Tankwut in den USA: Hohe Spritpreise, dicke Autos

Tankwut in den USA
Hohe Spritpreise, dicke Autos

In den USA kostet der Liter Benzin noch nicht einmal halb so viel wie in Deutschland – doch die Amerikaner stöhnen über rekordhohe Preise. Trotzdem sind Spritfresser weiterhin der Renner.
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WashingtonEinen „Hummer“ zu fahren kann eine große Last sein. Der protzige Geländewagen wiegt in seiner leichtesten Version mehr als zwei Tonnen, verbraucht im Spargang 15 Liter auf 100 Kilometer und ist deshalb ein recht teures Hobby. Zu teuer, jammerte kürzlich der US-Abgeordnete Allen West. „Gestern Abend waren 70 Dollar nötig, um meinen 2008er H3-Hummer vollzutanken“, schrieb sich der Republikaner den Frust von der Seele. Schuld daran sei Präsident Barack Obama und dessen „heimtückische“ Energiepolitik.

Ähnlich wie in Deutschland stöhnen auch die Amerikaner derzeit – mal wieder – über rekordhohe Spritpreise. Gut 3,80 Dollar kostet die Gallone (3,785 Liter) Normalbenzin aktuell im Landesdurchschnitt, das sind umgerechnet 0,76 Euro pro Liter. Zu viel für die spritdurstige Nation, und so ist der Benzinpreis eines der Hauptthemen des Wahljahrs 2012 geworden. Hohe Kosten an der Tankstelle lassen den US-Bürger weniger Geld für andere Ausgaben – schlecht für eine Wirtschaft, die zu rund 70 Prozent vom Konsum abhängt. 

Der bedrängte Obama preschte deshalb Mitte April mit dem Vorschlag vor, die Strafen für Ölpreismanipulation drastisch anzuheben. Spekulanten als Bösewichte – das könnte seinen Wählern gefallen. Die gegnerischen Republikaner lehnen solche Sanktionen ab, sie wollen lieber die Förderung heimischer fossiler Energie ausbauen. Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich, der diese Woche wohl aus dem Rennen aussteigt, hatte gar versprochen, den Benzinpreis dadurch rasch auf 2,50 Dollar zu drücken.

Steuern auf Benzin zu senken, wie es in Deutschland gerne gefordert wird, hätte in Amerika dagegen kaum Auswirkungen: Dort beträgt deren Anteil am Spritpreis gerade einmal elf Prozent (in Deutschland etwa 60 Prozent). Viel bedeutsamer ist an den US-Zapfsäulen der Rohölpreis – mehr als zwei Drittel der Kosten für eine Gallone müssen laut US-Energiestatistik-Behörde EIA hierfür aufgebracht werden.

Hier zeigt sich, wie wenig die Politik am Spritpreis verändern kann. Es sind laut EIA vor allem Faktoren wie  Währungsschwankungen, Konflikte wie mit Iran oder das Wachstum der Weltwirtschaft, die die Gallone an der Tankstelle in Washington oder Denver verbilligen oder verteuern. So brachen die Spritpreise in der Rezession Anfang 2009 auf ein Rekordtief von 1,60 Dollar ein und erreichten um Frühjahr 2010 mit knapp vier Dollar ein Rekordhoch. Die EIA rechnet damit, dass der Höhepunkt für dieses Jahr im Mai mit im Schnitt 4,01 Dollar erreicht sein wird.

Hohe Benzinpreise scheinen die Amerikaner indes nicht davon abzubringen, weiter Sprit fressende Geländewagen zu kaufen. Im März war die F-Serie von Ford, ein schwerer Pick-Up, erneut das meistverkaufte Auto. Die Zahl der verkauften SUV legte gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp sechs Prozent zu.

Kommentare zu " Tankwut in den USA: Hohe Spritpreise, dicke Autos"

Alle Kommentare
  • Wer mit einem Fahrzeug, dass auch nur im Entferntesten mit Fiat zu tun hat, sich auf eine Reise begiebt ist schon ein echter Überlebenkünstler ala Bear Grills.

    Die werden dort das Radlager warscheinlich nicht berechnen, sondern die einbauen, von welchen sie am meisten auf Lager haben.



    Ganz im Ernst, das Straßennetz der USA ist durchaus mit unseren Schotterpisten zu vergleichen! Und der Fahrzeugkauf eben auch. Oder ist es ein Wunder, dass Porsche 50% nur mit Cayenne verdient?

  • so ein Bloedsinn. 95% der SUV und Pickup werden nie eine ungeteerte Strasse sehen. Es dreht sich hier nur um das Ego der Bevoelkerung.
    In Vancouver liegt die Neuzulassungs von diesen Monstern bei ca 40%. Und wir haben ein ausgezeichnetes Strassennetz.

  • Nachtrag:
    http://siggi40.de/app/download/5784992553/Spanien+1998.pdf

  • Um das zu verstehen, muss man sich a bissl mit den Gegebenheiten in den USA und Kanada beschäftigen. Ein Allrad-Truck a la F-150 ist in vielen Gegenden der USA schon deshalb erforderlich, weil das Straßennetz nicht so ausgebaut ist, wie im dichtbesiedelten Europa. Nach einem Regenguss kommt man mit einem europäischen Mittelklassewagen in der Pampa einfach nicht mehr weiter. Der sitzt auf und bleibt stecken. Nicht umsonst sind viele Klein- und Mittelstädte entlang den Highways angesiedelt, wo man kurze Strecken zum Highway hat und dann in die nächste Stadt 100, 200 oder 500 Meilen fahren muss.
    Im Winter sind diese unendlichen Highways auch nicht geräumt. Ohne einen Truck braucht man erst gar nicht loszufahren.
    Zum anderen sind die meisten Highways in einem solch desolatem Zustand, dass man sich bei einem beladenem Mittelklassewagen die Achsen brechen kann, zu kleine Räder haben, um die Schläge durch die Querfugen aufzufangen.
    Bei meiner USA Reise mit einem Wohnmobil auf Fiat-Ducato Basis benötigte ich 8 Reifen, die mir während der Fahrt um die Ohren flogen. Radlager musste ich unterwegs in Cody, am Yellow-Stone wechseln, die aus Denver eingeflogen wurden. Am Ende meiner USA-Kanada Reise waren sie schon wieder hinüber, zusätzlich noch die Antriebswellen.
    Diese Fahrzeuge sind für europäische Verhältnisse konstruiert und gebaut, nicht für amerikanische, bzw. kanadische. Wenn man in einer großen Stadt wohnt, in den noblen Vororten, da reicht ein europäisches oder japanisches Auto. Aber nur dort.

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