Terrorattacken in Bombay
Indien: Noch eine Krise für Obama und Clinton

Seine Außenministerin Hillary Clinton hat er noch gar nicht offiziell benannt, da muss der designierte US-Präsident Barack Obama mit den Anschlägen in Bombay schon seine erste ernsthafte außenpolitische Herausforderung meistern. Der noch amtierende Präsident George W. Bush hat Indien bereits Unterstützung angeboten. Wie in der Finanzkrise arbeiten Obamas Mannschaft und die Bush-Regierung auch im diesem Fall eng zusammen.

WASHINGTON. Er sei „in Gedanken und in seinen Gebeten bei den Opfern“ gab er sich Obama am Donnerstag staatsmännisch. Die koordinierten Anschläge auf Unschuldige zeigten, wie ernst die Bedrohung durch Terroristen sei, ergänzte später ein Sprecher des gewählten, aber noch nicht ins Amt eingeführten Präsidenten. Die USA müssten ihre Partnerschaft mit Indien und anderen Nationen in der Welt stärken, um Netzwerke von Terroristen zu zerstören.

Doch auch bei diesem Thema endet das Statement Obamas mit einer optimistischen Note: Indiens Demokratie werde sich als stark genug erweisen, auch diese Herausforderung zu meistern. Eine Schuldzuweisung, womöglich an die Adresse des engen US-Verbündeten Pakistan, vermied das Obama-Lager sorgfältig. Doch die ins Stocken geratene Aussöhnung der einstigen Erzfeinde Indien und Pakistan ist nach Meinung von Experten eine der ersten Aufgaben, denen sich die künftige Außenministerin der USA, Hilary Clinton, wird widmen müssen.

Der noch bis zum 20. Januar amtierende Präsident George W. Bush bot Indien die Unterstützung seines Landes an. „Die Vereinigten Staaten verurteilen die Terroranschläge und werden weiterhin in dieser Zeit der Tragödie zum indischem Volk stehen“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Nach Informationen von US-Medien will Washington der indischen Regierung mit Geheimdienstwissen und mit Spezialagenten helfen.

Wie in der Finanzkrise arbeiten die Bush-Regierung und die Mannschaft von Obama auch im Fall Indien eng zusammen. Nach Informationen von CNN richteten beide Seiten eine Task-Force ein, die engen Kontakt mit dem Krisenzentrum im Außenministerium und den Geheimdiensten hält, um alle relevanten Informationen sofort an den künftigen Präsidenten weitergeben zu können.

Am Donnerstag hatte sich das Übergangsteam Obamas wie ganz Amerika eine Auszeit zu Thanksgiving gönnen wollen; nach Angaben aus seinem Umfeld verbrachte Obama den Donnerstag in seinem Haus in Chicago, wo er mit Familie und Freunden den Feiertag beging. Nach seinem Finanzteam wird Obama zum Beginn kommender Woche sein Personal für die Posten in der Außen- und Sicherheitspolitik benennen.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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