Terror in der Türkei
Erdogans Vergeltung

Bombardements, Verhaftungswellen und Durchhalteparolen: Ankaras Reaktionen auf den Doppelanschlag in Istanbul folgen dem gewohnten Muster. Greifbare Fahndungserfolge stehen bisher aus. Die Wirtschaft schlägt Alarm.
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IstanbulZu dem Massaker, das nach dem Stand vom Montag 44 Todesopfer forderte, bekannte sich zwar bereits am Sonntag die Terrororganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine Splittergruppe der verbotenen PKK. Aber die Identität der mutmaßlich zwei Selbstmordattentäter und ihrer Komplizen ist weiterhin unklar.

Die bisherigen Versuche der Fahnder, die Hintergründe der Tat aufzuklären, wirken eher reflexartig und ziellos: In fünf türkischen Provinzen wurden am Montag 236 Funktionäre der pro-kurdischen Partei HDP festgenommen. Büros der Partei in Istanbul, Ankara, Adana, Manisa und Mersin wurden durchsucht. Allein in Adana waren an den Razzien rund 500 Polizisten beteiligt. Sie rückten mit gepanzerten Fahrzeugen an und wurden von Hubschraubern aus der Luft unterstützt.

Den Festgenommenen werden Verbindungen zur PKK vorgeworfen. Unter der gleichen Anschuldigung sitzen bereits seit Wochen Dutzende Kurdenpolitiker in Haft, unter ihnen neun Parlamentsabgeordnete und die beiden Vorsitzenden der Partei, Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag.

Am Sonntagabend hatten F-16-Kampfflugzeuge der türkischen Luftwaffe mutmaßliche Stützpunkte der PKK in den nordirakischen Bergen angegriffen. In der 50-minütigen Operation, in deren Verlauf von den Kampfjets zwei Dutzend Raketen abgefeuert wurden, habe man zwölf Ziele zerstört, darunter eine Kommandozentrale und mehrere Artilleriestellungen, teilten die Streitkräfte mit.

Wie die Razzien gegen kurdische Politiker und Parteifunktionäre, gehören auch solche Luftangriffe zum gängigen Ritual nach Terroranschlägen der PKK. Die Organisation hat bereits seit 1999 ihr militärisches Hauptquartier in den Kandil-Bergen des Nordiraks und unterhält dort auch zahlreiche Trainingslager. Die unwegsame Bergregion ist der wichtigste Rückzugsraum der Rebellen. Trotz zahlreicher Bombardements ist es den türkischen Streitkräften bisher nicht gelungen, die PKK aus dem Nordirak zu vertreiben oder ihr nennenswerte Verluste zuzufügen.

Jetzt richtet sich das Interesse der Ermittler zunehmend auch auf den Norden Syriens, wo die syrische Kurdenpartei PYD, eine Schwesterorganisation der PKK, nach der Vertreibung des IS große Gebiete entlang der Grenze zur Türkei kontrolliert und dort eine Autonomiezone geschaffen hat. In einem Video, das kürzlich im Internet kursierte, sieht man Milizen der Volksverteidigungseinheiten YPG beim Training – ein militärischer Arm der PYD. Einer der Kommandeure erklärt vor der Kamera, seine Organisation respektiere „bei der Befreiung Kurdistans keine Grenzen“. Man werde „Erdogan in seinem Blut ertränken“, kündigt der Milizenführer an.

Kommentare zu " Terror in der Türkei: Erdogans Vergeltung"

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  • Mit seiner rücksichtslosen Politik provoziert Erdogan gezielt Terror. Damit nimmt er auch ganz bewußt den Tod seiner Polizisten und türkischer Zivilisten in Kauf. Bei einem 80 Mio. Volk sind 1.000 Terrortote pro Jahr ja auch locker zu verkraften, Mit den geopferten PSoldaten, Polizisten, Zivilisten kauft er sich anschließend die weitere Legitimation seiner wütenden Anhängerschaft, seine menschenverachtende Vergeltungspolitik fortzusetzen. Das nennt man einen Teufelskreis. Und nur Deppen erkennen diesen als solchen nicht!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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