Tausende Hektar Land enteignet
Proteste gegen israelische Grenzbefestigung nehmen zu

Die Proteste der Palästinenser gegen den Weiterbau einer israelischen Grenzbefestigung im Westjordanland werden immer heftiger. Bei einer Demonstration gegen den Bau des Sperrzauns im Norden des Westjordanlands wurden am Montag fünf ausländische Demonstranten von Soldaten leicht verletzt.

dpa RAMALLAH/JERUSALEM. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas warnte, die Fortsetzung des Sperrzaunbaus, der Israel gegen palästinensische Terroranschläge abschotten soll, gefährde die Verwirklichung des Internationalen Nahost-Friedensplans. Im Norden Israels wurde am Mittag ein seit acht Tagen vermisster israelischer Soldat ermordet aufgefunden. Die Polizei ging von einem politisch motivierten Verbrechen aus.

Mehrere Hundert Demonstranten, darunter etwa 50 Ausländer und 30 Israelis, stießen am Morgen in dem palästinensischen Dorf Anin, nordwestlich der Stadt Dschenin, mit Soldaten zusammen, als sie versuchten, die Fundamente für den massiven Grenzzaun niederzureißen. Die Soldaten schossen mit Gummimantel-Stahlgeschossen und Tränengasgranaten auf die Demonstranten. Fünf Ausländer wurden leicht verletzt.

Israel hat in den vergangen zwölf Monaten auf palästinensischem Gebiet mit dem Bau der zum Teil massiven Grenzbefestigung begonnen, die am Ende praktisch das gesamte Westjordanland umschließen soll. Die inzwischen fast 140 Kilometer lange Anlage steht zum Teil tief auf palästinensischem Gebiet. Für den Bau wurden Tausende Hektar Land enteignet.

Abbas: Alle Straßensperren abbauen

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat nannte die Grenzbefestigung am Montag „ein Verbrechen gegen die Menschheit“. US-Präsident George W. Bush hatte am vergangenen Freitag nach einem Gespräch mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas bereits seine Besorgnis über den Bau der Anlage geäußert, mit der Israel Terroranschläge von Palästinensern in Israel künftig verhindern will. Bush sagte, er wolle darüber an diesem Dienstag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon sprechen.

Abbas sagte am Montag im palästinensischen Rundfunk, Bushs Reaktion auf die palästinensischen Beschwerden sei „sehr positiv“ gewesen. „Ich hoffe, die US-Regierung wird Israel (...) überzeugen, so dass wir die Umsetzung des Nahost-Friedensplans fortsetzen können“. Anderenfalls werde es für die Palästinenser „schwierig werden“. Abbas forderte Israel auf, im Rahmen der Erleichterungen für die palästinensische Bevölkerung sämtliche Straßensperren in den besetzten Gebieten abzubauen. Die Armee hatte am Sonntag zwei der Sperren bei Ramallah abgebaut und andere Kontrollpunkte auf Dauer für die Palästinenser geöffnet.

Ein seit acht Tagen vermisster israelischer Soldat ist am Montag in Nordisrael ermordet aufgefunden worden. Die israelische Polizei vermutet, dass der 20-Jährige von radikalen Palästinensern oder israelischen Arabern auf dem Heimweg von seiner Einheit getötet wurde. Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte, er wolle „keine voreiligen Schlüsse“ ziehen. Die Täter hatten den Soldaten in seiner Uniform begraben, ihm jedoch sein Sturmgewehr geraubt.

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