Taliban bekennen sich zu Anschlag auf Helfer
„Ärzte ohne Grenzen“ verlassen Afghanistan

Knapp zwei Monate nach der Ermordung von fünf ihrer Mitarbeiter zieht sich die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ vollständig aus Afghanistan zurück. Die Helfer würden bereits im August ihre Arbeit in dem kriegszerstörten Land einstellen. Unterdessen haben sich die Taliban zu dem tödlichen Anschlag im Juni bekannt.

HB KABUL. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ zieht nach fast einem Vierteljahrhundert ihre Mitarbeiter aus Afghanistan ab. Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation begründete die Entscheidung am Mittwoch mit der schlechten Sicherheitslage und der Ermordung von fünf ihrer Mitarbeiter. Unterdessen wurden bei einem Anschlag auf ein Wahlamt sechs Menschen getötet.

Die Hilfsorganisation erhob in Kabul schwere Vorwürfe gegen die afghanische Regierung. Sie habe bei der Aufklärung des tödlichen Anschlags auf drei westeuropäische und zwei afghanische Helfer Anfang Juni in Nordwest-Afghanistan versagt. Die Hilfsorganisation übte auch scharfe Kritik an den US-Streitkräften in Afghanistan. Sie missbrauchten humanitäre Hilfe für militärische Zwecke und schadeten damit der schützenden Neutralität der Helfer.

Die Generalsekretärin von „Ärzte ohne Grenzen“, Marine Buissonière, sagte, nach Taliban-Drohungen sei die Organisation erstmals spezifisches Ziel von Konfliktparteien in Afghanistan geworden. Die Sicherheit der derzeit rund 80 ausländischen und 1400 afghanischen Mitarbeiter könne nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Taliban hatten sich zu dem Anschlag im Juni bekannt und zur Begründung erklärt, die Organisation arbeite für die USA.

Am Mittwoch bekannten sich die Taliban auch zu einem Bombenanschlag auf ein Wahlamt in der südostafghanischen Provinz Ghasni. Unter den sechs Toten seien zwei UN-Mitarbeiter und vier Bewohner der Region gewesen, teilten die US-Streitkräfte mit. Widersprüchliche Angaben gab es über den Ort des Anschlags zwei Monate vor der Präsidentenwahl. Taliban-Sprecher Mufti Abdul Latif Hakimi wies die Erklärung der Behörden zurück, dass die Bombe im Untergeschoss einer Mosche explodiert sei. Dort befand sich nach Angaben der Behörden die Wählerregistrierstelle.

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