Teilabzug aus Irak
Blair beugt sich dem Druck

Nun ist es offiziell: Premierminister Tony Blair kündigte in einer Erklärung im Londoner Unterhaus an, die Zahl der britischen Soldaten im Irak zu reduzieren. 1600 sollen schon bald zurück nach Hause kommen. Großbritannien ist nicht der einzige Alliierte, der sich langsam vom Einsatz in dem Golfstaat verabschiedet.

HB LONDON. Großbritannien verringert sein Truppenkontingent im Irak. Premierminister Tony Blair kündigte vor dem Parlament in London an, die britischen Einheiten würden in den kommenden Monaten um 1600 auf gut 5500 reduziert.

Der Premier stellte eine weitergehende Reduzierung auf unter 5000 Soldaten in Aussicht, sollten irakische Sicherheitskräfte im Spätsommer in der Lage sein, eine weitere Basis in der südirakischen Stadt Basra zu kontrollieren.

Vor zwei Jahren seien noch mehr als 9000 britische Soldaten im Irak stationiert gewesen „und 40 000 zur Zeit des Konflikts“, sagte Blair. Großbritannien hat nach den USA die meisten Truppen im Irak aufgeboten. Die britischen Soldaten sind vor allem in Basra und Umgebung stationiert.

Blair beugt sich mit dieser Entscheidung auch dem innenpolitischen Druck. Der Premier war zuletzt im eigenen Land heftig kritisiert worden, weil er den Irakkriegsplänen von US-Präsident George W. Bush bedingungslos folgte. Die Empfehlung der so genannten Baker-Kommission in Washington für einen weitgehenden Abzug der US-Kampfeinheiten habe die Diskussion vorangebracht, schreiben britische Zeitungen. „Bush hat den Bericht weitgehend ignoriert, aber für Blair war es ein Wendepunkt“, schlussfolgerte etwa die linksliberale Zeitung „The Guardian“. Außerdem habe Blair eine Chance erkannt: Er wolle an einer Gesamtstrategie zur Lösung der Konflikte in Nahost mitwirken und so vielleicht doch noch einen außenpolitischen Erfolg vorweisen können.

Auch Dänemark, dessen 470 Soldaten umfassendes Kontingent unter britischem Kommando steht, will seine Bodentruppen bis August abziehen und durch eine kleine Hubschrauber-Einheit ersetzen.

Der geplante Abzug britischer Soldaten wurde bereits von der US-Regierung bestätigt. Blair habe Bush über die Abzugspläne informiert, hieß es in Washington. Bush und Blair hätten am Dienstag darüber gesprochen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Gordon Johndroe. Bush sehe in dem Abzug ein Zeichen des Erfolges. Dies zeige, was für die USA möglich sei, wenn man die Iraker beim Vorgehen gegen die Gewalt in Bagdad unterstütze.

Bush hatte erst kürzlich die Entsendung weiterer 21 500 US-Truppen in den Irak angekündigt, um die Sicherheitslage vor allem in der Hauptstadt Bagdad in den Griff zu bekommen.

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