wirklich diese Waffen, wir vielleicht ?

    Ist es nicht so, das diese Euro-Gemeinschaft auf Tricksereien, Betrug und Lügen aufgebaut ist ?

    Ist es nicht so, das in Europa der Frieden und Demokratien, durch diese kranke, perverse Lobby-Politik gefährdet wird ?

    Der Rammbock ist in Sichtweite, weiterhin gute Fahrt !

  • Man kann die deutsche Ankündigung, GR ggf. aus dem € zu entlassen, eigentlich nicht wirklich ernst nehmen.
    Es ist ungefähr so, als ob Sie einen hohen Politiker beim pädophilen Sex filmen und dieser Politiker Ihnen hinterher sagt: „Wenn Sie mich erpressen, dann zeige ich Sie an!“
    Die Angst vor Machtverlust ist deutlich größer als die Abneigung gegenüber Griechenland.
    Unsere Politiker haben ein ganz schlechtes Blatt, aber sie pokern eben trotzdem hoch.
    Die Ankündigung, GR notfalls aus dem € zu entlassen, soll nur bewirken, dass die Griechen nicht Tsipras wählen.
    Klappt es, hat man gut gepokert.
    Klappt es nicht, wird man Tsipras trotzdem ein Angebot machen und uns Bürgern sagen, Tsipras sei der EU entgegengekommen.
    WAS haben unsere Politiker denn zu verlieren? NICHTS.
    Wir lassen uns ganz sicher weiter belügen.

  • Austritt fatal? Worin liegt der Unterschie zwischen Mitgliued, wo Deutschland alles zahlt und Austritt, wo Deutschland alles zahlt?
    Wieso bekämpft Frau Merkel die griechischen Bürger hemmungslos und weigert sich gegen die Politiker vor zu gehen, die die Krise/ den Ruin bewusst herbei führten? Warum will Sie nicht die Beschlagnahme der gesamten vermögen von Po.litker bzw. fordert die griechischen Politiker auf, endlich Steuern von den Reichen zu fordern. Beide Vermögen zusammen und in der EU braucht kein Bürger 10 Jahre keine Steuer mehr zahlen!! Nur Frau Merkel und Hr. Schäuble verhindern dies bewusst!

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