Terroranschlag in Indien
„Bombay – das ist ein Amoklauf“

Die indische Polizei hat die Geiselnahme im Luxushotel „Taj Mahal“ in Bombay für beendet erklärt. Bei dem Überfall ist auch ein deutscher Manager ums Leben gekommen. Im Hotel „Trident Oberoi“ dauert der Einsatz der Sondereinheit allerdings noch an. Augenzeugen berichten von Schüssen und einer lauten Explosion.

HB BOMBAY/NEU DELHI. Die indische Polizei teilte mit, die Geiselnahme im Hotel "Taj Mahal" sei abgeschlossen. "Die dort festgehaltenen Menschen wurden allesamt gerettet", sagte der Chef der Staatspolizei von Maharashtra, A. N. Roy, am Donnerstag dem Fernsehsender NDTV. Es sei aber noch eine unbekannte Zahl von Gästen in ihren Hotelzimmern eingeschlossen.

Bei dem Überfall auf das "Taj Mahal" kam jedoch der Münchener Medienunternehmer Ralph Burkei ums Leben. Das bestätigte die Medienfirma C.A.M.P. TV, bei der Mitgesellschafter Burkei als Programmleiter wirkte. Burkei sei bei dem Versuch, sich aus dem Hotel Taj Mahal zu retten, abgestürzt und offenbar auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Dagegen dauerte Polizeichef Roy zufolge die Geiselnahme im Hotel "Trident Oberoi" an. "Um sicherzustellen, dass unschuldige Menschen nicht zu Schaden kommen, müssen wir sehr vorsichtig vorgehen." Eine Reuters-Reporterin hatte zuvor berichtet, in dem Fünf-Sterne-Hotel habe es eine laute Explosion gegeben.

Eine indische Architektin erlebte den Anschlag auf das "Taj Mahal"-Hotel in Bombay aus einem nahe gelegenen Café miterlebt. "Wir haben gegen 22 Uhr das Café verlassen und eine Reihe von Schüssen gehört, es klang wie Feuerwerk", sagte die 33-jährige Perena Motwane am Donnerstag. "Es wurde immer lauter, wie Explosionen, aber er war nicht klar, aus welcher Richtung es kam", sagte sie. "Wir haben uns zunächst nichts dabei gedacht, in Bombay ist immer was los", fügte sie hinzu. Dann seien Menschen gelaufen gekommen. Ein Mann in einem blutigen T-Shirt habe um Hilfe geschrien. "Dann kam ein junges Pärchen, vermutlich ausländische Touristen. Die Frau heulte, der Mann humpelte, es sah aus, als sei er angeschossen worden", berichtete Motwane. Sie sagten, sie seien in einem Café gewesen, als ein paar Männer wild um sich geschossen hätten. Überall sei Blut gewesen.

Beide Hotels in der Finanzmetropole waren am Mittwoch zusammen mit anderen Touristenzentren gezielt angegriffen worden. Dabei wurden mehr als 100 Menschen getötet und über 250 verletzt. Unter den Toten sind nach Polizeiangaben mindestens sechs Ausländer sowie der Chef der Anti-Terror-Einheit Bombays. Zu der Anschlagsserie bekannte sich eine bislang kaum bekannte islamistische Gruppe mit dem Namen "Deccan Mujaheddeen".

Die Drahtzieher der Anschläge vermutet Indiens Premierminister Manmohan Singh im Ausland. Die Hintermänner seien „außerhalb des Landes“, sagte Singh am Donnerstag in einer Rede an die Nation. Die indischen Behörden hatten in der Vergangenheit wiederholt Fundamentalisten aus Pakistan für Anschläge verantwortlich gemacht, die in Indien verübt wurden. Seine Regierung werde den Nachbarstaaten „deutlich sagen“, dass sie es „nicht hinnehmen wird, wenn ihr Territorium als Ausgangsbasis für Angriffe auf uns“ verwendet werde, fügte Singh hinzu, ohne ein bestimmtes Land beim Namen zu nennen. „Die sorgfältig geplanten Anschläge sollten Panik auslösen“, sagte Singh. Bewusst seien „hochrangige“ Ziele ausgewählt und „Ausländer unterschiedslos umgebracht“ worden. „Es liegt auf der Hand, dass die ausübende Gruppe, die außerhalb des Landes beheimatet ist, dazu entschlossen war, in der wirtschaftlichen Hauptstadt des Landes Chaos auzuslösen.“

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