Terror in Norwegen
Auch Kanzlerin soll auf Todesliste des Killers von Oslo stehen

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel soll auf der Todesliste des norwegischen Attentäters gestanden haben. Der Verfassungsschutz prüft mögliche Kontakte zur rechten Szene.
  • 10

BerlinDer norwegische Attentäter Anders B. soll auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als mögliches Ziel gesehen haben. In seinem im Internet veröffentlichten rassistischen Manifest habe B. namentlich die Kanzlerin erwähnt sowie allgemein die SPD, Linke und Grünen als mögliche Anschlagsziele benannt, berichtet die „Hamburger Morgenpost“. Der Verfassungsschutz bestätigte dem Blatt, dass in dieser Sache
ermittelt wird. Es gehe um „mögliche Kontakte“ des Attentäters zur rechten Szene in Deutschland. „Der Verfassungsschutz prüft, wie immer in solchen Fällen, ob es etwaige Bezuge zu extremistischen Organisationen in Deutschland gibt“, sagte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Bislang lägen solche Anhaltspunkte allerdings nicht vor, fügte sie hinzu.

Der Verfassungsschutz prüft nach Angaben des Hamburger Innensenators Michael Neumann mögliche Verbindungen des Attentäters von Oslo zur Hamburger Neonazi-Szene. Es gebe Kontakte der Hamburger rechten Szene nach Skandinavien, sagte der SPD-Politiker, wie das Onlineportal „Bild.de“ berichtet. Allerdings hätten die Behörden derzeit keine Erkenntnisse über unmittelbare Kontakte des Täters zur Hamburger Szene. Der Hamburger Verfassungsschutz überprüfe jedoch auf Grundlage aller ihm zur Verfügung stehenden Informationen mögliche unmittelbare oder mittelbare Verbindungen, sagte Neumann. Schon seit längerem halten deutsche Neonazis engen Kontakt zur rechten Szene vor allem in Dänemark und Schweden. Gemeinsames Feindbild ist laut Bundesamt für Verfassungsschutz die These einer „Islamisierung Europas“.

Nach dem Massaker in Norwegen mehren sich unterdessen die Fragen zu dem Verhalten der Sicherheitskräfte. Polizeichef Sveinung Sponheim sagte am Sonntag bei einer Pressekonferenz, dass ein Beamter auf der Insel zum Dienst eingeteilt war, wo der Attentäter mindestens 86 junge Menschen kaltblütig erschoss. Es sei jedoch unklar, wo der Beamte sei. Der 32 Jahre alte Täter hatte unter anderem deshalb rund ein Stunde Zeit für seinen Massenmord, weil die Polizei kein passendes Boot zur Überfahrt auf die Insel bereit hatte. Zudem entschieden die Beamten, auf die Anti-Terror-Einheit aus dem 45 Kilometer entfernten Oslo zu warten, die mit dem Auto zum Einsatz eilte. Der 32-Jährige Rechtsextremist ließ sich nach offizieller Darstellung zwei Minuten nach Ankunft der Elitepolizisten widerstandslos festnehmen.

Rund 48 Stunden nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utøya dauert die Suche nach vier bis fünf Vermissten weiter an. Die Einsatzkräfte setzen dafür auch ein Boot mit einem Sonargerät ein. Der Bergungshelfer Hans Eolsen sagte der Nachrichtenagentur dpa, bislang habe er nur Kleidungsstücke gefunden. Das Boot mit dem Sonargerät ist seit Samstagnachmittag im Einsatz, um den bis zu 35 Meter tiefen See nach Hinweisen auf die Vermissten abzusuchen. Im flachen Wasser seien Taucher im Einsatz gewesen, sagte Eolsen.

Zur gleichen Zeit kamen immer wieder Menschen aus der Umgebung zu dem kleinen Anleger des Campingplatzes Utvika, um direkt am Seeufer Blumen niederzulegen. „Das war ein Angriff auf die norwegische Jugend“, sagte die 19-jährige Sportstudentin Silje Tufte. Der Anwohner Atle Staurem sagte: „Es ist unfassbar, dass an diesem friedlichen Ort so Grauenhaftes geschehen kann.“

Bei dem Anschlag auf Regierungsgebäude in Oslo am Freitag kamen sieben Menschen ums Leben, bei dem anschließenden Blutbad auf der Insel Utöya nach Polizeiangaben vom Sonntag 86. Damit korrigierten die Behörden die Zahl der Todesopfer auf 93 nach oben.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Terror in Norwegen: Auch Kanzlerin soll auf Todesliste des Killers von Oslo stehen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ach Quatsch. Wahrscheinlich haben sie bei seinen Aufzeichnungen eine Liste gefunden, wen er denn gerne alles beseitigen würde. Hat aber nichts damit zu tun, was er letztendlich ausführte. Das wird eben nun von Scharfmachern, besonders in der CDU, aufgegriffen, um die Freiheiten in Deutschland weiter einzuschränken. Aber ich denke, das sind nur Spielchen, um die CSU Stammwähler zu beruhigen. Ich glaube nicht, dass es zu Gesetzesverschärfungen kommen wird.


  • @Revision: Aha, weil die Linken angeblich mehr Leute auf dem Gewissen haben, ist es OK, wenn Rechte Unschuldige killen? Damit irgendwann Gleichstand erreicht wird, oder was?
    Mann-o-Mann, soviel Blödheit auf einmal...

  • @ Supermann,
    da ist (bislang), glaube ich jedenfalls, selbst BILD noch nicht drauf gekommen - und die ist doch alleine für die MeinungsBILDung in Deutschland zuständig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%