Terrorismus
Inkompetenz und Schlamperei im Kampf gegen den IS

Die Idee klingt machbar: Analysten mit Arabischkenntnissen beobachten die Sozialen Medien und bekehren Menschen, die sich dem IS anschließen könnten. Doch Wortschatz, Alkohol und Geldgier blockieren die Mission.
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TampaDer Terrormiliz Islamischer Staat mögliche Rekruten in den Sozialen Medien wegschnappen - das ist einfach gesprochen die Idee eines seit mehreren Jahren laufenden Programms des US-Militärs. Auf diese Weise soll den islamischen Extremisten eine Quelle für Nachschub an Kämpfern abgegraben werden. Doch das als „WebOps“ bekannte Counter-Programm gegen die Propaganda-Maschinerie des IS im Netz leidet an Inkompetenz, geschönten Daten und Vetternwirtschaft, wie Recherchen der Nachrichtenagentur AP ergaben.

Und besonders peinlich: Sprachliche Mängel in der am Zentralkommando der US-Streitkräfte in Tampa in Florida ansässigen Gruppe aus Dutzenden zivilen Analysten haben im Netz schon für reichlich Gespött gesorgt: So hätten Übersetzer wiederholt die arabischen Wörter für „Salat“ und „Autorität“ durcheinandergebracht, sagten aktuelle und frühere Mitarbeiter von „WebOps“ der AP. Solch eine Inkompetenz bei einer Zielgruppe, die oftmals perfekt Arabisch spricht - da schien eine erfolgreiche Kontaktaufnahme mit dem Ziel, potenzielle Rekruten vom IS fernzuhalten, von vornherein unmöglich.

Tatsächlich gab es die ersten Probleme, als die fehlenden Arabischkenntnisse zu Tage traten, wie mehrere Mitarbeiter von „WebOps“ berichteten, die alle anonym bleiben wollten. Einige der eingestellten Analysten sprachen demnach nicht flüssig Arabisch und hatten überdies keine tieferen Kenntnisse über den Islam. Um dennoch Erfolge vorzuweisen, wurden in einigen Fällen Daten einfach geschönt, wie Insider der AP weiter berichteten. Das Problem sei auch innerhalb der Unternehmen bekannt, die für das US-Zentralkommando diese Analysearbeit leisten. Doch jegliche Versuche, unabhängige Stellen über die Daten schauen zu lassen, wurden nach Angaben der Insider abgeblockt.

Interne Dokumente und Gespräche mit mehr als einem Dutzend Menschen mit Kenntnissen über „WebOps“ legen den Schluss nahe, dass das Programm eher dazu dient, die Vertragsfirmen zu bereichern statt die Terrorgefahr zu schmälern. Dies könnte im günstigsten Fall dadurch gelingen, indem die Analysten in Tampa auf Sozialen Medien wie Twitter oder Facebook mit spezieller Software Accounts von Menschen suchen, deren Kommentare auf eine gewisse Neigung zum IS schließen lassen. Die geografische Bandbreite reicht dabei von Zentralasien bis zum Horn von Afrika - überall dort versucht der IS im Netz, neue Kämpfer anzuwerben.

Einmal fündig geworden, benutzen die Analysten fiktive Identitäten, treten mit diesen potenziellen Rekruten in Kontakt und versuchen, sie von einem Beitritt zur Terrormiliz abzuhalten - wären da nicht die schon erwähnten Sprachbarrieren.

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Alkohol und Vetternwirtschaft

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