Territorien in Südasien
Indien und Bangladesch tauschen Enklaven

Eine Heimat für die Heimatlosen: Nach einem Enklaventausch zwischen Indien und Bangladesch haben zehntausende Staatenlose erstmals einen Pass erhalten. In den Gebieten reißen die Feierlichkeiten nicht ab.
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Neu DelhiMit einem Gebietstausch haben Indien und Bangladesch am Samstag einen „ewigen“ Grenzstreit friedlich beigelegt. Zehntausende bisher staatenlose Bewohner der Grenzregion erhielten dabei erstmals eine Staatsbürgerschaft. In den Gebieten herrschte Feststimmung.

Nach dem um Mitternacht in Kraft getretenen Abkommen tauschte Indien seine 111 Enklaven in Bangladesch gegen 51 Enklaven des kleineren südasiatischen Nachbarn aus. Die bisher staatenlosen Bewohner der Territorien konnten sich aussuchen, Bürger welchen Landes sie werden wollten. Indien verlor bei dem Tausch rund 40 Quadratkilometer.

Die Menschen entzündeten Feuerwerke und 68 Kerzen – eine für jedes Jahr seit der Unabhängigkeit 1947 von Großbritannien. „Wir haben endlich eine Identität, wir sind volle indische Staatsbürger, das ist der glücklichste Tag in unserem Leben“, sagte der 25-jährige Saddam Mian, einer der Bewohner der nun indisch gewordenen Enklave Potarkuti, am Telefon.

Die Grenzprobleme reichten bis ins Jahr 1713 zurück, als bengalische Herrscher in Verträgen mit den Moguln die Gebiete neu aufteilten. Damals entstanden viele Enklaven im jeweils feindlichen Territorium, teilweise mit Enklaven in den Enklaven. 1974 hatten sich Indien und Bangladesch auf eine Grenzbereinigung geeinigt.

Doch erst im Juni 2015 ratifizierten Neu Delhi und Dhaka den Grenzvertrag. Die 14.854 Bürger der bisher bengalischen Enklaven in Indien optierten alle für die indische Staatsangehörigkeit. Von den 39 176 Bürgern der bisher indischen Enklaven in Bangladesch wollten nur 979 künftig Inder sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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