Terror-Angst
Häfen-Verkauf nach Dubai schreckt Amerikaner auf

Sicherheitsexperten halten die großen US-Häfen für die Achillesferse des Landes im Kampf gegen den Terrorismus. Kein Wunder also, dass der Verkauf der Häfen von New York, Baltimore und vier anderen großen Städten an einen Konzern in Dubai in den USA einen Aufschrei der Empörung ausgelöst hat.

HB WASHINGTON. „Wollen wir wirklich, dass unsere größten Häfen in der Hand eines Landes liegen, wo die El Kaida ihre Leute rekrutiert?“, fragte die konservative „Washington Times“. Der republikanische Abgeordnete Mark Foley kritisierte: „Wenn unsere Häfen die am meisten gefährdeten Ziele für Terroristen sind und wir uns im Krieg befinden, wie der Präsident sagt, müssten wir doch übervorsichtig sein, wenn das Hafen-Management vom Ausland übernommen wird“.

Der Parteifreund von Präsident George W. Bush war dabei sichtlich um Zurückhaltung bemüht. Denn verschiedene Vorstöße von Abgeordneten im Weißen Haus gegen den - von den zuständigen US-Behörden bereits abgesegneten - Hafenverkauf an die „Dubai Ports Worldwide“ blieben ohne positive Resonanz. Bush-Sprecher Scott McClellan betonte lediglich, der Verkauf habe „strenge“ Sicherheitsprüfungen unbeanstandet passiert.

„Die Bush-Regierung hat schon bisher viel zu wenig getan, die Häfen des Landes zu schützen - das nun aber ist eine neue Qualität der Fahrlässigkeit“, kommentierte die liberale „New York Times“. Der demokratische Senator von New York, Chuck Schumer, bemängelte das „Risiko“, wenn es eine „ausländische Kontrolle unserer Häfen gibt, die lebenswichtig für unsere Sicherheit sind“. Und dann malte er das Schreckensbild an die Wand, dass eine Terrororganisation die arabische Hafen-Gesellschaft unterwandern könnte. „Wer würde sie dann stoppen?“, fragte Schumer.

Die Skepsis über das arabische Unternehmen, das weltweit Häfen betreibt, ist in den USA groß, obwohl Washington die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Verbündeten im „Krieg gegen den Terrorismus“ zählt. Allerdings hätten die Emirate, zu denen Dubai gehört, auch „Besorgnis erregende Beziehungen zu Terrororganisationen“, so die „New York Times“. „Die Übergabe des Hafen-Managements in die Hände eines Landes mit solch einer zwiespältigen Geschichte wäre ein Schritt in die falsche Richtung“.

Die Debatte über den Verkauf der Hafengesellschaften ist besonders erbittert, weil seit Jahren Mängel bei der Hafenüberwachung beklagt werden. Während die Sicherheitsmaßnahmen auf den US-Flughäfen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 drastisch verschärft wurden, geschah in den Häfen relativ wenig.

Mehrere US-Studien verwiesen auf die wenig überprüften, gigantischen Warenströme, die sich täglich über die Häfen ins Land ergießen. Gerade mal zwei Prozent aller Importgüter, die als Containerfracht über See ankommen, können nach offiziellen Angaben kontrolliert werden. Das am meisten befürchtete Szenario einer eingeschmuggelten „schmutzigen Bombe“ wurde nicht nur in Hollywood-Filmen, sondern auch in seriösen Aufsätzen von Terrorismus-Experten immer wieder thematisiert.

Senatoren und Abgeordnete versuchen nun, den arabischen Erwerb der amerikanischen Häfen - für insgesamt 6,8 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) - rückgängig zu machen. Aber die Aufregung scheint mehr psychologische, denn sachliche Hintergründe zu haben. Zum einen waren die sechs Häfen - neben New York und Baltimore auch Miami, New Jersey, Philadelphia und New Orleans - schon bisher in ausländischer Hand: Sie gehörte zur Hafensparte der britischen Reederei P&O, die an Dubai Ports Worldwide verkauft wurde. Im übrigen bleibt natürlich die Kontrolle der US-Häfen wie bisher in den Händen amerikanischer Sicherheitskräfte und Zöllner. Dennoch: „Dieser Verkauf schürt Ängste“, schrieb die „Baltimore Sun“.

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