Talk-Debüt in der ARD
„Das haben Sie gut gemacht, Herr Jauch“

Bei seinem Talk-Debüt bei der ARD diskutierte Günther Jauch über die Anschläge vom 11. September. „Haben wir auf den Terror richtig reagiert?“, fragte er seine Gäste. Es folgte eine nüchterne, ausgewogene Debatte für und wider den Krieg in Afghanistan. Damit hat Jauch ein solides, wenn auch unspektakuläres Debüt abgeliefert.
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BerlinDer beliebteste Moderator Deutschlands, das wohl prägendste Ereignis des neuen Jahrtausends als Diskussionsthema - die Voraussetzungen für einen Quotenhit waren damit erfüllt. Auch sonst wurde bei Günther Jauchs Talk-Debüt in der ARD nichts dem Zufall überlassen: Die Auswahl der Gäste, die Einspielfilme, die Fragen, alles war perfekt vorbereitet. Das Ergebnis war eine wohltemperiert und etwas sterile Mischung aus Gefühl, Fakten, Kontroverse und Nachdenklichkeit. Patzer oder Entgleisungen gab es nicht, allerdings auch keine Überraschungsmomente.

Schon der dramatische Einstieg in die Sendung schien auf maximale Wirkung kalkuliert. Ein Foto der brennenden Türme des World Trade Centers, dazu formulierte der Moderator mit bedeutungsschwerer Stimme: „Die Bilder haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt.“ Ringsum erstrahlte die kathedralenhohe Kuppel des frisch renovierten Berliner Gasometers in gleißendem Scheinwerferlicht. Doch so vertraut, wie einem als Fernsehzuschauer das Gesicht Günther Jauchs ist, stellte sich trotz blitzneuer Kulisse der Eindruck ein, die Sendung schon etliche Male gesehen zu haben.

Als Jauch, mit sauber gescheiteltem Haar und dunkelblauem Anzug, nach einem Blick auf seine Karteikarten die Frage stellt: „Haben wir auf den Terror des 11. September richtig reagiert?“, da erwartet man fast, dass er als nächstes vier Antwortmöglichkeiten a, b, c und d vorgibt. Aber eine Polit-Talkshow ist keine Quizsendung, und so lässt sich die korrekte Antwort natürlich nicht so eindeutig bestimmen wie bei „Wer wird Millionär“. Dafür hatte Jauchs Redaktion für eine 50:50-Quote von Befürwortern und Gegnern des Afghanistan-Krieges gesorgt: Der Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Ex-Verteidigungsminister Peter Struck argumentierten in vorhersehbarer Manier für den Krieg, die Literaturkritikerin Elke Heidenreich und der Afghanistan-Kenner Jürgen Todenhöfer hielten ebenso vorhersehbar dagegen.

Damit waren gleichzeitig alle gesellschaftlichen Bereiche vertreten: Politik, Kultur, Medien, Moral – und Fußball. Denn auch Jürgen Klinsmann saß mit in der Sendung. „Manche mag es wundern, dass sie hier in unserer Runde Jürgen Klinsmann sehen“, nahm Günther Jauch Zweifel seines Publikums vorweg, konnte die Anwesenheit des Ex-Bundestrainers allerdings auch nicht schlüssig erklären. Dass Klinsmann, erst seit einigen Wochen Coach der US-Fußballnationalmannschaft, in Kalifornien lebt und seine Tochter zwei Tage nach 9/11 geboren wurde, reichte offenbar aus, um ihn in der Rolle des Amerika-Verstehers zu besetzen.

Kommentare zu " Talk-Debüt in der ARD: „Das haben Sie gut gemacht, Herr Jauch“"

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  • Ich war ebenfalls ziemlich enttäucht und bin schon vor Ende der Sendung eigneschlafen.
    Was diese "Staubfrau" hir sollte, rschloss sich mir nicht ganz. Und dann natürlich das ganze Übliche. Alkohol, Drogen aufgrund des Unglücks, das war mehr als untere Schiene.
    Und ansosnten war es doch ein mehr als seichtes Geplapper.
    Wenn die aRD damit mal nicht eine Bruchlandung macht.
    Die ganze Sendung war ohne jedes Schwung. Jauch saß da wie ein Oberlehrer und befragte die Gäste ähnlich wie Schüler und die gaben brav Antwort.
    Von lebhaftem Gespräch keine Spur.

  • Also Anne Will bekam 80.000 € pro Auftritt, so war mal zu leen.
    Ich denke, Herr Jauch ist teurer.
    Diese "Verdienste" stehen in keinem Verhältnis mehr zu anderen wirklich verantwortungsvollen Berufen
    Und das Wohlleben dieser TV-Leute finanziert der ganz normale Bürger, der Rentner sowie der Arbeitslose. Für mich ist das blankr Zynismus und Verachtung der Bürger

  • Das war weder Bruchlandung noch Feuerwerk - ich stimme der Autorin zu. Trotzdem muss Günther Jauch sich schnell steigern: Der als Messias der Talkshow-Unterhaltung titulierte Heilsbringer hat jahrelang die ARD-Verantwortlichen um ihren Schlaf gebracht. Sie haben nun extra für ihn das gesamte Programmschema neuausrichgerichtet und alle ihre anderen Moderatoren in die zweite Liga der Programmriege strafversetzt. Und auch monetär haben sich das sicherlich einiges kosten lassen.
    Da darf sich der Finanzier, der willige Rundfunkgebührenzahler, schon fragen, ob dies nun alle Mühen und Kosten wert war?
    Für mich war die erste Sendung eine bessere sternTV-Sendung: Der Mix der Gäste erinnerte stark an den RTL-Vorgänger mit einer extra Portion Politisierung, der jedoch jeden ARD-Zuschauer immer noch unterfordert hat. Die Beiträge von Jürgen Klinsmann und der WTC-Überlebenden Marcy Borders waren dann jedoch genau das Erfolgsrezept von sternTV: unterkomplexe, personalisierte Pauschaläußerungen, die wenig neues oder bewegendes zu Tage brachten. Hier widerspreche ich der Autorin auch vehement, die hier Günther Jauchs Stärke gesehen haben möchte. Das Interview mit Frau Borders war komplett redundant! Jauch schaffte es nicht Neues oder Tiefgründigeres von Marcy Borders zu erfahren, was der Einspielfilm nicht schon erzählt hatte. Einsilbige Antworten folgten auf wenig empathische Fragen, die allesamt eher vorgelesen wirkten. Hier wurde einiges verschenkt.
    Insgesamt ein eher enttäuschender Start von Günther Jauch - ich wünsche mir für die folgenden Ausgaben mehr politische Tragweite, spannende und mutige Kontroversen, die Günther Jauch satirisch befeuert und das gerne mit dem Schuss an boulevardesken sternTV-Journalismus, den Günther Jauch doch so gut beherrscht.

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