Terroranschlag in London
„Die Polizisten haben nur gebrüllt: Rennt!“

Fast zwei Wochen nach dem Terroranschlag in Manchester ist in London ein Transporter in eine Menschenmenge gerast und hat mindestens eine Person getötet. Die Polizei vermutet einen terroristischen Hintergrund.
  • 0

LondonBei einer Serie mutmaßlicher Terrorangriffe in London sind in der Nacht zum Sonntag mehrere Menschen getötet worden. Premierministerin Theresa May sprach am frühen Morgen von einem möglichen Terrorakt. Die Hintergründe waren zunächst unklar.

Ein Transporter soll auf der London Bridge mit etwa 80 Kilometern die Stunde auf die Menschen zugerast sein. „Er kam von der Straße ab, machte einen Schlenker um mich herum und traf zwei Menschen vor mir und drei hinter mir.“ So beschreibt die BBC-Reporterin Holly Jones einen Zwischenfall, der sich Samstagnacht in London ereignete und bei dem die Polizei einen terroristischen Hintergrund vermutet.

Der Transporter ist nach Zeugenangaben kurz nach 22 Uhr in Passanten auf der London Bridge gefahren. Nur kurze Zeit später wurde die Polizei zu einem weiteren Vorfall ganz in der Nähe gerufen: im Borough Market. Um die Markthalle herum sind viele Restaurants und Kneipen. Etwas später rückten Polizisten auch weiter im Westen Londons, in Vauxhall, aus.

Nach Mitternacht teilte Großbritanniens Premierministerin Theresa May mit: Die Vorfälle würden wie „potenzielle Terrorakte“ behandelt. Polizeiangaben zufolge steht der Vorfall in Vauxhall aber nicht im direkten Zusammenhang mit den anderen beiden. Nach Informationen der BBC gab es mehr als ein Todesopfer.

Der Vorfall auf der London Bridge weckt Erinnerungen an den 22. März dieses Jahres. Ein Auto war damals auf einer Brücke im Londoner Regierungsviertel in Passanten gerast. Der Fahrer hat danach versucht, sich Zugang zum Parlamentsgebäude zu verschaffen und ging dabei mit einem Messer auf einen Polizisten los. Der Terroranschlag dauerte gerade mal knapp eineinhalb Minuten. Sechs Menschen sind dabei gestorben und etwa 50 verletzt worden.

Vor noch nicht mal zwei Wochen hat ein Selbstmordattentäter am Ende eines Konzerts in Manchester einen selbst gebauten Sprengsatz gezündet. 22 Konzertbesucher sind dabei gestorben.

Zeugen berichteten Samstagnacht über den Kurznachrichtendienst Twitter von mehreren Verletzten, die sie auf der London Bridge gesehen hätten und die ärztlich versorgt worden wären. In einigen der Berichten war davon die Rede, dass Männer mit Messern auf die Menschen losgegangen seien. Ein Augenzeuge sagte dem Nachrichtensender Sky News, er habe mehrere Schüsse gehört.

Die Polizei hat das Gelände großräumig abgesperrt und bat die Londoner, die Gegend zu meiden. Menschen, die in der Nähe der London Bridge wohnten, sollten nach Möglichkeit eine alternative Übernachtungsmöglichkeit nutzen. Hotelgäste in diesem Teil der britischen Hauptstadt wurden evakuiert. „Die Polizei hat uns nicht einfach nur gesagt, in welche Richtung wir gehen sollten. Die Polizisten haben gebrüllt: Rennt!“ So beschreibt ein Tourist im Gespräch mit der Tageszeitung „Guardian“ die Situation.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sucht die Londoner Polizei offenbar nach dem Zwischenfall auf der London Bridge drei mutmaßliche Attentäter, die möglicherweise bewaffnet seien.

Kommentare zu " Terroranschlag in London: „Die Polizisten haben nur gebrüllt: Rennt!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%