Ted Truman
Geithners Gipfel-Sherpa: Smiley der Ökonomie

Ted Truman redet nicht um Probleme herum und hat stets eine klare Meinung. Solche Ökonomen sind in der Krise gefragt. Als Sherpa des US-Finanzministers Geithner will sich Truman beim G20-Gipfel für neue europäische Konjunkturpakete stark machen- und erhält dafür viel Lob aus der Fachwelt.

Seinen Ritterschlag erhielt Ted Truman, als Paul Krugman ihn jüngst den "George Smiley der internationalen Ökonomie" nannte. Denn das Etikett, das der Wirtschaftsnobelpreisträger Washingtons neuem G20-Sherpa verlieh, passt gut zu dem Mann, der den Gipfel in London zu einem Erfolg machen soll. Truman ist ein kluger, temperamentvoller und exzellent verdrahteter Strippenzieher - so genial wie Geheimagent Smiley in den Romanen von John le Carré.

Für den jungenhaften US-Finanzminister Timothy Geithner machte Trumans Reaktivierung nicht nur Sinn, weil er endlich Personal für sein Ministerium braucht, sondern vor allem, weil er kaum einen erfahreneren Sherpa hätte finden können. Truman, der entfernt mit Ex-Präsident Harry Truman verwandt ist, hat in seinem Leben vor allem das getan, was man für einen G20-Job braucht: Er hat sich mit dem globalen Finanzsystem beschäftigt. Ob viele Jahre in der US-Notenbank oder als Staatssekretär im Finanzministerium unter Bill Clinton, wo Geithner Truman kennen und schätzen lernte.

Wer den 67-Jährigen in den letzten Jahren als Experte im Washingtoner Peterson-Institut erlebte, hatte stets den Eindruck, dass da einer sitzt, den noch einmal eine neue Aufgabe reizen könnte - vor allem, wenn es um Krisen geht. Ted Truman blüht auf, wenn in schwierigen Situationen Lösungen gefunden werden müssen. Er redet nicht um Probleme herum und hat stets eine klare Meinung. So ist es auch diesmal: Truman glaubt, dass nur eine große Konjunkturoffensive der Weltwirtschaft aus der Krise hilft. Und er scheut sich nicht, jene zu kritisieren, die seiner Meinung nach zu wenig tun. So schrieb er kurz vor seiner Berufung zum Sherpa in seinem Blog, dass Länder wie Kanada, Frankreich oder Deutschland unbedingt mehr Geld ausgeben müssten - und dass G20 und IWF diese Linie mit jedem erdenklichen Druck durchsetzen sollten.

Als das Peterson-Institut Anfang der Woche zum G20-Briefing lud, fehlte zwar Trumans Stimme. Doch der Geist des charaktervollen Finanzexperten war gleichwohl anwesend. Als Instituts-Chef Fred Bergsten etwa davon sprach, wie der IWF von seinen Mitgliedern mit erheblich mehr Geld ausgestattet werden sollte, war dies ganz im Sinne von Truman. Dies fordert der 67-Jährige schon lange. In London hat der Sherpa nun die Chance, aus der Forderung praktische Politik zu machen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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