Taj-Besitzer: „Sie wussten, was sie tun“
Indien sucht nach Terror-Helfern

Nach den Terroranschlägen in der westindischen Finanzmetropole Bombay mit mehr als 180 Toten läuft die Suche nach den Hintermännern der beispiellosen Anschlagsserie auf Hochtouren. Während die indische Regierung "Elemente" im Nachbarland Pakistan für die Terroraktion verantwortlich macht, warnte die Regierung in Islamabad am Samstag vor eilfertigen Beschuldigungen.

HB NEU DELHI. Wie indische Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurden die Angreifer von der von Pakistan aus operierenden Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba auf die Anschläge vorbereitet. Dies hätten Vernehmungen des einzig überlebenden Terroristen, dem 22-jährigen A.A. Kasav aus Faridkot in Pakistan, ergeben, berichtete der Sender CNN-IBN.

Dem Bericht zufolge habe Kasav außerdem ausgesagt, dass zwölf Terroristen von der pakistanischen Hafenstadt Karachi aus per Schiff in Richtung Bombay gefahren seien. Wie CNN-IBN unter Berufung auf Geheimdienstinformationen weiter berichtete, hätten sie dann auf See ein anderes Schiff gekapert, die Besatzungsmitglieder getötet und den Kapitän gezwungen, sie nach Bombay zu fahren. Fünf Seemeilen vor der Stadt hätten sie dann auch den Kapitän umgebracht. Später seien auf dem vor der Küste treibenden Boot Funktelefone und Navigationsgeräte der Terroristen gefunden worden. In den Anruflisten der Telefone seien Gespräche mit Anschlüssen im afghanischen Dschalalabad und mehreren Orten in Pakistan verzeichnet, hieß es.

Wie der Sender NDTV unter Berufung auf Polizeiangaben berichtete, wurde die Anschlagsserie von langer Hand geplant. Eine andere Gruppe sei bereits vor vier Monaten nach Bombay gereist, um alle möglichen Ziele gründlich auszukundschaften. Nach einem Bericht der Zeitung "Times of India" sollen mehrere Terroristen auch in dem jüdischen Zentrum in Bombay, das später zu einem der Hauptanschlagsziele wurde, für kurze Zeit gewohnt haben. "Sie haben im Nariman-Gebäude zur Miete gewohnt und sich als malaiische Studenten ausgegeben", zitierte die Zeitung eine namentlich nicht genannte Polizeiquelle. Auch dies hätten Vernehmungen Kasavs ergeben. Außerdem sei geplant gewesen, das Luxushotel "Taj Mahal" in die Luft zu sprengen.

Indien: Zehn Terroristen an Anschlägen beteiligt

Nach offiziellen Angaben gehen die Behörden bislang davon aus, das zehn Terroristen an den Anschlägen beteiligt waren. Neun von ihnen seien getötet worden. Sie hatten am Mittwochabend insgesamt zehn Ziele angegriffen, darunter die beiden Luxushotels "Taj Mahal" und "Oberoi Trident", das jüdische Gemeindezentrum, einen Bahnhof und ein Krankenhaus. Jüngsten offiziellen Angaben zufolge wurden dabei mindestens 183 Menschen getötet und 239 verletzt. Unter den rund 20 toten Ausländern sind nach Angaben des indischen Außenministeriums auch drei Bundesbürger. Zu den Anschlägen hatte sich eine bislang unbekannte muslimische Gruppe namens Deccan Mudschaheddin bekannt. Indien vermutet aber, dass die Lashkar-e-Toiba hinter der Bluttat steckt.

Bei den dreitägigen Kämpfen mit den Terroristen seien mehr als 600 Geiseln befreit worden, teilte die indische Regierung mit. Allein aus dem "Taj Mahal", wo sich die letzten Attentäter verschanzt hatten, seien am Samstag 400 Geiseln befreit worden. Die Terroristen wollten nach Überzeugung des Vize-Premierministers im Bundesstaat Maharashtra ein noch viel größeres Blutbad mit Tausenden von Toten anrichten. "Wir haben dermaßen viel Munition bei ihnen gefunden - es ist offensichtlich, dass sie vorhatten, 5000 Menschen umzubringen", sagte R.R. Patil nach Berichten der Agentur PTI.

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