Syriza greift Tsipras an
„Ein Grabstein für Griechenland“

In Brüssel macht Tsipras’ Angebot Hoffnung, in Athen versetzt es die politische Linke in Wallung. In seiner Syriza-Partei gibt es Widerstand gegen die Reformpläne. Scheitert Tsipras ausgerechnet an den eigenen Leuten?
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AthenIm Wahlkampf hat Alexis Tsipras gegen den Sparkurs der Gläubiger getönt – als Regierungschef muss er nun schmerzhafte Zugeständnisse machen. In Brüssel sind die Geldgeber von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und der EU erleichtert, dass Tsipras seine Blockadehaltung lockert. Eine Einigung scheint erreichbar. Doch in Athen bringt Tsipras mit dieser Politik die eigenen Leute gegen sich auf.

So keimt die Hoffnung auf einen Durchbruch in der hellenischen Schuldentragödie womöglich zu früh auf. In der linkpopulistischen Syriza-Partei formiert sich Widerstand gegen die neuen Reformpläne. Der linke Flügel hatte schon früher gefordert, alle Rückzahlungen an die Geldgeber einzustellen – und notfalls auch Neuwahlen in Kauf zu nehmen. „Wenn die Reformen vor allem aus Sparmaßnamen bestehen, die das tägliche Leben der Menschen in diesem Land weiter negativ beeinflussen, dann wird es erhebliche politische Probleme geben“, klagte am Dienstag der linke Syriza-Abgeordnete Costas Lapavitsas.

Aber nicht nur die extreme Linke des kommunistischen Flügels von Syriza, auch Abgeordnete gemäßigterer Gruppen innerhalb der Regierungspartei üben teils harsche Kritik. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass diese Maßnahmen nicht akzeptiert werden können – sie sind extrem und unsozial“, erklärte etwa Alexis Mitropoulos, stellvertretender Parlamentspräsident und Syriza-Abgeordneter. „Es wird schwierig werden, dieses Programm durch die einzelnen Parteiflügel der Syriza zu bringen“, sagte der Parlamentarier stellvertretend für den sozialdemokratischen Teil der Partei.

Sobald das Reformprogramm abgeschlossen sei, werde man zusammenkommen um sich auf eine gemeinsame Haltung festzulegen. So wie das Programm aber derzeit vorliege, könne es am Ende nicht vor das griechische Parlament kommen, ergänzte Mitropoulos.

Deutlicher wurde einer seiner Parteifreunde: „Eine Vereinbarung auf Basis der neuen Vorschläge der Regierung wäre ein Grabstein für Griechenland“, sagte Jannis Michelojannakis gegenüber dem TV-Sender Channel 9. Daher würden die Reformpläne nicht die Organe der Syriza passieren, prophezeite der Abgeordnete.

Solch eine Vereinbarung würde seiner Überzeugung nach in ein Sparprogramm münden, das noch schlimmer wäre als die vorhergegangenen. Zudem würde es die soziale Verelendung vergrößern, die Syriza zu beenden versprochen habe.

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Kommentare zu " Syriza greift Tsipras an: „Ein Grabstein für Griechenland“"

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  • Valide Meinung aber sehr geschmacklos von Ihnen diese Zeitspanne zu nennen. Ich sag ja auch nicht "1939-1945 lassen grüßen".

  • Können sie das Griechenbildchen auf dem Grabstein nicht gegen eines für der EU tauschen, es wäre erbaulicher am Morgen und hätte Zukunft.

  • Sehr interessante Ansicht, höre ich nicht zum ersten Mal.

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