Terror in Indien
Tote Geiseln im jüdischen Zentrum in Bombay gefunden

Indischen Eliteeinheiten ist es nicht gelungen, das Leben von fünf Geiseln im jüdischen Zentrum von Bombay zu retten. Die Sicherheitskräfte hätten zwar zwei Attentäter getötet, dann aber die Leichen der Geiseln entdeckt, teilte die Polizei am Freitag mit.

rtr BOMBAY. Die Sondereinheiten sprengten vor dem Sturmangriff ein Loch in die Außenmauer des Gebäudes, in dem die mutmaßlich muslimischen Extremisten sich mit mehreren jüdischen Gefangenen verschanzt hatten. Unter den Toten sind wahrscheinlich auch ein aus Israel stammender Rabbiner und seine Frau.

Bei den seit Mittwoch andauernden Schießereien in dem Zentrum und zwei benachbarten Hotels im Stadtzentrum wurden nach offiziellen Angaben mindestens 124 Menschen getötet und 284 verletzt. Die Zahlen dürften nur vorläufig, da nach und nach weitere Leichen entdeckt wurden. Unter dem umgekommenen mindestens zehn Ausländern sind nach Angaben der indischen Behörden auch drei Deutsche. Indien bekräftigte derweil den Vorwurf, die Hintermänner der Attentäter säßen in Pakistan. Beide atomar bewaffneten Nachbarn und Rivalen zeigten sich jedoch um Schadensbegrenzung und Dialog bemüht.

Nur einen Steinwurf vom jüdischen Zentrum entfernt hielt im "Taj-Mahal"-Hotel ein einzelner Attentäter, der zwei Geiseln in seiner Gewalt hatte, Hunderte Einsatzkräfte in Atem. "Er bewegt sich in zwei Stockwerken hin und her. Es gibt einen Teil mit einer Tanzfläche, wo er alle Lichter ausgeschaltet hat", sagte Generalleutnant N. Thamburaj. Der Extremist kenne sich in dem Gebäude besser aus als seine Männer, sagte der Chef einer Spezialeinheit, der sein Gesicht mit einer schwarzen Maske und einer Sonnenbrille verhüllt hatte. Der Attentäter sei "zu allem entschlossen und erbarmungslos". Er habe in dem 105 Jahre alten Luxushotels 50 Leichen gesehen, ergänzte der Einsatzleiter.

Gut 48 Stunden nach Beginn der Anschlagserie brachten andere Eliteeinheiten nach Angaben der Polizei das Hotel "Trident-Oberoi" unter ihre Kontrolle. Dabei wurden zwei Attentäter getötet und 143 Geiseln befreit. Bei der Durchsuchung des Gebäuden fanden die Sicherheitskräfte 24 Leichen.

Zwei Tage nach Beginn der Anschlagsserie zeigte Indien offen auf Pakistan als Sitz der Urheber. "Vorläufige Beweise und erster Augenschein verweisen darauf, dass Elemente mit Verbindungen nach Pakistan beteiligt sind", sagte Außenminister Pranab Mukherjee in Neu-Delhi. Einer der in Bombay festgenommenen Tatverdächtigen ist nach Angaben der Regierung des Bundesstaates Maharashtra pakistanischer Staatsbürger. Pakistan wies die Vorwürfe zurück und verurteilte die Anschläge. Präsident Asif Ali Zardari und Ministerpräsident Yousaf Raza Gilani telefonierten mit Regierungschef Manhoman Singh. "Nichtstaatliche Kräfte wollen beiden Regierungen ihren Willen aufzwingen. Das darf nicht geschehen", zitierte das Präsidialamt Zardari. Der in Indien zu Besuch weilende pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi äußerte sich zu einem Treffen mit Singh und der Opposition bereit. Die britische Regierung geht derweil Berichten nach, dass unter den Attentätern auch britische Staatsbürger pakistanischer Herkunft sind. Entsprechende Informationen aus indischen Regierungskreisen wurden vom der Zeitung "The Evening Standard" verbreitet. Unter den Festgenommenen seien auch zwei in Großbritannien geborene Pakistaner, hieß in dem Blatt.

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