Terrorexperte Tophoven

„Anschläge gegen Flugzeuge werden am Boden zugelassen“

Ist die russische Passagiermaschine in Ägypten doch Ziel eines Anschlags geworden? Der Essener Terrorismus-Experte Tophoven hält das durchaus für möglich und warnt vor weiteren Attacken – auch auf Flughäfen.
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Video aufgetaucht: Sieht man hier den Absturz im Sinai?

BerlinDer Terrorismusexperte Rolf Tophoven hält es für möglich, dass die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) hinter dem Absturz der Passagiermaschine mit 224 Menschen an Bord steckt und warnt vor weiteren, ähnlichen Attacken. „Es ist davon auszugehen, dass der IS auch Flugzeuge angreift, weil die Dimension derartiger Anschläge eine besonders hohe mediale Reaktion auslöst“, sagte Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ (IFTUS) in Essen dem Handelsblatt. Der IS habe in seiner Propagandakampagne unter anderem stets die westliche Kultur, westliche Gesellschaftsstrukturen attackiert und  zum Dschihad aufgerufen. „Die Terrormiliz IS spielt auf der ganzen operativen Klaviatur möglicher Einsatzszenarien.“

Es wäre daher aus Tophovens Sicht „eine fatale Unterschätzung des IS, Aktionen gegen Flughäfen und Luftfahrtzeuge grundsätzlich auszuschließen.“ Ob weitere Anschläge gegen die internationale Luftfahrt zu befürchten sind, müsse zwar spekulativ bleiben. „Sicher ist jedoch, dass der IS, nicht zuletzt aufgrund des bisher bekannten brutalen und erbarmungslosen Vorgehens in den von ihm kontrollierten Gebieten, alle Optionen gegen seine Gegner ins Kalkül zieht“, sagte der Experte. „Gegenmaßnahmen gegen Luftterror sind wohl kaum hundertprozentig zu treffen“, fügte Tophoven hinzu: „Doch es gilt die Faustregel: Anschläge gegen die Luftfahrt werden am Boden zugelassen oder verhindert.“

Russland wies unterdessen Vermutungen Großbritanniens und der USA zurück, eine Bombe könne den Absturz des Flugzeugs über der Sinai-Halbinsel verursacht haben. Ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin sagte in Moskau, dies sei reine Spekulation. Das britische Außenministerium hält es dagegen für wahrscheinlich, dass sich ein Sprengsatz an Bord befand. Nach einem Bericht des US-Senders CNN legen dies auch Erkenntnisse des amerikanischen Geheimdienstes nahe. Als möglicher Urheber wird die Terrormiliz IS genannt.

Wie Tophoven hält auch der Terrorismus-Experte am Londoner King's College, Peter Neumann, diesen Verdacht für plausibel. Der IS habe auf dem Sinai einen starken Ableger und zu Anschlägen gegen Russen aufgerufen, sagte Neumann im Deutschlandfunk. Allerdings fehle noch ein Beweis, etwa durch ein Bekenner-Video.

Internationale Airlines haben angesichts der Anschlagsspekulationen Flüge nach Scharm el Scheich vorerst gestoppt. Am Flughafen des beliebten ägyptischen Badeortes auf der Sinai-Halbinsel drohen deshalb nach Angaben von Reiseanbietern chaotische Verhältnisse: Mindestens 9000 Briten saßen am Donnerstag in der Urlaubsregion fest, wie der Verband Abta in London mitteilte.

Rund 2000 deutsche Gäste in Scharm el Scheich
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  • "Der Essener Terrorismus-Experte Tophoven hält das durchaus für möglich und warnt vor weiteren Attacken – auch auf Flughäfen."

    Davon ist auszugehen. Es stellt sich die Frage, wieviel Terroristen mit der Völkerwanderung unkontrolliert bei uns einwandern.

  • na ja - einen Kommentar von mir hat er "stehen lassen" - oder nur übersehen?

    Ob er allerdings persönlich die "niederen Arbeiten" erledigen muss ist fraglich.
    Das muss ggf. erst mal ein Praktikant (oder der Herr Albers?) erledigen, man weiß es nicht......

