Terror und Migration
Sahel-Länder schließen Reihen gegen Extremisten

Nach dem Merkel-Versprechen beim Kampf gegen den Menschenschmuggel in Mali zu helfen, werden Rufe aus dem Tschad laut. Es wird regionale statt nationale EU-Hilfe gefordert. Die Kanzlerin bezieht dazu Stellung.

BerlinDie Staaten der afrikanischen Sahelzone können die Terrorgefahr und den Menschenschmuggel nach Einschätzung des Präsidenten des Tschad nur gemeinsam bekämpfen. „Die G5 sind Frontstaaten“, sagte der Präsident des zentralafrikanischen Landes, Idriss Deby Itno, am Mittwoch in Berlin nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die G5 umfassen Mauretanien, Burkina Faso, Mali, Niger und Tschad. Merkel hatte vor ihrem Treffen mit Itno bereits Mali und Niger besucht, um über Wege zur Stabilisierung der Länder und eine mögliche Migrationszusammenarbeit mit der EU zu sprechen. Hintergrund ist der Versuch, die Zahl afrikanischer Migranten in die EU zu verringern und die Ausbreitung der islamistischen Miliz IS zu verhindern.

Nachdem Deutschland und die EU Niger als Haupttransitland für illegale Migranten nach Norden Hilfe versprochen haben, warnte Tschads Präsident vor einem zersplitterten Ansatz. Die regionale Hilfe für alle fünf G5-Staaten sei „die einzige Möglichkeit, um die illegale Migration einzudämmen“, sagte Itno. Die G5 hätten deshalb eine gemeinsame Truppe aufgestellt, um gegen Islamisten und Drogen- und Menschen-Schmuggler vorzugehen. Wenn dagegen nur Niger geholfen werde, drohe sich die Schmuggelroute in den Tschad zu verlagern.

Derzeit kommen durch den nigrischen Ort Agadez rund 90 Prozent der Migranten, die dann durch die Sahara, Libyen und über das Mittelmeer versuchen, in die EU zu gelangen. Bereits heute würden die meisten Migranten nördlich von Agadez aber versuchen, über den Nord-Tschad nach Libyen zu gelangen, weil der direkte Weg nach Libyen von Terrorgruppen kontrolliert werde und damit zu gefährlich sei, sagte Itno.

Merkel verwies darauf, dass auch die EU eine gemeinsame Herausforderung der G5-Staaten sehe. Deshalb habe die Union eine gemeinsame Sahel-Zonen-Initiative aufgelegt. Deutschland, Frankreich und Italien haben vor allem Mali und Niger mehr Unterstützung versprochen. Frankreich sagte den Sahel-Ländern und dem Senegal Anfang Oktober zudem 42 Millionen Euro für ein Antiterror-Training der Streitkräfte in den Jahren 2017 bis 2022 zu. „Auch andere europäische Länder werden sich engagieren müssen“, forderte Merkel am Mittwoch. Deutschland will etwa die nigrischen Streitkräfte mit Fahrzeugen und Kommunikationsmitteln ausstatten. Die Bundeswehr ist sowohl in Mali als auch Niger präsent und unterstützt dort französische sowie afrikanische Truppen im Anti-Terrorkampf.

Wie zuvor Mali und Niger sagte Merkel auch dem Tschad mehr Entwicklungshilfe zu. „Deutschland wird 8,9 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um zusätzlich zu dem Engagement, was wir heute schon haben, zu helfen bei Wasser- und Ernährungsproblemen“, sagte sie. Der Tschad habe mehr als 700.000 Flüchtlinge aus anderen Ländern aufgenommen und liege in einer konfliktreichen Region. Mit dem Land sollten auch bilaterale Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut werden, weil bisher weder deutsche Unternehmen noch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in dem Land aktiv seien, kündigte Merkel an. Sie hatte die deutsche Wirtschaft bereits auf ihrer Afrikareise zu einem größeren Engagement in Afrika aufgerufen.

Itno begrüßte, dass sich Deutschland anders als früher stärker in Afrika engagieren wolle. „Deutschland kann für Afrika wirklich ein wichtiger Partner sein“, sagte der Präsident der ehemaligen französischen Kolonie. Er hoffe, dass künftig auch Berlin so wie Paris ein ständiger Anlaufpunkt für afrikanische Regierungen werde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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