Terrorgruppe Boko Haram
32 Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria

Die Gewalt im Nordosten Nigerias geht weiter: 32 Menschen starben bei einem Selbstmordanschlag, im Staat Kogi brachen nach einer Attacke auf ein Gefängnis Häftlinge aus. Die Terrorgruppe Boko Haram gilt als Drahtzieher.
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PotiskumEin Selbstmordattentäter hat im Nordosten Nigerias 32 Menschen mit in den Tod gerissen. 119 weitere seien verletzt worden, berichteten Krankenhausvertreter und Augenzeugen. Demnach zündete der Angreifer am Montag in der Stadt Potiskum am Rande einer religiösen Prozession der moderaten Muslimbruderschaft Sprengsätze. In dem in Zentralnigeria gelegenen Staat Kogi kam es zudem am Vortag zu einer bewaffneten Attacke auf ein Gefängnis, bei der 145 Insassen die Flucht gelang. Ein Gefangener wurde getötet.

Zwölf der entflohenen Häftlinge hätten am späten Montagabend gefasst worden, sagte Gefängnischef Omale Adams der Nachrichtenagentur AP. Die Haftanstalt befindet sich in einer Gegend, in der es in jüngster Vergangenheit sporadische Attacken der Terrororganisation Boko Haram gab. Die islamistische Extremistengruppe gilt als Drahtzieher der Bluttat in Potiskum, der Hauptstadt des Staats Yobe.

Kurz nach dem Selbstmordanschlag auf die Prozession ergriffen aufgebrachte Mitglieder der Muslimbruderschaft zwei Verdächtige und weigerten sich zunächst, sie an das Militär zu übergeben, wie Augenzeuge Mohammed Adamu berichtete. Als die Menge die beiden mit Faustschlägen und Holzschlägern traktiert habe, hätten Soldaten mehrere Schüsse in die Luft abgegeben.

Eine der Kugeln habe jedoch einen der Muslimbrüder getroffen und tödlich verletzt, sagte Adamu. Einer der Verdächtigen entpuppte sich schließlich als Polizist, worauf die Menge beide doch an die Polizei übergab. Ein AP-Reporter sah, wie die zwei Verprügelten zusammen mit zwei Dutzend beim Anschlag verletzten Frauen und Kinder in eine Klinik gebracht wurden.

Es war der erste Gewaltakt mutmaßlicher Boko-Haram-Mitglieder in Potiskum seit Monaten. Zuletzt hatten Extremisten bei einem Angriff auf eine Moschee in der Stadt vier sunnitische Muslime getötet.

Seit fünf Jahren überzieht Boko Haram den Nordosten Nigerias mit blutiger Gewalt. Tausende wurden getötet, Hunderttausende flohen vor der dem Terror. Kürzlich brachte die Extremistengruppe Städte und Dörfer in den Staaten Borno und Adamawa in ihre Gewalt und rief in einem großen Gebiet an der Grenze zu Kamerun ein islamisches Kalifat aus.

Mitte Oktober verkündete das Militär zwar eine sofortige Feuerpause, doch gingen Attacken und Entführungen durch die Extremisten unvermindert weiter. Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau dementierte am Freitag ein Waffenstillstandsabkommen mit der Armee. Zudem machte er die Hoffnung auf eine schnelle Freilassung der Schulmädchen zunichte, die im April aus einem Internat im Ort Chibok verschleppt worden waren. Sie seien allesamt zum Islam konvertiert und verheiratet worden, erklärte der Extremistenführer.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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