Terroranschläge
Wirtschaft fürchtet um das Image Algeriens

In Algerien haben sich radikale Islamisten mit einer neuen Anschlagsserie zurückgemeldet. Sollte der Terror weitergehen, hätte das auch direkte Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und die Energieversorgung der Europäischen Union.

DÜSSELDORF. Die neue Anschlagsserie in Algerien weckt Befürchtungen einer erneuten Destabilisierung des nordafrikanischen Landes. Dies hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und die Energieversorgung der Europäischen Union. Einen Tag nach dem verheerenden Bombenanschlag auf eine Polizeischule in der Stadt Issers mit 43 Toten starben am Mittwoch bei der Explosion von zwei Autobomben erneut mindestens zwölf Menschen. Die Anschläge in der 150 Kilometer östlich von Algier gelegenen Stadt Bouira richteten sich laut staatlichem Rundfunk gegen einen örtlichen Armeekommandeur sowie Kanadier, die für ein Wasserprojekt arbeiten.

Obwohl sich bisher niemand zu den Taten bekannte, vermuten die Behörden einen islamistischen Hintergrund. Die Häufung der Anschläge spricht für ein Wiedererstarken radikaler Islamisten, die den Maghreb-Staat seit Jahren mit Gewalt überziehen. Im Januar 1992 hatten Regierung und Armee den zweiten Wahlgang der ersten freien Parlamentswahl ausgesetzt und die Islamistische Heilsfront (FIS) so um ihren sicheren Sieg gebracht. Zwei Monate später wurde die FIS verboten, der bewaffnete Kampf gegen den Staat, dem bis heute über 150 000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen, eskalierte. Der seit 1999 regierende Präsident Abdelaziz Bouteflika hat mit seiner durch Referenden abgesicherten Politik der nationalen Versöhnung zwar zur Befriedung beigetragen, doch islamistische Gruppen wie die "El Kaida im islamischen Maghreb" halten an ihrem heiligen Krieg fest.

Bei der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Algier fürchtet man nun, dass die neuen Anschläge dem Image Algeriens als Investitionsstandort schaden. "Man kann ein terroristisches Restrisiko nicht ausschließen", sagt Geschäftsführer Andreas Hergenröther, "aber das ist in vielen Ländern so." Bisher hätten Islamisten meist zielgerichtet Symbole des algerischen Staates angegriffen, oft zudem in entlegenen Regionen. Internationale Konzerne oder Filialen ausländischer Öl- und Gasgesellschaften blieben dagegen bisher weitgehend verschont.

Sollte der Terror aber weiter um sich greifen, hätte dies auch direkte Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft. Mehr als 200 deutsche Unternehmen sind laut AHK in Algerien aktiv. Henkel etwa hat die komplette Waschmittelproduktion in der Hand, Linde produziert zwei Drittel der Industriegase dort. Auch am Ausbau der erneuerbaren Energie in Algerien sind deutsche Firmen beteiligt type="organisation" value="DE0005937007" />-MAN, Solar Millennium, Schott und Siemens etwa beim Bau eines solarthermischen Kraftwerks. Zu der für Oktober geplanten ersten deutsch-algerischen Umweltmesse haben sich mehr als 40 Firmen aus Deutschland angesagt. Im ersten Halbjahr 2008 lieferten deutsche Firmen nach Angaben des algerischen Statistikamts Waren für 1,12 Mrd. Dollar - fast 37 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Desaströs wäre ein Rückfall des Opec-Mitglieds Algerien in den Bürgerkrieg auch für die Europäische Union: "Algerien ist der drittgrößte Flüssiggasproduzent der Welt und ein wichtiger Partner bei der Diversifizierung der Energieversorgung", sagt AHK-Geschäftsführer Hergenröther. Das Land exportiert über zwei bestehende Pipelines Erdgas nach Andalusien und Sizilien und ist nach Russland und Norwegen drittgrößter Lieferant der EU. Zwei geplante Röhren ins spanische Almeria und nach Sardinien sollen spätestens 2010 in Betrieb gehen.

Auch Algeriens Öl- und Gasindustrie lockt ausländische Investoren an, obwohl die Regierung die 2005 eingeleitete Liberalisierung wieder etwas zurückgedreht hat. So hält die staatliche Energiegesellschaft Sonatrach bei Projekten zur Erschließung und Förderung von Öl und Gas stets die Mehrheit der Anteile. Zudem führte die Regierung eine Sondersteuer auf die Profite ausländischer Energiekonzerne ein. Im Vergleich zu anderen arabischen Staaten seien diese Beschränkungen aber recht liberal, sagt Hergenröther. So hätten sich jüngst für die Erschließung eines neuen Gasfeldes 71 multinationale Konzerne beworben, darunter Eon, RWE und Wintershall.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%