    Die wichtigen Leute sind in der gewonnenen Zeit mglw. im Kanzleramt um neue Instruktionen zu erhalten.

    lol

    !!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

  • Wie können Sie davon profitieren?
    Kaufen Sie z.B. die Aktien von:
    - Lockheed Martin
    - Boeing
    - General Dynamics
    oder wenn Sie es lieber "deutsch" mögen:
    - Rheinmetall
    - ThyssenKrupp usw.
    http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/ranking-die-groessten-ruestungskonzerne-der-welt-fotostrecke-93335.html

    Es könnte jedoch sein, dass Sie sich als Angehöriger einer "toleranten westlichen Gesellschaft" mit den Aktien für lange Zeit in einen Bunker eingraben müssen.
    Ich möchte hier nicht weiter zynisch ätzen, sondern ich möchte nur aufzeigen, wie kaputt unsere Gesellschaft tatsächlich ist: verordnetes Gutmenschentum, das offensichtliche Gefahr negiert, einerseits - und weltweite Aufrüstung und Kriegs- und Terrorismusprofiteure andererseits...

  • Ich setz noch eins drauf:

    ...oder bewusst ins Messer laufen lässt?!

  • Ja klar ist das so.

    Und wenn eine Nation auf dieser Welt einen Militärhaushalt von jährlich fast 600 MRD US-Dollar füttern muss,. dann muss auch "was passieren". Denn wenn nix passiert, dann würden die Militärkonzerne auch nicht mehr gebarucht und könnten ergo kein Geld verdienen.

  • @ Marc Hofmann

    Keine Angst, der IS wird auch noch in Deutschland seine blutige Spur hinterlassen. So offen wie unser Land momentan für jeden und Alles ist....ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis hier in Deutschland die erste Bombe hochgeht.


    ... dem kann ich nur zustimmen. Unsere Mitbürger, die darauf bedacht sind, sich auf die Seite der Zuströmenden zu stellen, denken anscheinend weder über die Folgen noch über die Gefahren dieses Desasters nach.
    Erstaunlich finde ich, dass die Länder um uns herum sich erlauben, Nein zu Flüchtlingen zu sagen, der Bürger hierzulande sich aber kaum traut seine Meinung zu sagen, wenn diese konträr zu vorherrschenden Flüchtlingspolitik steht.

  • Es steht zu befürchten, daß der IS bzw. sonstige Ableger des islamischen Terrorismus in naher Zukunft gerade in Europa Terroranschläge verüben werden. Dies entspricht der perfiden Logik der selbsternannten Gotteskrieger, welche die Islamisierung der westlichen Welt als Teil ihres Feldzuges betrachten. Das zum Teil zur bloßen Permissivität mutierte Toleranzverständnis westlicher Gesellschaften und der damit zu beobachtende Verzicht auf eine wirksame Bekämpfung radikal islamischer Tendenzen wird von diesen radikalen Gruppierungen - insoweit zu Recht - als eine fundamentale Schwäche verstanden. Gerade offene und rechtsstaatliche Gesellschaften müssen ihre Gegner jedoch wirksam bekämpfen.

  • Auch wenn es zynisch klingen mag: Terrorismus ist tatsächlich immer auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: einmal für die Waffenhersteller und die Rüstungsindustrie (einerseits sind die Terroristen selber Abnehmer, andererseits die Terrorismusbekämpfer, die wiederum Unsummen in die Entwicklung neuer Waffensysteme wie z.B. Drohnen stecken), darüber hinaus liefert er etwa der Sicherheitsindustrie Großaufträge (man denke z.B. an die Hersteller von "Nacktscannern", die Profiteure des resultierenden Sicherheitswahns sind).
    Nur absolut naive Menschen können daher auch abstreiten, dass es Kreise gibt, die an einem Fortbestand des Terrorismus interessiert sind.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • „…dass die Politik den IS an dieser Stelle tatsächlich fatal unterschätzt.“
    Oder aber die tatsächliche, und meiner Meinung nach, überaus reale Gefährdung der Bevölkerung verschweigt. Mit Halbwahrheiten und totschweigen kennt sich die gegenwärtige Regierung bestens aus.

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