Taha Jassin Ramadan
Saddams Stellvertreter hingerichtet

Auf den Tag genau vier Jahre nach Beginn des Irakkrieges und knapp drei Monate nach der Exekution Saddam Husseins ist auch der frühere Stellvertreter des Ex-Diktators hingerichtet worden. Der ehemalige irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan starb am Dienstagmorgen in Bagdad durch den Strang.

dpa BAGDAD. Das berichtete der staatliche Fernsehsender Al-Irakija unter Berufung auf Regierungsbeamte. Ramadan war im November vergangenen Jahres wegen seiner Beteiligung an der Hinrichtung von 148 Schiiten 1982 zunächst zu lebenslanger Haft, später dann aber zum Tode verurteilt worden.

Wie in der Provinz Salaheddin zu erfahren war, soll Ramadan auf eigenen Wunsch neben Saddam Hussein in dessen Heimatdorf Audscha bei Tikrit beigesetzt werden. Eine entsprechende Vereinbarung mit Saddams Stamm sei schon getroffen worden, hieß es.

Wegen der Hinrichtung der 148 Schiiten aus der Kleinstadt Dudschail waren bereits Saddam, dessen Halbbruder Barsan al-Tikriti und der frühere Richter Awad al-Bandar zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Ramadan hatte zunächst eine lebenslange Haftstrafe erhalten. Anschließend entschied das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes jedoch, dass die Strafe zu „milde“ sei, und wandelte sie in ein Todesurteil um, das ein Berufungsgericht am vergangenen Donnerstag bestätigte.

Die Hinrichtungen Saddams, seines Bruders und des Richters waren international kritisiert worden. Die EU protestierte dagegen, weil sie die Todesstrafe generell ablehnt. Andere Staaten wie die USA und mehrere arabische Länder hatten die Art und Weise der Hinrichtung kritisiert. Saddam war während der Hinrichtung von den Henkern verhöhnt worden. Zudem hatte ein Video von der Hinrichtung unter den Sunniten des Landes, die unter Saddam bevorzugt worden waren, wütende Proteste ausgelöst. Bei der Hinrichtung von Barsan war der Kopf vom Körper abgerissen.

Derzeit läuft vor dem Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes noch ein zweiter Prozess. Nach der Hinrichtung Saddam Husseins müssen sich in diesem noch sechs Angeklagte wegen Völkermords an den Kurden verantworten. Bei der so genannten Anfal- Kampagne gegen die Kurden, bei der auch Dörfer mit Giftgas bombardiert worden waren, starben in den Jahren 1987 und 1988 nach Schätzungen zwischen 50 000 und 180 000 Menschen.

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