Taskforce soll noch in dieser Woche gebildet werden
Britische Muslime und Parteien schmieden Allianz

Britische Moslems und die etablierten politischen Parteien Großbritanniens wollen den Terrorismus gemeinsam und offensiv bekämpfen. Dies versprachen übereinstimmend die Teilnehmer an einem großen Roundtable in der Downing Street, an dem 25 Wortführer britischer Muslime sowie die Führer der Unterhausparteien teilnahmen.

HB/mth LONDON. Das Treffen ist Teil von Premier Tony Blairs Offensive, nach den Londoner Terroranschlägen vom 7. Juli gemeinsam mit den Muslimen eine neue Allianz gegen den Terrorismus zu schmieden.

Das hohe Maß an Übereinstimmung unter den Muslimen und im gesamten politischen Spektrum sei ermutigend, sagte Blair. Man werde Mechanismen finden, um in die muslimischen Gemeinschaften zu gehen und „diese bösartige Ideologie“ zu besiegen. Noch in dieser Woche soll eine Taskforce gebildet werden.

„Wir alle sind uns einig, dass wir den Hasspredigern das Handwerk legen müssen“ sagte das Labour-Parteimitglied Azhar Ali. Wie andere betonte er die Notwendigkeit, die intellektuelle und theologische Debatte mit der jungen Generation zu suchen. Großbritanniens Muslime seien geradezu „hungrig“, die Radikalen in ihrer Mitte auszumerzen, sagte der Unterhausabgeordnete Shahid Malik. Zu den diskutierten Maßnahmen gehört auch eine stärkere Regulierung der Moscheen. So ist im Gespräch, von Imamen Kenntnisse der englischen Sprache und Gesellschaftsordnung zu verlangen.

An der Runde nahmen muslimische Akademiker, Moscheenleiter und Imame teil. Doch mussten die meist älteren Teilnehmer einräumen, dass viele von ihnen den Kontakt zu einer frustrierten Generation junger Muslime verloren haben. „Wenn nicht einmal die Eltern der Bombenleger wissen, was die tun, wie sollen wir es dann wissen“, sagte der Leiter einer Moschee in Luton. Teilnehmer berichteten, dass unterschiedliche Gründe für die wachsende Entfremdung und den Extremismus jüngerer Muslime geäußert worden seien – neben Armut und mangelnder Teilhabe an Bildungschancen auch „die britische Außenpolitik“ – ein Euphemismus für die Invasion im Irak.

Am Montag hatte die angesehene Denkfabrik Chatham House eine Verbindung zwischen dem Irakkrieg und wachsender Terrorismusbereitschaft in Großbritannien gezogen. Am Dienstag wurde auch eine fast gleich lautende Analyse der britischen Geheimdienste bekannt. Das Gemeinsame Zentrum für Terrorismusanalyse, in dem die In- und Auslandsgeheimdienste MI5 und MI6 sowie Scotland Yards Terrorismusabwehr zusammenarbeiten, warnte offenbar nur Wochen vor den Londoner Anschlägen, der Irakkrieg habe das Terrorrisiko in Großbritannien erhöht und wirke als „Motivation und Fokus für eine Reihe Terrorismus bezogener Aktivitäten“. In dem Bericht hieß es aber auch, keine britische Gruppe habe derzeit die Absicht oder die Kapazität, einen Anschlag durchzuführen.

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