Teheran warnt Internationale Atomenergiebehörde
Iran droht mit Rückkehr zur Uran-Anreicherung

Im Streit um sein Atomprogramm hat Iran gestern mit der Wiederaufnahme seiner Arbeiten zur Anreicherung von Uran gedroht.

HB TEHERAN/WIEN. Wenn die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine Resolution verabschiede, in der Iran mangelnde Kooperation mit den Uno-Inspektoren vorgeworfen werde, dann habe sein Land „keine moralische Pflicht mehr, die Anreicherung von Uran auszusetzen“, sagte Präsident Mohammad Chatami in Teheran.

Die USA verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomkraft heimlich an der Entwicklung einer Atombombe zu arbeiten. Die iranische Regierung hat dagegen stets beteuert, Atomkraftwerke nur zur Stromerzeugung zu nutzen. Zweifel an diesen Beteuerungen kamen auf, nachdem Uno-Inspekteure in iranischen Atomanlagen auf Spuren angereicherten Urans gestoßen waren. Iran will nach eigenen Angaben nur gering angereichertes Uran erzeugen. Die USA befürchten aber, dass diese Technik genutzt werden könnte, um hochangereichertes Uran für den Bau von Atomwaffen zu produzieren.

Der Gouverneursrat der IAEA berät derzeit in Wien über einen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien vorbereiteten Resolutionsentwurf, in dem der iranischen Regierung mangelnde Kooperation mit den Uno-Inspekteuren vorgeworfen wird. Der Generaldirektor der Atomenergiebehörde, Mohamed El Baradei, betonte, eine Einigung über den Entwurf stehe kurz bevor. Dagegen drohte Chatami, sein Land werde die Resolution ablehnen, falls die Atomenergiebehörde sie verabschiede.

In den USA stieß die Drohung des iranischen Präsidenten umgehend auf harsche Kritik. Die iranische Regierung versuche, einzuschüchtern, sagte der US-Botschafter bei der IAEA, Kenneth Brill. Das Verhalten nähre auch Zweifel daran, dass es dem Land nur um Energiegewinnung gehe. „Leute, die Strom zum Betreiben von Glühbirnen erzeugen wollen, verhalten sich nicht so“, sagte Brill. Die Europäische Union rief Iran dringend zur vollständigen Zusammenarbeit mit der IAEA auf. Die EU hoffe, dass das Land an der Umsetzung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag und am Verzicht auf die Anreicherung von Uran festhalte, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Dies sei die Voraussetzung für die Entwicklung engerer Beziehungen zu den europäischen Staaten. Die EU hat bis zur Klärung des Atomstreits die Verhandlungen über Handels- und Hilfsabkommen ausgesetzt.

Der iranische Chef-Delegierte bei der IAEA, Hossain Mussawjan, sagte, sein Land habe trotz des negativen Tons des Resolutionsentwurfs keine andere Option als mit der IAEA zusammenzuarbeiten. Allerdings könnten die drei europäischen Länder, die die Resolution erarbeitet hätten, von künftigen Atomgeschäften ausgeschlossen werden, warnte er.

Chatami betonte aber, dass sein Land nicht vorhabe, dem Beispiel Nordkoreas zu folgen und den Atomwaffensperrvertrag aufzukündigen. Allerdings könnte der aktuelle Streit die Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag weiter verzögern. Es sei nicht damit zu rechnen, dass das Protokoll vom Parlament schnell angenommen werde, sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi der iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Iran hatte das Zusatzprotokoll, das der IAEA kurzfristig angekündigte Kontrollen von Atomanlagen erlaubt, im vergangenen Jahr unterzeichnet.

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