Terror in Libyen
Vom Aufstand zum Ausnahmezustand

Als sich die Libyer im Jahr 2011 gegen ihren Diktator Gaddafi erhoben, träumten sie von einen neuen und gerechteren Staat. Fünf Jahre später ist das nordafrikanische Land tief gespalten und hat ein Terrorproblem.

TripolisEs war nur eine Frage der Zeit. Im Januar 2011 jagten die Tunesier Präsident Ben Ali ins Exil. Am 11. Februar stürzte Machthaber Mubarak in Ägypten. Nun war auch Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi dran. Am 15. Februar erhoben sich die ersten Demonstranten in der Hafenstadt Bengasi mit dem inzwischen weltberühmten Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“.

Das Volk bekam seinen Willen. Seitdem kehrte keine Ruhe in das nordafrikanische Land ein. Fünf Jahre später ist das Land gespalten in Ost und West, in Tobruk und Tripolis, in weltlich und islamistisch. Dazu kommen Hunderte Milizen. Eine von den Vereinten Nationen vermittelte Einheitsregierung steht zwar bereit, ihre Einsetzung scheiterte bislang aber am Widerstand beider Seiten. Und solange die streiten, profitiert vor allem der immer stärker werdende libysche Ableger der Terrormiliz IS.

„Sie lieben mich, mein ganzes Volk steht zu mir, sie lieben mich“, hatte Gaddafi zwei Wochen nach den ersten Protesten noch gesagt. Ob der von Wahnvorstellungen getriebene Exzentriker das noch ernst meinte? Nicht auszuschließen. Der zivile Aufstand in Bengasi schlug dennoch schnell in einen militärischen Konflikt um.

Ein Bürgerkrieg zwischen Regierung und Rebellen, in dem wenig später auch USA, Frankreich und Großbritannien mit Luftangriffen auf die Regimetruppen eingriffen. Im Oktober schließlich sind die Tage des Diktators gezählt. Er wird in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet. Der deutsche Uno-Sondervermittler für Libyen, Martin Kobler, sagte kürzlich dem „Spiegel“, es sei ein Fehler der internationalen Gemeinschaft gewesen, das Land danach nicht mehr zu unterstützen. „Und genau deswegen ist es nun so wichtig, das Land nicht erneut alleine zu lassen.“

Nach Jahren der politischen Unruhen, wechselnden Führungen und der nun tiefen Spaltung des Landes sitzt die größte Gefahr Libyens ebenfalls in Sirte. Die zentral an der Mittelmeerküste des Landes gelegene Hafenstadt ist dieser Tage das Zentrum des kleinen „Kalifats“, das sich der libysche Ableger der Terrormiliz IS aufgebaut hat.

Seite 1:

Vom Aufstand zum Ausnahmezustand

Seite 2:

Grausames Regime von Islamisten

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%