Terror im Irak
Der IS wird nervös – und immer grausamer

Die Terrormiliz IS gerät immer mehr unter Druck: Bald wird ein neuer Großangriff der irakischen Streitkräfte erwartet. Dort, wo die Islamisten die Kontrolle haben, werden sie immer nervöser – und barbarischer denn je.

DibagaGeflüchtete berichten von grausamen Szenen – in der irakischen Stadt Kajara kennt das willkürliche Morden der IS-Kämpfer offenbar keine Grenzen. „Sie haben angefangen, Häuser zu durchsuchen, Leute festzunehmen und zu enthaupten“, sagt Dschardschis Mohammed Hadschadsch. Wegen der jüngsten Geländeverluste in der Region seien die Extremisten nervös geworden. Überall hätten sie Spione oder Deserteure vermutet. Auch in Mossul, der größten noch vom IS kontrollierten Stadt, artet die Brutalität der radikalen Islamisten offenbar immer mehr aus.

Seit Monaten bereiten die irakischen Streitkräfte die Rückeroberung von Mossul vor. Dank der Unterstützung durch kurdische Kämpfer und andere regionale Milizen sowie der Luftangriffe der USA haben sie sich inzwischen bis auf etwa 70 Kilometer vorarbeiten können. Etliche kleinere Städte und Dörfer in der Umgebung wurden bereits vom selbst ernannten Islamischen Staat befreit. Da die Kämpfe aber noch andauern, suchen viele Menschen Schutz in riesigen Flüchtlingslagern. Eines davon ist das Lager Dibaga.

Auch wenn sie vieles aufgeben mussten – die meisten Menschen in Dibaga sind froh, dass sie mit dem Leben davongekommen sind. Der neue Druck habe die IS-Kämpfer noch unberechenbarer gemacht, sagt Hadschadsch, der gemeinsam mit mehreren tausend anderen Irakern in dem Lager untergekommen ist. In Kajara habe er zuletzt immer jüngere und unerfahrenere Kämpfer gesehen. Bei einer Gelegenheit seien fast alle der auf den Straßen patrouillierenden Islamisten noch Teenager gewesen. In dem Moment habe er gedacht: „Sie brechen zusammen, sie sind am Ende.“

In dem Dorf Ausadscha habe die Terrormiliz Kämpfer im Alter von 13 oder 14 Jahren eingesetzt, sagt ein anderer Lagerbewohner, der aus Angst um die Sicherheit von noch im IS-Gebiet lebenden Verwandten nur seinen Spitznamen Abu Saleh nennen will. Nach seinen Angaben töteten die Extremisten sieben Menschen, nur weil diese versucht hatten, aus dem Dorf zu fliehen. Deren Leichen seien zur Abschreckung anderer auf einer Brücke zur Schau gestellt worden.

Als die irakischen Streitkräfte sich Ausadscha genähert hätten, sei die Reaktion der Extremisten sehr konfus gewesen, sagt Abu Saleh. Einige der Kämpfer hätten einen Rückzug vorbereitet und allen Dorfbewohnern befohlen, sich ihnen als „menschliche Schutzschilde“ anzuschließen. Dies habe zu einem internen Streit geführt, da einige andere Kämpfer die Bewohner wiederum bei der Verteidigung der Stellungen zur eigenen Absicherung hätten nutzen wollen, sagt der 50-Jährige.

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Der IS verliert die Kontrolle

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