Tea-Party legt in USA zu
Republikaner Cantor zieht sich nach Abfuhr zurück

Eigentlich galt seine Wahl als Kandidat der Republikaner für die US-Kongresswahlen im November als sicher. Dann verlor Eric Cantor gegen einen unbekannten Herausforderer der Tea-Party. Nun zieht er sich zurück.
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RichmondDie Niederlage des republikanischen Mehrheitsführers im US-Repräsentantenhaus, Eric Cantor, bei den Vorwahlen mischt die Parteispitze auf. Cantor erklärte am Mittwoch, er werde seinen Posten Ende des kommenden Monats aufgeben. Zugleich kündigte er an, dass er den Abgeordneten Kevin McCarthy unterstützen werde, damit dieser sein Nachfolger auf dem Posten des Mehrheitsführers werde.

Cantor war im Staat Virginia bei den parteiinternen Vorwahlen einem weitgehend unbekannten Kandidaten der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung, David Brat, unterlegen. Damit ist Cantor, derzeit zweitmächtigster Republikaner im Repräsentantenhaus, aus dem Rennen für die Kongresswahlen im Herbst, die Tea Party hingegen ist gestärkt.

Kurz nach Bekanntwerden der Niederlage traten die ersten Aspiranten für Cantors Nachfolge als Mehrheitsführer auf den Plan. McCarthy - bislang stellvertretender Fraktionsvorsitzender, der bei den Republikanern im Repräsentantenhaus für die Parteidisziplin sorgen soll - sagte Vertrauten, er wolle Cantors Posten übernehmen. Auch der Texaner Pete Sessions äußerte Interesse.

Der Wirtschaftsprofessor Brat hatte sich klar gegen lockerere Einwanderungsgesetze ausgesprochen und damit bei der Vorwahl am Dienstag offenbar den Puls in seiner Partei getroffen. Cantor galt den Mitgliedern offenbar als zu wenig konservativ. Brat wird im November nun gegen den kürzlich nominierten Kandidaten der Demokraten, Jack Trammel, für den Sitz des Bezirks Richmond im Repräsentantenhaus antreten.

Brats Sieg verhilft der Tea-Party-Bewegung - einer ultrakonservativen Strömung innerhalb der Republikaner - unerwartet zu neuem Schwung. Brat hatte Cantor als Washingtoner Insider bezeichnet, der zu wenig konservativ sei. „Es ist ein Wunder Gottes, dass dies passiert ist“, jubelte Brat, als sich sein Sieg abzeichnete. Cantor sagte hingegen: „Augenscheinlich sind wir gescheitert.“ Cantors Niederlage war die erste eines führenden Kongressmitgliedes bei Vorwahlen in jüngeren Jahren.

Parteiinterne Umfragen hatten noch auf einen Sieg Cantors hingedeutet, der auch als möglicher Nachfolger für Boehner gehandelt wurde. Der 51-Jährige hatte sich lange Zeit dafür ausgesprochen, dass illegalen Einwanderern in bestimmten Einzelfällen die US-Staatsbürgerschaft gewährt werden solle. Darunter sollten vor allem Latinos fallen, die als Kinder illegal in die USA kamen. Erst als Herausforderer Brat in den vergangenen Wochen immer stärker an Profil gewann, sprach sich auch Cantor gegen eine weitreichende Lockerung der Immigrationsgesetze aus.

Mit einer gemäßigteren Einstellung zur geplanten Reform des Einwanderungsgesetzes wollten die Republikaner um Cantor wichtige Stimmen der aus Lateinamerika stammenden Wähler gewinnen. Nach dem Sieg Brats könnte sich die Front unter den Konservativen gegen das Gesetz weiter verhärten.

Der Gesetzentwurf hat bereits den von Demokraten dominierten US-Senat passiert, muss aber noch vom Repräsentantenhaus gebilligt werden, in dem die Republikaner die Mehrheit haben. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte das Vorhaben nun aber bis nach den Präsidentenwahlen 2016 auf Eis liegen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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