Teheran will eine britische Soldatin frei lassen
Großbritannien legt Beziehungen zu Iran auf Eis

Tony Blair macht ernst: Großbritannien hat alle Beziehungen zu Iran auf Eis gelegt. Gleichzeitig präsentierte das britische Militär Satellitendaten, die beweisen sollen, dass sich die Briten bei ihrer Festnahme nicht in iranischen Gewässern befanden. Nur wenig später kündigte Teheran die Freilassung einer der Soldatin an. Dennoch wächst die Angst vor einer Eskalation. Die Rohstoffmärkte reagierten bereits.

HB LONDON. „Wir befinden uns jetzt in einer neuen Stufe der Diplomatie“, sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett. Die Freilassung der 15 britischen Marinesoldaten und Seeleute habe oberste Priorität. „Wir werden deshalb alle anderen offiziellen bilateralen Kontakte mit dem Iran stoppen, bis die Angelegenheit gelöst ist“, erklärte Beckett vor dem Parlament in London.

So sollen iranische Regierungs- und Behördenvertreter vorerst keine Visa mehr erhalten. Zudem friert die Regierung in London staatliche Hilfen für Handelsprojekte mit dem Iran ein, wie ein britischer Regierungsvertreter erläuterte.

Die iranische Regierung kündigte nur wenig später die Freilassung einer britischen Marineangehörigen an. Die mit 14 weiteren soldaten festgenommene 26-jährige Faye Turney werde noch im Laufe des Mittwochs oder am Donnerstag freigelassen, bestätigte die Nachrichtenagentur ISNA eine Ankündigung von Außenamtssprecher Mohammad Ali Hosseini. Über das Schicksal der anderen 14 Briten wurde zunächst nichts bekannt.

Die iranische Botschaft in London teilte einer Agenturmeldung zufolge mit, die Regierungen beider Länder könnten den Konflikt „durch Kontakte und enge Zusammenarbeit lösen“. Allerdings bekräftigte die Botschaft die iranische Darstellung, wonach die Briten am vergangenen Freitag in iranischen Hoheitsgewässern festgenommen worden seien, wie die Agentur „Irna“ weiter meldete.

Demnach soll die britische Marine einen halben Kilometer in iranisches Gebiet vorgedrungen sein. Die britische Regierung dagegen kann eigenen Angaben zufolge mit Satellitenfotos belegen, dass die von Iran festgenommenen Soldaten nicht in die Gewässer der Islamischen Republik eingedrungen sind. Die britischen Boote hätten sich eindeutig innerhalb irakischer Gewässer aufgehalten, als sie von der Marine der iranischen Revolutionsgarde gestoppt worden seien, erklärte der stellvertretende Chef des britischen Verteidigungsstabes, Vize-Admiral Charles Style.

Blair hatte zuvor bereits angedroht, die Satellitenbilder als Beweis vorzulegen. Diese seien bislang nur nicht publiziert worden, "weil wir nicht wollen, dass dies eskaliert". Regierungskreisen zufolge hat Großbritannien die Aufzeichnungen Iran jedoch bereits zur Verfügung gestellt.

Während Teheran Großbritannien bislang den Zugang zu den Gefangenen verweigert, dürfen in Kürze möglicherweise türkische Diplomaten die die britischen Soldaten besuchen. Das sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan heute laut einem Bericht des türkischen Fernsehsenders CNN-Turk nach Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki.

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