Terror aus Jordanien
Al-Zarqawis Kuriere des Todes

Zarqa ist die Heimatstadt des einst gefährlichsten Islam-Terroristen. Und einer der Orte, wo neue Terroristen rekrutiert werden. Jordaniens zweitgrößte Stadt bietet ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir an Gotteskriegern, an Männern, die vor allem eines eint: ihr Hass auf Amerika. Ein Ortsbesuch.

ZARQA. Schrottplatz reiht sich an Schrottplatz am staubigen Highway durch die Wüste. Dann mündet die sechsspurige Straße in einem Labyrinth aus Gassen und Staubpisten. Arabische Tristesse aus Läden mit grellem Plastikspielzeug in den Vitrinen, Dönerbuden mit schmieriger Staubschicht auf den ausgeblichenen Tischdecken. Willkommen in Zarqa, Jordaniens zweitgrößter Stadt.

30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Amman gelegen, ist Zarqa die Heimat des einstmals gefährlichsten Islam-Terroristen im Irak, Abu Musab al-Zarqawi. Und einer der Orte, wo neue Terroristen rekrutiert werden, wo ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir an Gotteskriegern vorhanden ist, an Männern, die vor allem eines eint: ihr Hass auf Amerika. Ähnlich wie die Mitte dieser Woche in Deutschland festgenommenen mutmaßlichen Terroristen.

Mustafa, ein 24-Jähriger mit Flaumbärtchen um das vorstehende Kinn, würde auch gern in den Dschihad ziehen, den Heiligen Krieg der Moslems – auf den Spuren von Abu Musab al-Zarqawi. „Der Scheich“, wie sie den Terrorkönig hier in seiner Heimat nennen, „der Scheich ist ein Held“, sagt Mustafa. Daher hat er sich auch den Kampfnamen Abu zugelegt – nach seinem Vorbild, auf den die USA 25 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt hatten. So viel wie sonst nur auf den nach seinem Sturz untergetauchten Diktator Saddam Hussein. Mitte 2006 konnten US-Soldaten den toten Zarqawi präsentieren.

Aus Mustafas Kampf ist bisher nichts geworden. An der syrisch-irakischen Grenze ist er von Polizisten geschnappt worden, bevor er sich irgendeiner El-Kaida-Brigade anschließen konnte. Einen Stempel aus Syrien im Pass zeigt er zum Beweis.

Mustafa läuft einen Hügel hinauf. Durch ein kleines Tor tritt er in die Moschee von Imam Ahmed Abdel-Aziz Saleh. Der Prediger hockt in einer Runde junger Männer hinter kniehohen Holzbänken mit aufgeschlagenem Koran. In seinen Suren-Lesungen geht es nicht um den Hass auf Ungläubige, Amerikaner gar, hier sind die Schiiten die Feinde: „Sie hassen unsere Heiligen und Kalifen, sie foltern und morden Sunniten“, sagt der Imam. Der Terror schiitischer Milizen gegen sunnitische Iraker flimmert dabei unscharf über einen Fernsehschirm.

Märtyrer für den Krieg Moslems gegen Moslems werden in seiner Moschee ausgebildet. Allein sechs junge Männer aus Salehs Gemeinde zogen von hier zum Kampf ins Nachbarland: Zwei starben als Selbstmordattentäter, einer fiel im Kugelhagel, einer wurde von US-Soldaten verhaftet, zwei – darunter Mustafa – wurden an der Grenze festgenommen und nach Jordanien zurückgeschickt.

Seite 1:

Al-Zarqawis Kuriere des Todes

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%