Taliban
US-Minister rügt Amerika und Alliierte

US-Verteidigungsminister Robert Gates hat das Erstarken der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan auf das eigene Unvermögen Amerikas zurückgeführt. Unterdessen bekannten sich die pakistanischen Taliban zu dem Anschlag auf die Zentrale des Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad.
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HB WASHINGTON/ISLAMABAD. Gates machte einen Mangel ausländischer Truppen in Afghanistan für den Vormarsch der Taliban verantwortlich. In einem Interview mit CNN kritisierte Gates dabei nicht nur die Nato-Partner für ihre zögerliche Haltung, sondern indirekt auch die Entscheidung des ehemaligen Präsidenten George W. Bush, mit Beginn des Irakkriegs Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und in den Golf zu schicken.

„Wegen unseres Unvermögens und, ehrlich gesagt, auch wegen des Unvermögens unserer Alliierten, ausreichend Truppen in Afghanistan einzusetzen, scheinen die Taliban nun ihre derzeitige Schlagkraft zu haben“, sagte Gates in dem Interview, das am Dienstag ausgestrahlt werden sollte. Der Minister warnte eindringlich vor einem Abbruch des Einsatzes. „Wir werden Afghanistan nicht verlassen. Es geht jetzt um die nächsten Schritte nach vorne und der Präsident muss bald einige gewichtige Entscheidungen fällen“, sagte Gates. „Dieses Land und vor allem die Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan ist das heutige Epizentrum des Dschihad.“ Ein Rückzug der ausländischen Truppen wäre ein strategischer Sieg der Taliban, der auch das Extremistennetz El-Kaida stärken würde.

Der Nato-Oberbefehlshaber in Afghanistan Stanley McChrystal hat in seiner jüngsten Lageeinschätzung ein düsteres Bild gezeichnet und davor gewarnt, dass ohne weitere Soldaten der Krieg gegen die Taliban verloren gehen könnte. Im Gespräch ist eine US-Truppenaufstockung um bis zu 40 000 Soldaten. Einige Stimmen fordern aber auch eine Verringerung der Streitkräfte zusammen mit einem Strategiewechsel, wonach weniger gegen Taliban-Anhänger und verstärkt gegen El-Kaida-Kämpfer vorgegangen werden sollte.

Bei einem Angriff der Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand wurden nach Armeeangaben mindestens zehn afghanische Soldaten getötet worden. Der Armeekommandeur für die Südwestregion, Schir Mohammad Sasai, sagte am Dienstag, bei dem einstündigen Gefecht am Vortag seien auch den Aufständischen Opfer zugefügt worden. Genaue Zahlen seien aber nicht bekannt. Taliban-Sprecher Kari Mohammad Jusif Ahmadi sagte, afghanische und ausländische Soldaten seien auf der Schnellstraße von Helmand nach Kandahar in einen Hinterhalt der Aufständischen geraten.

Das afghanische Verteidigungsministerium teilte mit, bei dem schweren Angriff auf Außenposten der US-Armee und der afghanischen Truppen am vergangenen Samstag nahe der pakistanischen Grenze seien mehr als 100 Taliban-Kämpfer getötet oder verletzt worden. Unter den Toten seien fünf Anführer der Aufständischen und drei ausländische Kämpfer. Die Regierung habe wieder volle Kontrolle über die Gegend. Bis zu 600 Aufständische seien an den Kämpfen beteiligt gewesen, bei denen auch acht amerikanische und zwei afghanische Soldaten getötet worden waren.

Die radikal-islamischen Taliban haben sich unterdessen zu dem Selbstmordanschlag auf ein Büro des Welternährungsprogramms in der pakistanischen Hauptstadt bekannt. Am Montag hatte ein Attentäter in Islamabad fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Ein Taliban-Sprecher sagte am Dienstag in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP, die Arbeit der Uno und anderer ausländischer Hilfsorganisationen in Pakistan sei „nicht im Interesse der Muslime“. „Wir werden weitere Attentäter für solche Anschläge entsenden“, fügte Azam Tariq hinzu. „Wir beobachten ihre Aktivitäten. Sie sind Ungläubige.“ Muslimische Hilfsorganisationen würden nicht angegriffen, erklärte der Taliban-Sprecher weiter. Als Ziele künftiger Anschläge nannte er die pakistanischen Sicherheitskräfte, Regierungsgebäude sowie amerikanische Einrichtungen.

Zuvor hatte der pakistanische Innenminister Rehman Malik erklärt, der Anschlag vom Montag sei vermutlich ein Racheakt für den Tod des Taliban-Führers Baitullah Mehsud gewesen. Mehsud war am 5. August bei einem US-Luftangriff getötet worden.

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