Tagebuch-Aufzeichnungen eines beschuldigten US-Unteroffiziers verweisen auf weitere Gräueltaten
Folterbilder schockieren arabische Welt

Das Fernsehmaterial von Misshandlungen irakischer Gefangener durch Soldaten der Allianz haben Empörung ausgelöst und verstärken die Vorurteile gegen die Besatzer weiter. Während die Briten sich schockiert über mögliche Folterer in der Uniform der Königin zeigen, hat die amerikanische Öffentlichkeit auch mit Trotz auf die Enthüllungen reagiert.

HB BAGDAD/LONDON/WASHINGTON. Die pan-arabischen TV-Nachrichtenkanäle El Dschasira und El Arabija griffen die zuerst von dem amerikanischen Fernsehsender CBS ausgestrahlten, erschütternden Bilder aus dem berüchtigten Bagdader Gefängnis Abu Ghoreib umgehend auf. Die Aufnahmen „demonstrieren die unmoralischen Praktiken der Besatzer“, hieß es in der Anmoderation bei El Dschasira. In einem Bagdader Restaurant, in dem sonst die unbeschwerten Pop-Clips eines libanesischen Musiksenders über den Bildschirm flimmern, verfolgen Gäste und Personal gleichermaßen gebannt das Programm.

Was als besonders schlimm empfunden wird: Auf einigen Aufnahmen sind junge US-Soldatinnen zu sehen, wie sie nackte, gefangene Männer demütigen und dabei arrogant in die Kamera lächeln. „Für mich ist das nichts Neues“, meint der Ingenieur Osama Mohammed. „Sie haben keine Tradition und keine Werte.“ Schnell redet er sich in Rage. „Sie sind Söldner. Und sie sind alle schwul.“

Wenig half es, dass auch El Dschasira darüber informierte, dass die Übeltäter vor ein US-Militärgericht gestellt würden. „Was heißt vor ein US-Militärgericht?“, ereifert sich der Geldwechsler Imad Dschabar. „Wir verlangen, dass sie an unsere islamische Gerichtsbarkeit ausgeliefert werden, um ihre gerechte Strafe zu empfangen.“

Die amerikanische Öffentlichkeit hat sehr unterschiedlich, vielfach auch mit Trotz, auf die Fotos misshandelter und gedemütigter Iraker reagiert. Viele US-Zeitungen weigerten sich sogar, die Aufnahmen zu zeigen. Das würde ein „falsches Bild“ der US- Streitkräfte vermitteln, begründete der Chefredakteur der „New York Post“, Col Allan, die Entscheidung seines Blattes.

Einen Aufschrei der Empörung oder Selbstzweifel an der „Mission“ im Irak gab es weder in Washington noch in den meisten US-Medien, auch wenn die Vorfälle verurteilt wurden. Am Sonntag dominierte die Flucht eines entführten Halliburton-Mitarbeiters aus irakischer Geiselhaft die TV-Schirme. Eher nüchtern wurde über den Skandal berichtet, für den nach Ansicht auch von US-Militärs nicht nur ein paar sadistische Militärpolizisten verantwortlich sind. Deren Vorgesetzte glauben, dass nur ein paar „Sündenböcke gesucht wurden“, zitierte die „Washington Post“ einen Offizier, der vor allem auf die Rolle der US-Geheimdienste verwies.

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