Teheran nimmt Atomanlage von Isfahan in Betrieb
Iran zeigt EU kalte Schulter

Ungeachtet internationaler Warnungen hat Iran am Montag Teile der Atomanlage von Isfahan wieder in Betrieb genommen. Zugleich lehnte die iranische Führung die jüngsten Vorschläge der Europäischen Union für ein umfassendes Kooperationsabkommen am Montag offiziell ab.

HB TEHERAN. Außenamtssprechers Hamid-Resa Assefi sagte am Nachmittag im iranischen Fernsehen, die EU-Vorschläge vom vergangenen Freitag hätten Irans Recht auf die Produktion von atomaren Brennstoffen nicht berücksichtigt. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten Teheran umfassende wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Zusammenarbeit zugesagt, wenn Iran im Gegenzug auf die Anreicherung von Uran verzichtet. Ungeachtet der iranischen Entscheidung will die EU jedoch so lange wie möglich mit Teheran weiter verhandeln.

Am Mittag hatte Teheran den Botschaftern Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens im Außenministerium die Antwort Irans auf die Vorschläge des so genannten EU-Trios in einem versiegelten Umschlag übergeben. Iranische Sprecher, darunter der scheidende Außenminister Kamal Charrasi, hatten die Vorschläge am Wochenende bereits als unzureichend abgelehnt, weil Iran danach auf einen eigenen atomaren Brennstoffkreislauf verzichten müsste. In der Atomanlage von Isfahan wird aufbereitetes Uranerz in das Gas Uranhexafluorid umgewandelt, die Grundsubstanz für die Anreicherung von Uran. Hochangereichertes Uran kann auch zum Bau von Atomwaffen dienen.

Trotz aller Warnungen der EU wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA am Montagnachmittag „einige Bereiche“ der Atomanlage bei Isfahan geöffnet, darunter ein Forschungszentrum, das nicht versiegelt war. Der Vizepräsident der iranischen Atomenergie- Behörde, Mohammed Saidi, erklärte: „Die Uranumwandlung in Isfahan ist unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) wieder aufgenommen worden.“ IAEO-Inspekteure hatten zuvor die ersten Überwachungskameras in den Gebäuden montiert. Die Anlage war seit Dezember 2004 geschlossen.

IAEO-Generaldirektor Mohammed el Baradei bestätigte am Abend, dass Iran damit begonnen habe, die Uranerz in die Umwandlungsanlage einzufüllen. Dies sei zwar erst nach der Installation von Überwachungskameras geschehen, jedoch „bedauerlicherweise, bevor sie vollständig getestet werden konnten“. Die von der IAEO versiegelten Bereiche der Fabrik seien jedoch ungeöffnet geblieben.

Ungeachtet der Ablehnung seiner Vorschläge durch Teheran hieß es in Brüssel, die Europäische Union werde die Atom-Verhandlungen mit Iran so lange wie nur irgend möglich in Gang halten. „Der Punkt, an dem die Verhandlungen von der EU abgebrochen werden, ist erst dann erreicht, wenn Iran die Urananreicherung wieder aufnimmt, sagte eine EU-Diplomatin. Angesichts der krisenhaften Entwicklung hatte die Bundesregierung in Berlin Iran am Morgen noch einmal aufgefordert, die Vorschläge Brüssels „ernsthaft und sorgfältig zu prüfen“. Der Vorschlag biete Iran die Perspektive einer umfassenden Zusammenarbeit in politischer, wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

In Teheran herrschte am Montag zunächst völlig Verwirrung über die Absichten Irans. Anfangs hatte ein Sprecher angekündigt, man werde die Inbetriebnahme Isfahans auf Bitten von IAEO-Chef Mohammed el Baradei um einige Tage verschieben. In Wien bemühten sich einen Tag vor der Sondersitzung des IAEO-Gouverneursrats EU-Diplomaten um den Text einer Resolution, mit der Iran am Dienstag noch einmal zur Einhaltung des so genannten Pariser Abkommens vom November 2004 aufgefordert werden soll. Darin hatte Teheran sich bereit erklärt, sämtliche Arbeiten zur Urananreicherung bis zum Abschluss eines Abkommens mit der EU auszusetzen. Sämtliche Resolutionen des Gouverneursrats müssen einstimmig gefasst werden.

Teheran gab unterdessen bekannt, dass Präsident Mahmut Ahmadinedschad den ultrakonservativen Ali Laridschani zum Chef des Nationalen Sicherheitsrats und Chefunterhändler für Atomfragen ernennen wird. Laridschani löst den gemäßigten Hassan Ruhani ab, der in den vergangenen zwei Jahren für einen Kompromiss mit dem EU- Trio eingetreten war. Laridschani gilt als Gegner jeder Vereinbarung, die Irans Recht auf Urananreicherung in Frage stellt.

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