0 Bewertungen
29.03.2008 

Zu den Merkwürdigkeiten zählt auch, dass der Präsident der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, den höchsten Stand der Erwerbstätigkeit mit 40 Millionen Beschäftigten verkündet, diese Meldung aber in der gleichen Woche durch den angekündigten Stellenabbau in einigen wenigen Großunternehmen verdrängt wird. Statt eines Erfolgsbildes zeichnen Politiker und Medien lieber ein Schreckensszenario der Marktwirtschaft.

Die Wirtschaft ist ratlos. „Dieses Bild ist doch völlig verzerrt“, ärgert sich der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann im Interview mit der WirtschaftsWoche. Obwohl die deutsche Wirtschaft in den zwei zurückliegenden Jahren weit über eine Million zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen habe, so Thumann, beteiligten sich Politiker munter am Verbreiten von negativen Vorurteilen über den angeblich herzlosen Neo- oder Turbokapitalismus.

In den Spitzenverbänden der Wirtschaft diskutieren die Funktionäre intensiv über das Bild der Wirtschaft im Speziellen und die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft im Allgemeinen. Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) graut es Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer vor der Vorstellung, „dass sich unser Land in eine Klassengesellschaft zurückentwickelt“. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und erfolgreicher Werkzeugmaschinenbauer im schwäbischen Uhingen, fühlt sich persönlich herausgefordert, das Bild vom rücksichtslosen Unternehmer zurechtzurücken. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beschloss auf seiner jüngsten Vorstandssitzung, eine „Diskussion über zukünftige Leitbilder des Lebens- und Wirtschaftsstandortes Deutschland“ zu führen.

In der „Käfer-Schänke“ in Münchens Innenstadt berieten die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der vier großen Verbände BDI, BDA, DIHK und ZDH nun in vertraulicher Runde, wie sie gemeinsam wieder mehr Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft herstellen können. Für die Unternehmen geht es um nichts weniger als um die Geschäftsgrundlage, mit der „wir in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gewesen sind“ (Thumann). Nun gehe es darum, die Vorteile der sozialen Marktwirtschaft herauszuarbeiten.

Tatsächlich sprechen viele gute Argumente für die soziale Marktwirtschaft, die sich – gerade auch für ihre Kritiker aus dem linken Lager – als vergleichsweise günstiger Gesellschaftsvertrag erweist.

In puncto Rechtssicherheit, Einkommensverteilung und sozialer Frieden schneidet Deutschland im internationalen Standort- und Systemvergleich überdurchschnittlich gut ab. Dies gilt im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich und Italien oder auch den USA, ganz zu schweigen von den aufstrebenden Ländern wie China, Indien oder Russland, die manche Kritiker der sozialen Marktwirtschaft wegen ihrer derzeit hohen Wachstumsraten schon als überlegene Wirtschaftsmodelle darstellen. Die hiesigen Reaktionen gegenüber Managergehältern, Steuerhinterziehungen und Massenentlassungen trotz guter Konjunktur fallen womöglich deshalb auch so heftig aus, weil die Fälle an tragenden Pfeilern des deutschen Erfolgsmodells rütteln.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Das Dilemma der sozialen Marktwirtschaft.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

  • Deutsch ins Grundgesetz?

    Deutsch ins Grundgesetz?

    „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ – diese Formulierung soll nach dem Willen der CDU in den Grundgesetz-Artikel 22 aufgenommen werden. Doch der neuerliche Beschluss erntet viel Kritik – auch innerhalb der eigenen Partei. Was sagen Befürworter und Gegner? Ein ...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

No Comment 

03.12.2008, 14:16 UhrGlobal Reporting

Gesehen in Griechenland... Baustellensicherung auf Griechisch. Glyfada, 3.12.2008 Blog


weiterMadagaskar

Obamas Friedens-Falken 

02.12.2008Madagaskar

Barack Obamas außenpolitische Agenda setzt auf Frieden und Versöhnung, doch in sein Kabinett beruft er mit Hillary Clinton, Bob Gates, Jum Jones und Susan Rice ausgewiesene Falken. Angesichts der Weltlage ein geschickter Schachzug. Blog