Syriza-Sieg in der Presse: „Viel Zeit gibt es für Athen nicht“

Syriza-Sieg in der Presse
„Viel Zeit gibt es für Athen nicht“

Nach der Wahl in Griechenland sind sich die Kommentatoren uneins, was der Sieg von Tsipras für Europa bedeutet. Weht ein frischer Wind über den alten Kontinent frischen Wind oder findet er sich im Schockzustand wieder?
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„Kapital Daily“ (Bulgarien)
Vor den neuen Machthabenden in Athen liegen drei Hauptszenarien. Ein Kabinett der radikalen Linken Syriza (.) könnte durch die Realität gezwungen werden, die Antikrisen-Politik weiterzuführen. Oder es könnte sich mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Regierungen in der Eurozone auf eine Erleichterung des Hilfsprogramms einigen. Es könnte das Land auch zum Austritt aus der Eurozone treiben. (.) Viel Zeit gibt es für Athen nicht - die Frist für eine Vereinbarung mit Europa ist Juli oder August. Es ist aber wahrscheinlich, dass Griechenland bereits im März ohne Geld bleibt.

„Le Figaro“ (Frankreich)
Die Wähler können immer die Waffen wählen. Europa, dessen Fundament die Demokratie ist, muss die Änderung zur Kenntnis nehmen und sich verpflichten, das Wahlergebnis zu respektieren. Doch bei dem Dialog, der nun mit Athen beginnen wird, würde die Europäische Union einen Fehler begehen, wenn sie vergessen würde, was sie ist: Die EU ist ein Club und jedes seiner Mitglieder verpflichtet sich freiwillig, die Regeln einzuhalten. Im Gegenzug kann jedes Mitglied mit der Solidarität der anderen rechnen. Wohin würden wir gelangen, wenn ein Schuldner seinem Kreditgeber die Regeln diktiert? Vor allem, nachdem er schon Geld eingesteckt hat.

„Libération“ (Frankreich)
Viele Hauptstädte der 28 EU-Staaten, allen voran Berlin, malten zunächst das Gespenst eines 'Grexit' an die Wand, also eines Auszugs Griechenlands aus der Eurozone. Doch der Ton hat sich geändert, selbst in Deutschland. Denn es ist offenkundig, dass die traditionelle politische Klasse in Griechenland versagt hat und dass die Rosskur das Land in die Misere getrieben, sein Bruttosozialprodukt reduziert und das Gewichts seines kolossalen Schuldenbergs noch erhöht hat. Für die EU ist nun die Stunde des Kompromisses gekommen. Dieser muss auf einem neuen Tilgungsplan und einem Moratorium für die Zinszahlungen beruhen. Der Weg zu diesem Kompromiss ist eng. Doch es gibt keinen anderen Weg. Alexis Tsipras, auf den sich nun alle Hoffnungen - zu viele? - konzentrieren, ist sich der Realität bewusst.

„Ouest-France“ (Frankreich)
Es ist noch zu früh um zu wissen, ob Tsipras seine Wette gewinnt. Und ob sein Triumph die Gleichgewichte innerhalb der europäischen Linken grundlegend verändern wird. Doch eines ist sicher: Was die Griechen demokratisch ausgedrückt haben, kann nicht ohne Antwort bleiben. Syriza verlangt nicht weniger Europa, wie die Euroskeptiker ein bisschen voreilig behaupten. Doch Syriza will ein anderes Europa.

„Dernières Nouvelles d'Alsace“ (Frankreich)
„Der haushohe Sieg von Syriza bedeutet einen Bruch mit der etablierten Ordnung und ein Todesurteil für einige alte erstarrte Parteien. Er bringt einen frischen Windstoß für einen Kontinent, der neuen Atem schöpfen und sich neu erfinden muss.“

„Corriere della Sera“ (Italien)
In Griechenland hat die Hoffnung gewonnen. Oder besser, die Hoffnung hat die Angst geschwächt und sie sogar fast zerstört. Nach fünf Jahren der Austerität, drakonischer Maßnahmen, Opfern und einer hohen Arbeitslosigkeit hat sich das Volk für einen Wandel entschieden. Nicht mehr bedingungslos zu akzeptieren, was von den Kreditgebern verlangt wird und die europäische Front offen herauszufordern. Sicherlich ist Griechenland damit nicht alleine, es gibt andere Länder in der EU, in denen laut ein Kurswechsel gefordert wird.

