Terror von Wolgograd
Bomben statt Böller

Nach zwei Anschlägen beherrscht die Angst Wolgograd, das russische Silvester steht unter dem Eindruck des Terrors. Präsident Putin verschärft die Kontrollen. Mit Spannung wird seine Neujahrsbotschaft erwartet.
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Wolgograd/BerlinJahreswechsel im Zeichen des Terrors: Nach der blutigen Anschlagsserie von Wolgograd sind in Russland viele Silvesterfeiern abgesagt und die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft worden. Mit Spannung wurde erwartet, ob Präsident Wladimir Putin in seiner traditionellen Ansprache in der Silvesternacht Bezug nimmt auf den Bombenterror. Der Kremlchef hatte nach Medienberichten eigentlich seine Landsleute festlich auf das Olympia-Jahr einstimmen wollen. Die Rede wird vom Staatsfernsehen landesweit übertragen. In der südrussischen Stadt Wolgograd hatten zwei Selbstmordattentäter binnen 24 Stunden mehr als 30 Menschen mit in den Tod gerissen.

16 Menschen starben, als am Montagmorgen ein Attentäter in einem voll besetzten Bus einen mit Metallstücken gefüllten Sprengsatz zündete. Am Sonntag waren bei einer Bombenexplosion im Bahnhof der Stadt 18 Menschen getötet worden. Es war der dritte Terrorangriff in der Millionenstadt seit Ende Oktober. Am Dienstag sollten noch einige Verletzte von Wolgograd in Spezialkliniken nach Moskau geflogen werden.

Als Reaktion auf die Anschläge sagte die Verwaltung von Wolgograd alle offiziellen Silvesterfeiern ab. Auch eine geplante Trauerfeier wurde aus Sicherheitsgründen verschoben. Einige Städte wie St. Petersburg kündigten an, aus Mitgefühl auf größere Neujahrsfeste zu verzichten. Staatliche TV-Sender strichen Unterhaltungsshows.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen reagierte empört auf den zweiten Anschlag und verurteilte beide Angriffe scharf. „Diese abscheulichen und grässlichen Taten richten sich auf öffentlichen Plätzen willkürlich gegen unschuldige Menschen“, hieß es in einer Erklärung aus New York. Auch die Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck verurteilten den Anschlag.

Die russische Regierung macht Extremisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus für die Attentate verantwortlich, zu denen sich zunächst niemand offiziell bekannt hatte. Islamisten hatten mit Anschlägen gedroht, um die Vorbereitungen der Olympischen Winterspiele in Sotschi (7. bis 23. Februar 2014) zu stören. Wolgograd liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt. Im Nordkaukasus kämpfen Islamisten für einen unabhängigen „Gottesstaat“. Die Oberhäupter muslimischer Gemeinden distanzierten sich am Montag von den Anschlägen.

Die Sicherheitskräfte in Wolgograd suchten mit Hochdruck nach möglichen Komplizen der Attentäter. Das Innenministerium habe 5200 Polizisten in die Industriestadt abkommandiert, sagte Sprecher Andrej Piliptschuk. Bei Razzien seien mindestens 87 Menschen festgenommen worden, deren Dokumente nicht in Ordnung gewesen seien.

Trotz der Anschläge sei die Sicherheit der Spiele gewährleistet, sagte der Chef des Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow. Alle notwendigen Schritte seien unternommen. Schon jetzt gelten die Maßnahmen in Sotschi als extrem hoch. Kritiker beklagen eine „Totalüberwachung“. Putin beriet sich über die Sicherheitslage auch mit Regierungschef Dmitri Medwedew.

Unterdessen haben die USA Russland eine engere Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen für die Spiele in Sotschi angeboten. Die Bombenexplosionen zeigten die Notwendigkeit für eine bessere Kooperation mit Russland, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums am Montag. Die US-Bürger, die an den Spielen teilnehmen wollten, müssten beschützt werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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