_

Telefonkonferenz der Finanzminister: 90-Milliarden-Geldspritze soll Griechenland retten

exklusiv EU, EZB und IWF halten es für ausgeschlossen, dass Griechenland 2012 an die Finanzmärkte zurückkehrt. Damit wird es ein neues Rettungspaket geben. Der Umfang steht auch schon fest - und er ist riesig.

Akropolis in Athen. Quelle: AP
Akropolis in Athen. Quelle: AP

BerlinGriechenland kann nach Einschätzung der Finanzminister aus der Euro-Zone seine Schuldenprobleme meistern. Aber nur, wenn es sich an die mit EU, IWF und EZB vereinbarten Wirtschafts- und Finanzreformen hält. Diese klare Warnung in Richtung Athen vereinbarten die Finanzminister der 17 Euro-Ländern in einer Telefon-Konferenz am Mittwoch Abend.

Anzeige

Die sogenannte Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission hatte zuvor ihren Prüfbericht vorgelegt. Darin hält sie eine baldige Rückkehr Griechenlands an die Finanzmärkte für ausgeschlossen: "Griechenland wird wahrscheinlich nicht in der Lage sein, 2012 auf die Märkte zurückzukehren", heißt es in dem Bericht der drei Institutionen, der dem Handelsblatt vorliegt.

Die Kosten einer Marktfinanzierung seien weiterhin nicht tragbar. "Die Renditen sind in den letzten Monaten beträchtlich gestiegen und verzeichnen Höhepunkte, die die Werte zu Beginn des wirtschaftlichen Anpassungsprogramms weit überschreiten", heißt es in dem Bericht. "Die nächste Auszahlung (aus dem laufenden Griechenland-Hilfepaket) kann nicht stattfinden, bevor das Problem dieser Unterfinanzierung gelöst ist", heißt es weiter.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezifferte den Umfang des neuen Hilfspakets in den Fraktionen von Union und FDP auf 90 Milliarden Euro, wie Handelsblatt Online aus Koalitionskreisen erfuhr. "Das ist der zusätzliche Bedarf bis einschließlich 2014", hieß es. Dieser ergebe sich aus dem Finanzierungsbedarf, den Griechenland selbst von 2012 bis 2014 habe über den Kapitalmarkt aufnehmen wollen - drei mal 30 Milliarden. "Es glaubt aber keiner mehr, dass das der Regierung gelingen kann."

Griechenland war als erstes Euro-Land 2010 mit einem 110 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) vor einer Pleite gerettet worden. Damals war davon ausgegangen worden, dass das Land von 2012 an wieder selbst Geld am Kapitalmarkt aufnehmen kann. Dies gilt inzwischen als unrealistisch, so dass ein neues Hilfspaket nötig wird. Dessen Umfang wurde bislang mit 30 bis 60 Milliarden Euro beziffert.

Laut der Troika "scheint die Rezession etwas tiefer und länger auszufallen als anfangs angenommen". Nach einem kraftvollen Anfang im Sommer 2010 sei die Umsetzung der Reform in den letzten Quartalen zum Stillstand gekommen.

Griechenland

Die Wirtschaftsaktivität ist danach im Jahr 2010 um viereinhalb Prozent und damit etwas deutlicher geschrumpft, als bei Auflegung des wirtschaftlichen Anpassungsprogramms und in anschließenden Prüfungen angenommen worden sei. "Der Rückgang betraf vorwiegend die Binnennachfrage, wohingegen der Außenhandelssektor dynamisch war und damit zur Reduzierung der Leistungsbilanzungleichgewichte beitrug", schreiben die Vertreter der gemeinsamen Delegation.

Die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands hat sich laut dem Bericht dank der Lohnkürzungen verbessert. "Dennoch haben die Strukturreformen noch nicht die kritische Masse erreicht, die zu sichtbaren Ergebnissen bei der Produktivität und Wachstumsfähigkeit der Wirtschaft führen würde."

BIZ-Bericht Welche Banken in Griechenland engagiert sind

  • BIZ-Bericht: Welche Banken in Griechenland engagiert sind
  • BIZ-Bericht: Welche Banken in Griechenland engagiert sind
  • BIZ-Bericht: Welche Banken in Griechenland engagiert sind
  • BIZ-Bericht: Welche Banken in Griechenland engagiert sind

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dürfte der Prüfbericht gelegen kommen. Hat sich den jetzt erstmals klar für eine Umschuldung Griechenlands und ein zweites Milliarden-Hilfspaket ausgesprochen. Mit einem längeren Zahlungsaufschub und neuen Finanzspritzen soll dem pleitebedrohten Land eine Atempause verschafft werden. In einem eindringlichen Appell an die Euro-Partner, die EZB, IWF und EU-Kommission verlangte Schäuble die Einbindung privater Geldgeber bei weiteren Hilfen.

  • 09.06.2011, 20:22 UhrAnonymer Benutzer: ArnoNyhm

    Aha. Das nächste gute Geld, das dem schlechten hinterher geworfen wird. Als ob dies irgendetwas an dem grundlegenden Problem Griechenlands ändern würde.
    Und in einem Jahr stehen sie dann wieder da und betteln um weitere Milliarden und die deutsche Politik wird noch stärker als jetzt gerade von "Alternativlosigkeit" faseln und neuerliches Geld versenken. Wetten dass?

  • 09.06.2011, 11:43 Uhrmargrit117888

    Wir brauchen ganz dringend einen ZdD
    einen Zentralrat der Deutschen.
    Denn Deutsche sind von niemandem mehr vertreten
    Unsere Regeirung und die kriminelle EU in Brüssel müßten wergen Hochverrats angeklagt werden

  • 09.06.2011, 10:45 UhrAnonymer Benutzer: Scheinwelt

    Oder diesen Film anschauen!

    http://www.youtube.com/watch?v=fXIE_lUPyrU&playnext=1&list=PL334B536FF28194DC

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Afghanistan: Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Ein Nato-Angriff hat in Afghanistan offenbar eine ganze Familie ausgelöscht. Sechs Kinder und deren Eltern sind laut der Provinzregierung ums Leben gekommen. Am Vortrag gab es bereits tödliche Gefechte mit der Taliban.

Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International