Terrorangst in Israel
Überall kann es die Menschen treffen

Was der israelische Rundfunk am Samstagmorgen berichtet, ist gruselige Routine. In Hebron und in Jerusalem sei es erneut zu Terrorattacken gekommen. Im Internet kursieren Anleitungen zum Töten mit Messern.

Tel AvivDreimal stachen die Täter mit einem Messer zu, und dreimal wurden sie auf der Stelle getötet. Die Tatwaffen waren erneut primitiv – aber sie waren spitz und scharf, und sie können tödlich sein. Die jüngste Gewaltwelle begann am 1. Oktober mit der Ermordung eines israelischen Paars in der Jerusalemer Altstadt. Allein in den vergangenen zwei Wochen kam es in Jerusalem zu mehr als einem Dutzend ähnlicher Attacken. Hinzu kommen zahlreiche Terrorangriffe in anderen Städten.

Israelis leben jetzt mit der beständigen Angst, dass es sie auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, ins Kino oder beim Einkaufen im Geschäft um die Ecke treffen könnte. Ein Augenschein am Freitag zeigte in Tel Aviv, dass auf den sonst gut frequentierten Märkten oder in den Bussen deutlich weniger Menschen unterwegs waren als sonst. Kaffeehäuser und Restaurants beklagen Umsatzeinbußen, weil die Kunden aus Besorgtheit zuhause bleiben. Um sich vor dem Terror zu schützen, kaufen viele Pfeffersprays, schreiben sich in Karate-Kursen ein oder besorgen sich einen Waffenschein. In Jerusalem hat der Bürgermeister die Besitzer von Waffenscheinen aufgefordert, die Wohnung nicht ohne Revolver zu verlassen.

Das Profil der palästinensischen Attentäter unterscheidet sich von früheren Terrorwellen. Es handelt sich in der Regel entweder um Teenager oder, wie in Hebron am Morgen, um Frauen. „Der Jüngste, den wir festnahmen, war noch keine zehn Jahre alt“, sagt ein Armeesprecher. Die Messerstecher sind nicht in einer Partei organisiert, verfolgen keine ideologischen Ziele und arm sind sie auch nicht. Mitunter sind sie Teil der israelischen Gesellschaft. Ein Attentäter war zum Beispiel für die größte Telefongesellschaft tätig, eine andere Terroristin studierte an einer israelischen Universität.

„Der nationale und der religiöse Kampf sind eng miteinander verbunden“, sagt der Tel Aviver Terrorismusforscher Kobi Michael dem Handelsblatt. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) habe seit Jahren behauptet, Israel wolle die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg zerstören. Dafür hat sie zwar keine Beweise vorgelegt, weil es keine gibt. Aber die PA, und allen voran Präsident Mahmoud Abbas, habe damit eine explosive Grundlage für die Gewalt gelegt, die jetzt ausgebrochen sei: „Die arabische Revolte ist in Palästina angekommen.“

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