Terrorangst
Der Terror? Der ist eingepreist!

Die internationalen Börsen haben sich an die Bedrohung des internationalen Terrors gewöhnt. Die verschärften Einreisebestimmungen in den USA lassen die Märkte kalt. Latente Drohungen allein reichen nicht aus, um die Kurse fallen zu lassen. Reale Anschläge oder Entführungen können die Lage abrupt ändern.

DÜSSELDORF. Für eine kurze Zeit lang hatte es am Wochenbeginn so ausgesehen, als würden die jüngsten Terror-Drohungen und das neue Video von El-Kaida-Chef Osama bin Laden Druck auf die Märkte ausüben. Bei noch dünnen Umsätzen zeigte der Dax nach unten, am Freitagabend war auch schon die Wall Street um ein halbes Prozent ins Minus gerutscht. Doch dann erholten sich die Kurse rasch wieder. „Terror ist für uns heute kein Thema mehr“, sagte am Nachmittag an der New York Stock Exchange Parketthändler Ted Weisberg.

Die internationalen Märkte haben sich offenbar schon längst an die drohende Gefahr gewöhnt. „So ein Video von Osama bin Laden taucht alle drei Monate auf“, meint Marktanalyst Christian Schmidt von der Hessischen Landesbank. „Erst wenn es wirklich einen größeren Anschlag gibt, dann könnte das die immer noch positiv gestimmten Märkte sehr schnell umschlagen lassen.“

Am ersten Handelstag nach dem 11. September war der Dow-Jones-Index um 7,1 % abgesackt, der Dax hatte 8,5% verloren. Ein Angriff auf ein westliches Land könnte heute ähnliche Auswirkungen haben, meinen Experten.Sollte es etwa zu einer neuen Flugzeug-Entführung kommen, würde das zu einer großen Nervosität führen, meint Schmidt von der Helaba. „In den Hinterköpfen der Händler ist das Thema ständig präsent.“

Anschläge auf Gebäude im Irak werden dagegen kaum noch registriert. „Das ist in den Kursen längst eingepreist“, sagt Vermögensverwalter Bert Flossbach von Flossbach & von Storch in Köln. „Es ist nicht sinnvoll, auf den Terror eine Strategie abzustellen.“ Völlig kalt ließen die eingestellten Flüge die Marktteilnehmer trotzdem nicht. Einige hätten ihre Positionen glatt gestellt und Gewinne realisiert, meint Schmidt. „Andere haben sich unter dem Eindruck drohender Anschläge zurückgehalten.“ Heftigere Reaktionen werde es nur bei echten Überraschungen geben, glaubt Vermögensverwalter Flossbach

.

Haben sich Anleger schon zu sehr an die veränderte geopolitische Lage gewöhnt? Chefstratege Richard Bernstein von der Investmentbank Merrill Lynch in New York fürchtet, dass Investoren die Risiken unterschätzen, und glaubt, sie müssten weit stärker in der Anlagestrategie berücksichtigt werden. „Manche denken, da die Risiken nicht quantifiziert werden können, sollte man sie unberücksichtigt lassen“, beobachtet er, „doch das Gegenteil ist richtig.“

Als Strategie empfiehlt Bernstein, das Schwergewicht auf stabile, preisgünstige Standardwerte zu setzen. Er hebt besonders den Energie- Sektor hervor. Die geopolitische Situation verhindere einen raschen Anstieg der Ölproduktion in Schwellenländern. Der Energie- Sektor bleibe deswegen eine der großen Zukunftsbranchen. Weiter empfiehlt Bernstein auch Werte der Rüstungsindustrie. „Die militärischen Ausgaben im Irak und der Aufwand zum Schutz der nationalen Sicherheit werden so schnell nicht aufhören“, meint er.

Auch Marktanalyst Schmidt von der Helaba glaubt, dass neue Terroranschläge bestimmte Branchen stärker belasten als andere. Nach dem 11. September wissen wir, wie sich so etwas auf einzelne Werte auswirkt“, sagt er. Mehr Sicherheit böten weniger anfällige Werte wie Henkel, Linde, MAN oder Eon. „Spekulative Titel wie etwa Technologiewerte und auch Lufthansa oder Tui wären direkt betroffen“, meint Schmidt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%