Terrorismus während der EM
Frankreichs neue Realität

Für Frankreich werden schlimme Befürchtungen wahr: Ein Terrorakt, Gewaltorgien von Hooligans und neue Proteste gegen die Arbeitsreform – alles kommt auf einen Schlag. Die Franzosen reagieren auf ihre ganz eigene Art.
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ParisNach dem Mord eines vorbestraften Islamisten an einem Polizistenpaar hat die französische Regierung keine beruhigende Botschaft für die eigene Bevölkerung. Sie reagiert auch nicht mit dem sonst üblichen Aktionismus. „Wir können nicht nach jedem Vorfall nach neuen, zusätzlichen Kräften rufen“, sagte Premier Manuel Valls bei einem Statement vor der Nationalversammlung.

Er appelliert an den Realitätssinn der Franzosen: „Mit den Anschlägen von 2015 sind wir in eine andere Epoche eingetreten, die Zeit der Sorglosigkeit ist vorbei.“ Es gebe eine weltweite Bedrohung, wie der Anschlag in Florida gezeigt habe, und „der Krieg gegen den Terrorismus, in dem wir stehen“, verlange „Entschiedenheit und einen langen Atem“.

Der 25-jährige Larossi Abballa hatte am späten Montagabend einem Polizisten vor dessen Haus in Magnanville bei Paris aufgelauert und ihn mit einem Messer erstochen. Nachdem er in das Haus eingedrungen war, ermordete er auch die Frau des Polizisten. Er verbreitete ein Video des getöteten Beamten, in dem er sagt, er wisse noch nicht, was er mit dem dreijährigen Kind des Paares machen solle. Gegen Mitternacht wurde Abballa im Haus von Angehörigen des Einsatzkommandos RAID erschossen. Das Kind wurde unter Schock, aber unverletzt gefunden. Am Dienstag sind zwei Personen festgenommen worden, die dem mutmaßlichen Attentäter nahestehen sollen. Das teilten die Behörden mit.

Die Ermittler bezeichneten den Mord als „neuen Terrorakt“. Der Täter habe sich wenige Wochen vor der Tat zur Terrormiliz Islamischer Staats (IS) bekannt, sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins heute in Paris auf Basis erster Ermittlungen. Zudem sei eine Liste mit Zielen gefunden worden, auf der Polizisten, Journalisten und Rapper verzeichnet waren.

Abballa soll zudem in einem auf Facebook veröffentlichten Video zu weiteren islamistischen Anschlägen während der Fußball-Europameisterschaft aufgerufen haben. „Wir werden aus der EM einen Friedhof machen“, sagte Abballa in einem auf Facebook veröffentlichten Video, wie der Experte David Thomson am Dienstag berichtete. Thomson ist ein auf Terrorismus spezialisierter Journalist des französischen Senders RFI und Verfasser des Buches „Die französischen Dschihadisten“.

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  • Die Realität hat sich in der Menschheitsgeschichte ausnahmslos gegenüber der Illusion und Ideologie durchgesetzt.
    Es ist möglich, dass man eine Zeit lang an der Realität vorbei Leben kann, aber eben nicht auf dauer.
    Über 60% der deutschen wollen des Islam hier nicht haben, der Rest, also die Islamversteher und Freunde dieser Pseudoreligion werden auch noch wach werden.

  • Wir dürfen uns unser Europa nicht von Frau Merkel definieren oder auch zerstören lassen.
    Zurück zur EG der Vaterländer, Grundgesetz und weg mit dem Euro, den Schutzsuchenden und den Diktaturen ala Merkel.

  • Das ist nicht unser Grundgesetz, sondern das Gesetz der Allierten um die Verwaltungseinheit zu gewährleisten. Nach §146 GG gibt es ein von souveränen Deutschen gewähltes Grundgesetz/Verfassung erst wenn über diese nach Völkerrecht abgestimmt wurde. Auch interessant: Laut Grundgesetz, ist dann nur einer Wahlberechtigt, der nachweislich Deutscher ist. Einbürgerung Voraussetzung z.B. bei Migranteneltern: Die Elternteile müssen mindestens 8 Jahre vollwertig in Deutschland (heisst Asyljahre zählen nicht) gelebt haben, dass das Kind Anspruch auf die deutsche StaatsBÜRGERSCHAFT hat. Somit laufen hier welche mit deutschem Ausweis rum, die dann nicht wählen dürfen, dafür aber im Ausland die ehemaligen deutschen Bundesbürger. Sehr kompliziert das Ganze.

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