Systemkritik
Wie der Kapitalismus noch zu retten ist

Der Top-Ökonom Nouriel Roubini will den Kapitalismus retten. Aber damit er eine Überlebenschance hat, muss er an entscheidenden Punkten reformiert werden, argumentiert der Amerikaner.
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New YorkAuf der ganzen Welt erleben wir soziale Proteste und politische Instabilität: den arabischen Frühling, die Ausschreitungen in London, die Proteste der israelischen Mittelschicht gegen die Teuerung, die chilenischen Studentenunruhen, die wachsende Unzufriedenheit über Korruption und Ungleichheit in China und jetzt die Bewegung "Occupy Wall Street" in den Vereinigten Staaten.

Auf unterschiedliche Weise kommen die Sorgen der Arbeiterschaft und der Mittelschicht wegen sinkenden Lebensstandards angesichts der wachsenden Machtkonzentration in den Händen der Wirtschafts-, Finanz- und politischen Elite zum Ausdruck. Die Ursachen sind eindeutig: hohe Arbeitslosigkeit in den hochentwickelten Volkswirtschaften und Schwellenländern, unzureichende Qualifizierungs- und Bildungschancen für junge Leute, Verbitterung über die Korruption einschließlich ihrer legalisierten Form, des Lobbyismus, und eine steile Zunahme der Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen.

Die zunehmende Verschuldung des privaten und öffentlichen Sektors und die damit verknüpften Vermögens- und Kreditblasen sind teilweise das Ergebnis von Ungleichheit. Der lahme Anstieg der Einkommen in den letzten Jahrzehnten bei allen außer den Superreichen hat dazu geführt, dass sich eine Lücke zwischen Einkommen und Ausgabewünschen aufgetan hat. In den angelsächsischen Ländern war die Antwort stärkere Kreditvergabe und damit zunehmende Verschuldung der privaten Haushalte. Europa füllte die Lücke durch öffentliche Dienstleistungen: kostenlose Bildung, Gesundheitsfürsorge usw., die nicht völlig durch Steuern gegenfinanziert waren, was zu Haushaltsdefiziten führte. In beiden Fällen war das Schuldenniveau irgendwann unhaltbar.

Die Unternehmen in den hochentwickelten Volkswirtschaften bauen derzeit aufgrund der unzureichenden Nachfrage, die zu Überkapazitäten führt, Arbeitsplätze ab. Dies jedoch schwächt die Endnachfrage weiter. In den USA hat die drastische Senkung der Arbeitskosten den Anteil der Arbeitseinkommen am BIP stark verringert. Die jahrzehntelange Umverteilung von der Arbeit zum Kapital, von den Löhnen zu den Gewinnen, von Arm zu Reich und von den Haushalten zu den Konzernen hat inzwischen schwerwiegende Auswirkungen - auch deshalb, weil Kapitaleigentümer und reiche Haushalte eine niedrigere Konsumquote haben.

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Karl Marx übertrieb - aber er hatte recht

Kommentare zu " Systemkritik: Wie der Kapitalismus noch zu retten ist"

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  • Roubini als Neo-68iger?
    Dann man los: Enteignet Warren Buffet, das ist doch derjenige, der über eine Beteiligung an einer Rating Agentur mehr 50 Mrd. Dollar Vermögen sich besorgt hat, ....ja wer immer weiß, wo der Schuh drückt, der wird reich und spielt dabei auch noch auf einer kleinen Ukulele ein fröhlich Lied vor seinen Aktionären

  • Ich verstehe nicht, dass der Aufschrei der Massen angesichts des überbordenden Reichtums der Superreichen nicht viel lauter ist.

    Ich meine damit nicht die Vermögen der "normalen" Millionäre bis vielleicht 100 Millionen €. Ein bisschen Belohnung für den persönlichen Fleiß sollte man den Menschen gönnen.

    Ich meine die Milliarden und Abermilliarden, die manche Mogule ansammeln. Ob zu Recht oder zu Unrecht erworben, ob als König oder als Bürgerlicher; eine solch unmäßige Ungleichverteilung ist auf Dauer kontraproduktiv.

  • Mises hatte Recht, sein Werk über "Die Gemeinwirtschaft" nahm vieles (Totalitäre Systme rechts wie links) voraus. F.A. von Hayek, ebenso ein Kind der österreichischen Schule, ist allerdings m.E. zur Analyse und Therapie der aktuellen Krise noch wichtiger: "Der Weg zur Knechtschaft" wird immer schneller beschritten, nicht umsonst widmete er sein Werk "den Sozialisten aller Parteien." Roubini wurde hier schon treffend charakterisiert.

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