Tausende von freiwilligen Helfern arbeiten für die Kandidaten der Demokraten: Der Kick, den Präsidenten zu stürzen

Tausende von freiwilligen Helfern arbeiten für die Kandidaten der Demokraten
Der Kick, den Präsidenten zu stürzen

Der Mann mit dem silbergrauen Stoppelschnitt hackt auf die Tasten seines Laptops. Daneben steht ein Plastikteller mit kalter Pilzsuppe. Aber dass ihm der Magen knurrt, hat Bill Endicott längst vergessen. In zehn Minuten muss er eine Liste mit Adressen von Anhängern des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Howard Dean ausdrucken. „Bill, wie lange dauert das denn noch?“ drängt die 20-jährige Sandy. Sie gehört zu einer Gruppe von 15 Leuten, die sich mit Bills Daten gleich auf den Weg machen will.

DES MOINES. Die Truppe klappert dann ganze Straßenzüge von Des Moines ab, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Iowa. In drei Tagen finden hier im Mittleren Westen die ersten Abstimmungen über den Herausforderer von Präsident George W. Bush statt. Eine hohe Wahlbeteiligung ist Trumpf. „Canvassing“ nennen die Amerikaner das. Was so viel heißt wie: an jede Tür klopfen und den Kandidaten in den höchsten Tönen loben.

Die Szene aus Des Moines ist längst Vergangenheit. Howard Dean hat die Vorwahlen in Iowa verloren, genauso wie die restlichen Vorentscheidungen über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Aber der Einsatz von Bill Endicott ist typisch dafür, wie die US-Parteien Wahlkämpfe organisieren: mit Freiwilligen, Englisch „volunteers“.

Mehr als 100 dieser Helfer wuseln an einem Tag im Januar durch das Hauptquartier von Dean, das hier alle nur „das Sturm-Zentrum“ nennen. Vor zwei Wochen hat sich Bill entschlossen, bei der Kampagne mitzumachen. Er kaufte sich ein Flugticket von Washington nach Des Moines und übernachtet seitdem in einem billigen Hotel für 60 Dollar die Nacht. Warum der 58-jährige Buch-Autor seine Arbeit so plötzlich liegen ließ? „Der Irak-Krieg mit Bushs Märchen von den Massenvernichtungswaffen ist einer der größten Skandale in der US-Geschichte“, sagt er. „Das ist schlimmer als Watergate, denn hier sterben Menschen.“

Die Volunteers sind so etwas wie die Fußtruppen der demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Sie opfern ihren Urlaub, machen Wahlwerbung per Telefon, gehen von Haus zu Haus oder halten bei bitterer Kälte Plakate hoch. Bezahlt werden sie dafür nicht. Der Stab spendiert zwischendurch mal einen schnellen Hamburger, mehr ist nicht drin.

Wie viele Volunteers es gibt, weiß niemand so genau. „Das ist eine ganz spontane Sache, die sich in den einzelnen Bundesstaaten abspielt“, unterstreicht Tony Welch, Pressesprecher der Demokraten in Washington. „Die Parteizentrale hat damit nichts zu tun.“ Welch schätzt, dass insgesamt einige Tausend Freiwillige unterwegs sind. „So viel Enthusiasmus wie in diesem Jahr habe ich noch nie erlebt“, sagt er. „Die Leute treibt der Kick, Bush aus dem Weißen Haus zu vertreiben.“

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