Terroristen-Jagd gestartet
Möglicher US-Schlag bringt Jemen in Zugzwang

Im Jemen hat eine groß angelegte Militäroperation gegen Top-Terroristen begonnen. Mit ihrer Offensive wollen die Jemeniten nach Ansicht von Beobachtern eine mögliche Intervention amerikanischer Anti-Terror-Sondereinsatzkommandos im Jemen verhindern.
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HB SANAA. Ziel ist es, den von den USA gesuchten Hassprediger Anwar al-Awlaki und den mutmaßlichen Bombenbauer Ibrahim Hassan al-Asiri zu fassen. Aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Sanaa hieß es am Dienstag, der Militäreinsatz konzentriere sich auf die Provinzen Schabwa und Marib. Al-Awlaki gilt als Al-Kaida-Vordenker, der aus Saudi-Arabien stammende Al-Asiri soll die Paketbomben hergestellt haben, die jetzt in Luftfrachtpaketen aus dem Jemen entdeckt wurden.

Mit ihrer Offensive wollen die Jemeniten nach Ansicht von Beobachtern eine mögliche Intervention amerikanischer Anti-Terror-Sondereinsatzkommandos im Jemen verhindern. US-Präsident Barack Obama hatte den US-Sicherheitsdiensten und der Armee im vergangenen April die Erlaubnis erteilt, Al-Awlaki zu töten, weil dieser mehrere Terroristen zu Anschlägen angestachelt haben soll.

Die jemenitische Armee kämpft in der südlichen Provinz Abjan bereits seit Wochen gegen Al-Kaida-Zellen. Einige Terroristen aus Saudi-Arabien, die sich in dem Bezirk Lawdar verschanzt hatten, haben sich inzwischen gestellt.

In der Hauptstadt Sanaa begann am Dienstag zudem ein Prozess gegen einen jungen Todesschützen, in dem auch Al-Awlaki und sein Cousin, Othman al-Awlaki, angeklagt sind. Hischam Mohammed Asem (19) hatte am 6. Oktober in Sanaa einen Franzosen erschossen und einen Briten verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der junge Mann, der für eine Sicherheitsfirma gearbeitet hatte, von Al-Awlaki per E- Mail den Befehl erhalten haben, „Ausländer zu töten“.

Unterdessen wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst Mitte September drei verdächtige Pakete abgefangen hat, bei denen es sich möglicherweise um einen Probelauf des Terrornetzwerks Al-Kaida für die vergangene Woche verhinderten Anschläge mit Paketbomben handelte. Die US-Behörden hätten die Sendungen vor deren Eintreffen am Zielort Chicago beschlagnahmt und untersucht, verlautete am Montag aus Regierungskreisen in Washington. Unter anderem seien Bücher und Dokumente sicher gestellt worden, die aus heutiger Sicht vermutlich von der Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) stammten.

Offenbar habe die militante Gruppe damit die Möglichkeiten für einen Anschlag durch Luftfracht testen wollen, sagte die Gewährsperson. Sprengstoff hätten die Pakete nicht enthalten.

Die in der vergangenen Woche beschlagnahmten Paketbomben waren offenbar in Jemen in die Luftpost gegeben worden. Eine wurde unbemerkt in Köln-Bonn umgeladen und erst in England nach einem Hinweis saudiarabischer Behörden angefangen worden. Sie hatten den US-Behörden die Frachtbriefnummern der verdächtigen Pakete übermittelt. Die andere wurde in Dubai sichergestellt.

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