Talabani dementiert türkische Angaben
USA fordern Türkei zu Zurückhaltung im Nordirak auf

Angesichts zunehmender Spannungen zwischen der Türkei und dem Irak haben die USA die Regierung in Ankara zu militärischer Zurückhaltung aufgefordert.

rtr WASHINGTON/CIZRE. Die Vorstöße und Luftangriffe gegen kurdische Rebellen im Nordirak würden nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen, erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch vor dem Auswärtigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses.

„Wir haben den Türken gesagt, dass ein großer Militärvorstoß in den Irak nur noch mehr Instabilität bringen würde“, sagte Rice weiter. Die Regierungen in Ankara und Bagdad müssten vielmehr auf diplomatischem Wege eine Lösung finden. Rice hatte mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan am Sonntag ein Krisengespräch geführt.

Auch eine Sprecherin von US-Präsident George W. Bush forderte mehr Zurückhaltung von der türkischen Regierung. „Wir sind wegen der anhaltenden Zusammenstöße dort und wegen der Terrorangriffe besorgt, die von der PKK gegen die Türken unternommen werden“, sagte Dana Perino. Der Irak und die Türkei dürften die Spannungen nicht weiter eskalieren lassen. Das gemeinsame Problem der beiden Staaten und der gemeinsame Feind sei die PKK.

Die Türkei hatte zuvor die Frist für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit dem Irak verkürzt und den militärischen Druck im Grenzgebiet erhöht. Die für Donnerstag geplanten Krisengespräche über die Angriffe kurdischer Rebellen aus dem Nordirak seien die letzte Chance für die Diplomatie, sagte ein Regierungssprecher. Zu den Verhandlungen wird in Ankara eine irakische Delegation unter Führung des Ministers für Nationale Sicherheit, Schirwan al-Waeli, erwartet.

Parallel zu einer weiteren Verstärkung der Truppen an der Grenze unternahm die zweitgrößte Armee der Nato mehrere Vorstöße in das Nachbarland. Kampfflugzeuge drangen bis zu 20 Kilometer in den Luftraum vor. Einheiten mit rund 300 Soldaten rückten vorübergehend etwas zehn Kilometer weit ein und gingen gegen PKK-Stützpunkte vor. Bei den zwischen Sonntag und Dienstag unternommenen Vorstößen seien 34 Rebellen getötet worden, hieß es in Armeekreisen. Weitere derartige Operationen seien zu erwarten.

Die PKK wies die Angaben zurück. Seit Sonntag habe es keine direkten Zusammenstöße mehr gegeben, sagte ihr Sprecher im Nordirak. Die Organisation goss zudem Öl ins Feuer und veröffentlichte die Fotos von acht gefangengenommenen Soldaten. Der Vorfall hatte am Montag einen Aufschrei der Empörung in der Türkei ausgelöst.

Die Armee hat zur Vorbereitung eines größeren Militäreinsatzes rund 100 000 Soldaten in dem unwegsamen Grenzgebiet östlich von Cizre zusammengezogen. Die Einheiten sind mit Panzern, F-16-Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern ausgerüstet.

Die Türkei erwägt zudem eine Reihe von Wirtschaftssanktionen gegen den Nordirak, der von Kurden regiert wird und als eine der wenigen stabilen Regionen seit dem Einmarsch der USA vor bald fünf Jahren gilt. Ministerpräsident Erdogan habe vorgeschlagen, die Stromlieferungen zu unterbrechen oder den Güterumschlag an der Grenze zu verlangsamen, sagte ein Mitglied der regierenden Partei AKP. Der Nordirak ist bei der Strom-, Wasser- und Lebensmittelversorgung weitgehend von der Türkei abhängig. Kurdenführer Masud Barsani weigert sich, gegen die PKK vorzugehen. Seine Kämpfer würden sich jedem türkischen Vormarsch entgegenstellen, sagte er.

Der irakische Präsident Dschalal Talabani, selbst ein Kurde, dementierte unterdessen türkische Angaben, wonach die Regierung in Bagdad kurdische Rebellenführer ausliefern werde. Ein hochrangiger Vertreter des türkischen Außenministeriums hatte erklärt, Talabani habe einen solchen Schritt in den Krisengesprächen am Dienstag in Aussicht gestellt.

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