Terror in Frankreich: Video von Terrorist Coulibaly aufgetaucht

Terror in Frankreich
Video von Terrorist Coulibaly aufgetaucht

Einer der Attentäter in Frankreich soll in einem Video seine Loyalität zur Terrormiliz Islamischer Staat erklärt haben. Außerdem wurde Amedy Coulibaly mit Schüssen auf einen Jogger in Verbindung gebracht.
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ParisVon einem der drei in Frankreich getöteten Terroristen ist ein postum zusammengestelltes Video im Internet aufgetaucht. Die Aufnahmen zeigten den Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly und seien von der Terrormiliz Islamischer Staat ins Internet gestellt worden, teilte die Beobachtungsplattform Site am Sonntag mit. Coulibaly leistet darin IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi auf Arabisch einen Treueeid mit einer traditionellen islamischen Formel.

Sein Handeln begründet der spätere Attentäter in einer der Aufnahmen in französischer Sprache mit den Angriffen der westlichen Koalition auf die Gebiete des Islamischen Staates. Dabei würden auch Zivilisten getötet. „Warum? Weil wir die Scharia anwenden?“, fragt Coulibaly in die Kamera. „Seid Ihr diejenigen die entscheiden, was auf der Erde passiert?“

Von offizieller französischer Seite gab es am Sonntag zunächst keine Bestätigung der Authentizität des Videos. Darin sind Szenen von Waffensammlungen und Trainingssequenzen zu sehen. Später scheinen Aufnahmen von der Erstürmung des koscheren Geschäfts im Osten von Paris verwendet worden zu sein, wo Coulibaly Geiseln genommen hatte und nach Angaben der Staatsanwalt vier Menschen tötete.

Womöglich hat Coulibaly noch einen weiteren Anschlag verübt: Die Staatsanwaltschaft stellte am Sonntag eine Verbindung zwischen Amedy Coulibaly und den Schüssen auf einen 32-jährigen Jogger am Mittwochabend im Großraum Paris her. Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden.

Der 32-Jährige malischer Abstammung soll am Donnerstag in Montrouge südlich von Paris zunächst eine Polizistin erschossen haben. Am Freitag dann tötete er in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris bei einer Geiselnahme vier Menschen. Vor seinem Tod sagte er BFMTV, er sei Mitglied der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) und habe seine Taten mit den Kouachi-Brüdern abgestimmt.

Coulibaly wurde in der Vergangenheit wegen Diebstahls, Raubes und Drogenhandels mehrfach verurteilt und hat Jahre im Gefängnis verbracht. Aber erst 2010 fiel sein Name in Verbindung mit einem islamistischen Unterfangen: Er war an Plänen beteiligt, einen inhaftierten Islamisten aus dem Gefängnis zu befreien, bei seiner Festnahme wurden bei ihm 240 Kalaschnikow-Patronen gefunden. Ende 2013 wurde er deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, wegen seiner Zeit in der U-Haft kam er im vergangenen Jahr wieder auf freien Fuß.

Während einer seiner Haftstrafen lernte er Chérif Kouachi kennen - und den Islamisten Beghal, der auch auf ihn einen großen Einfluss ausübte. Geboren wurde Coulibaly in Juvisy-sur-Orge im Süden von Paris als siebtes von insgesamt zehn Kindern - seine Geschwister sind allesamt Schwestern. 2008 und 2009 machte er eine Ausbildung in einem Coca-Cola-Werk nahe Paris. In der Zeit wurde er, zusammen mit anderen Auszubildenden, vom damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast empfangen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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