„De Telegraaf“ (Niederlande)
Was nun? Griechenland und Europa bekommen unvermeidlich Streit. Absprachen sind einzuhalten, wird Europa sagen. Die Demokratie hat gesprochen, werden die Sieger der griechischen Wahlen antworten. Und während nun wochenlang, vielleicht monatelang gestritten wird, kann es mit Griechenland furchtbar schiefgehen.

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„Das war keine Schicksalswahl für Europa“

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  • Was fehlt allen Artikeln? Die Zeit die die EU noch hat, um zu agieren / reagieren. Die läuft nämlich auch aus. Und wie sagt der Volksmund: Jedes Tier beißt, wenn die Lage aussichtslos ist. Warum sollten die Griechen uns entgegenkommen? Wir verlieren zu viel, um dieses Land den Bach runter gehen zu lassen. Besser: Unsere Politiker riskieren in diesem Fall das Ende ihrer Karriere und das Ende der EU, des € und der vielen best dotierten Pöstchen. Was will den die EU Kaste der Elitären gegen einen Staatsbankrott machen? Vorher verkaufen alle die Griechischen Schuldverschreibungen bestens an die EZB und dann sagen die Griechen ÄÄÄÄtsch und gehen pleite. Sogar mit ihren Euros, die sie schon längst in Franken und Dollars umgetauscht haben. Oder als Cash€s bar unterm Kopfkissen horten. Die Griechen haben auch die Option den € zu verlassen und dann pleite zu gehen, oder aber einfach ihr eigenes Geld zu drucken.... Nur eines müssen sie nicht. Brüssel in den Arsch zu kriechen.

  • Der EURO ist eine rein "politische Währung" - egal welche Nebenwirkungen sie erzeugt.

    Die Staaten in Europa werden "zusammen-stranguliert" und mit "Dauerkrise" und "Dauer-Bedrohung IS-Islam" werden wir mürbe gemacht - bis wir alles erdulden was "die von oben" als sogenannte "Geld-Druck-Elite" mit uns vorhaben.

    ---

    +++ Übrigens GLÜCKWUNSCH HANDELSBLATT !

    Die einzige Zeitung die "gewachsen" ist, ist HB.

    "BILD, WELT usw. Lügenpresse" verlieren nochmal kräftig. Wer will sich diese "vollgepinkelten Windel-Eimer" auch durchlesen ??

    http://www.neopresse.com/medien/erneuter-einbruch-medien-verlieren-massiv-leser/

    Das fällt mir besonders bei "Dietmar Neuerer" als Politischer Korrespondent von HB immer auf. Der berichtet NIE allein die Fakten - sondern immer mit "tendenziösem Hintergrund". Als Richter wären solche "Urteiler der Geschehnisse" längst gefeuert vom Rechtswesen weil BEFANGEN !

    Es gibt eine willige "Rocker - Promie- Sportler" - Schleimschicht in Deutschland, die sich willig politisch instrumentalisieren lassen. Fussball-Vorbilder, NO-RASSISM-bei-Eurosport, man wird endlos medial vollgesifft mit "Erziehung und Vorbild" im Staatsauftrag.

    "Rund 600.000 Menschen haben bereits einen Bescheid bekommen, der besagt, dass ihr Asylantrag abgelehnt wurde und sie sich damit illegal im Bundesgebiet aufhalten. ihre Zukunft also kraft Gesetzes nicht in Deutschland liegt. Dies ging aus einer parlamentarischen Anfrage des Bundestagsvizepräsidenten Johannes Singhammer (CSU) hervor. Beantwortet wurde diese Anfrage vom Bundesministerium des Inneren, welches sich auf die Zahlen des Ausländerzentralregisters beruft. ..."

    http://www.unzensuriert.at/content/0017008-Fl-chtlinge-mit-abgelehntem-Asylantrag-leben-weiter-Deutschland

  • LESENSWERT !

    "AfD-Pretzell: Die Leute gehen mal mit Occupy gegen die Bankenrettung auf die Barrikaden. Dann gehen Leute gegen die Frühsexualisierung ihrer Kinder durch den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg auf die Straße. In Dresden gehen sie für eine geordnete Zuwanderung und gegen Islamisierung auf die Straße. Es gibt aber einen Punkt, der all diesen Bewegungen gemein ist: Das ist die Tatsache, dass sich breiteste Bevölkerungsschichten in der gesamten politischen Willensbildung überhaupt nicht mehr repräsentiert sehen. Schlimmer noch: In weiten Teilen haben sie das Gefühl, dass ihnen überhaupt niemand mehr zuhört, dass sich die Politik einfach nicht mehr für sie interessiert. ..."

    Recht hat er !

    http://www.geolitico.de/2015/01/26/afd-politiker-ueber-die-nazi-keule/

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