Terror und Tourismus in Frankreich
Flüchten oder ausweichen?

Nach dem Terror stornieren viele Urlauber ihre Reise nach Frankreich. Die Touristenhochburgen an der Côte d’Azur versuchen sich an kreativen Ausweichstrategien. Auch der Schüleraustausch mit Deutschland leidet.

NizzaSieht so eine Tourismus-Krise aus? Ein Sonnenschirm am anderen, die Liegestühle stehen Flanke an Flanke, die Badegäste planschen dicht an dicht im Mittelmeer: Am Strand vor der Promenade des Anglais in Nizza bekommt man nicht den Eindruck, dass der Fremdenverkehr eingebrochen ist, seit ein Terrorist hier vor gut drei Wochen 85 Menschen getötet hat. Doch genau das ist geschehen: 14 Prozent weniger Buchungen melden die Hoteliers in Nizza, und nicht nur sie. Auch andere Städte an der Côte d’Azur wie Cannes sind im gleichen Ausmaß betroffen.

Der Rückgang um 14 Prozent hört sich eindrucksvoll an, aber noch nicht dramatisch. Was er nicht auf den ersten Blick erkennen lässt: Die Gäste, die stornieren, sind vor allem die wohlhabendsten. „Kunden mit hoher Kaufkraft, wie die Amerikaner, sind besonders sensibel und reagieren sehr schnell“, weiß Veruschka Becquart von „Atout France“, der staatlichen Behörde zur Förderung des Tourismus. Vor allem die teuren Hotels und Restaurants leiden deshalb unter dem Ausbleiben der Touristen, der wirtschaftliche Schaden ist höher, als der Rückgang an Übernachtungen anzeigt.

Der Tourismus-Verband der weltberühmten Küste hat deshalb eine Blitzaktion gestartet, um zu retten, was zu retten ist. Atout France unterstützt die Côte d’Azur und die Hauptstadt Paris, die noch stärker betroffen ist. Gemeinsam mit dem Fremdenverkehrsamt der Côte d’Azur will man „eine positive Botschaft senden, zeigen, dass das Leben weitergeht“. sagt Becquart. Ob die Botschaft noch rechtzeitig ankommt, ist die Frage: Juli und August sind für die Küste die wichtigsten Monate des Jahres, und die sind schon bald vorbei.

Einen „ehrgeizigen Plan in mehreren Etappen“ beschreibt Sophie Brugerolles vom regionalen Tourismusverband der Côte d’Azur. Das Département und Städte wie Nizza und Cannes starten eine Werbekampagne in Italien, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen, USA, Russland und China. Mit Plakaten und einem speziellen Video eines bekannten Youtubers soll die fröhliche Seite der Côte d’Azur gezeigt werden. Die Lufthansa ist mit dabei: Sie beteiligt sich mit ihrer Tochter Eurowings, die in den Städten wirbt, von denen aus sie Nizza ansteuert.

Die Experten wissen mittlerweile aus Paris, dass nicht nur ein vorübergehender Rückgang droht, sondern eine dauerhafte Delle. In Paris begannen die Besucher schon nach dem Anschlag auf die Satirezeitung Charlie Hebdo im Januar 2015 auszubleiben. Der Mordanschlag in den Pariser Straßencafés und im Musikclub Bataclan vom 13. November hat die Tendenz deutlich verschärft. Und obwohl es seitdem in Paris keinen großen Anschlag mehr gab, meiden viele Paris-Interessierte die Stadt auch in diesem Jahr. Die meldete im Juli ein Minus von 20 Prozent bei den Übernachtungen. Auch hier sind es vor allem die Leute, die sonst Etablissements mit vier und fünf Sternen oder mit Palace-Status aufsuchen, die nun ausbleiben. Einen vergleichbaren Effekt will man an der Côte d’Azur vermeiden.

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