Terroristen von Paris
IS veröffentlicht angeblich Video von Pariser Attentätern

Sie verüben in Syrien Gräueltaten und kündigen die von Paris und weitere an: Im Netz kursiert ein Video, das die Terroristen von Paris zeigen soll. Frankreich veröffentlicht derweil Zahlen zu vereitelten Anschlägen.

Paris, Neu DelhiDie Attentäter von Paris verübten offenbar vor der Terrorserie im November 2015 Gräueltaten im von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Gebiet in Syrien. Dies geht aus einem neuen IS-Video hervor, das die auf Beobachtung extremistischer Online-Auftritte spezialisierte Webseite SITE am Sonntag ins Netz stellte. Zudem drohte die Gruppe in der Aufnahme mit Anschlägen auf Großbritannien und dessen Premierminister David Cameron. Frankreichs Außenministerium reagierte zunächst verhalten und erklärte, die Regierung prüfe das Video.

Bei der Anschlagswelle der IS-Miliz hatten Attentäter am 13. November in einem vollen Konzertsaal, an Cafés und einem Restaurant sowie vor einer Sportarena in Paris fast gleichzeitig zugeschlagen. 130 Menschen wurden ermordet, mehrere Hundert weitere verletzt.

In dem 17-minütigen Video sind die neun Extremisten zu sehen, die bei den Pariser Attacken oder danach starben. Sieben der Attentäter – vier aus Belgien und drei aus Frankreich – äußern sich darin in fließendem Französisch. Zwei weitere wurden anhand ihrer Kampfnamen als Iraker identifiziert und sprachen Arabisch.

Sieben der späteren Attentäter von Paris sind in dem Video zudem vor gefesselten Gefangenen zu sehen, die als „Abtrünnige“ bezeichnet werden. Die Opfer wurden entweder enthauptet oder erschossen. „Bald auf dem Champs-Elysées“, erklärt der in einem Pariser Vorort aufgewachsene Samy Amimour, während er einen abgetrennten Kopf in die Höhe hält.

Wo genau das Video gedreht wurde, wird nicht erwähnt. Es wird jedoch angenommen, dass es im IS-Territorium in Syrien vor der Abreise der Männer nach Paris entstand. Dies würde die Angaben der französischen Polizei stützen, wonach die Anschläge im Bürgerkriegsland ausgeheckt wurden.

Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorserie, ist in dem Clip in einem Zimmer zu sehen. Wenige Tage nach den Anschlägen von Paris wurde er bei einer Razzia der französischen Polizei im Vorort Saint-Denis getötet.

Ein anderer Extremist, Brahim Abdeslam, hält sich in dem Video auf einem behelfsmäßigen Schießstand auf. In Paris sprengte er sich vor einem Café in die Luft, war dort jedoch das einzige Opfer. Sein ebenfalls mutmaßlich an der Terrorserie beteiligter Bruder Salah Abdeslam ist flüchtig. Der Anti-IS-Aktivistengruppe „Rakka wird im Stillen geschlachtet“ zufolge wurden die beiden in Rakka trainiert, der Hochburg und Hauptstadt des selbst erklärten IS-Kalifats.

Frankreich wird sich nach Aussage seines Präsidenten François Hollande nicht von einem Drohvideo der Terrormiliz IS einschüchtern lassen. Zum Schutz der Demokratie sei es allerdings wichtig, den Ausnahmezustand in Frankreich zu verlängern, sagte Hollande am Montag am Rande eines Staatsbesuchs in Indien. So könnten alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden. „Wir werden die Werte, für die Frankreich eintritt, immer schützen“, sagte Hollande.

Die französischen Behörden haben nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve derweil im vergangenen Jahr elf Attentate vereitelt. Die verhinderten Anschläge seien den Angriffen vom November in Paris ähnlich gewesen, sagte der Minister am Sonntagabend im Sender France 5. Unter anderem sei ein „Konzert in einer Veranstaltungshalle“ im Visier gewesen. Außerdem waren seinen Angaben zufolge Angriffe auf Zivilisten „auf den Straßen" geplant.

Nach den Attentaten vom 13. November mit 130 Toten war in Frankreich der Ausnahmezustand verhängt worden, der den Behörden mehr Befugnisse bei Terrorermittlungen gibt. Er läuft Ende Februar aus, soll aber nach dem Willen der Regierung um drei weitere Monate verlängert werden. Cazeneuve bezeichnete den Ausnahmezustand als "nützlich" bei der Verhinderung von Anschlägen sowie beim Schutz der Bevölkerung.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass dem Kabinett Anfang Februar ein Gesetzentwurf zur Verlängerung des Ausnahmezustands vorgelegt werden solle. Nachdem die Maßnahme zunächst breite Unterstützung in Politik und Gesellschaft gefunden hatte, wird inzwischen aber zunehmend diskutiert, ob sie weiterhin gerechtfertigt ist.

Agentur
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